dead reckoning Philipp Gehmacher (A) / Vladimir Miller (D)
Choreografische Videoinstallation Sa 26/09, So 27/09 &Fr 02/10, 21.30 So 27/09, Sa 03/10 & So 04/10, 17.30
Heimatsaal im Volkskundemuseum 36’
Plötzlich keine Übersicht: Wo stehen wir, wo ist zumindest ein Punkt, von dem aus wir uns orientieren können? Der Choreograf Philipp Gehmacher und der Videokünstler Vladimir Miller erzeugen einen Raum, den wir von allen Seiten einsehen können und der uns zugleich deutlich macht, wie sehr jede unserer Entscheidungen für einen Blickwinkel zugleich eine Entscheidung ist gegen mögliche andere. „dead reckoning“ nennen Seeleute eine Navigationsmethode, die keine absoluten Fixpunkte außerhalb des Schiffes verwendet, keine Leuchttürme, keine Sterne, keinen Pol. Die aktuelle Position wird aufgrund der letzten Kursbestimmung und der verstrichenen Zeit geschätzt – so wird Orientierung zur fortwährenden Voraussage, die sich immer von der letzten Gewissheit aus weiterhangelt. In Gehmachers und Millers Installation ist die vermeintliche Übersicht eine Illusion, die Rekonstruktion der Bewegung und des Raumes immer nur in Fragmenten möglich. Beinahe zum Berühren nah, bleiben wir doch immer außen vor – trotz aller Unmittelbarkeit immer in einem anderen Raum, in einer anderen Zeit. Die vier Videoaufnahmen auf zwei sich kreuzenden Projektionsflächen markieren einen Bildraum, der uns scheinbar alles, doch in Wahrheit immer nur Ausschnitte zeigt. Die Rekonstruktion der totalen Aufnahme scheitert, der totale Überblick wird zu einem Konstrukt mit Nischen. Das Spiel der drei Tänzer mit der Kamera ist zugleich ein Spiel mit uns, die wir – kreisend um die Choreografie – selbst zur Choreografie werden.