Die Wiener Gesellschaft um 1903 im Umbruch der Epochen: Maler, Schriftsteller, Schauspieler, Weltenbummler. Die Geschwister Johanna und Felix, beide Anfang zwanzig, ohne rechte Orientierung, sind umzingelt von Menschen mit "Vergangenheit". Drei Männer, Künstlerfreunde, waren vor 20 Jahren eng miteinander verbunden, hatten Affären mit denselben Frauen und erfreuten sich ihrer prächtigen Zukunftsaussichten: Der eine galt als die große Hoffnung der neuen Malerei, der andere gab seine Offizierskarriere auf, um als Dichter zu reüssieren, der dritte lenkte sein Leben in die geregelten Bahnen von Familie und "Kunst- beamtentum". Nun, in der Mitte ihres Lebens, holt sie die Vergangenheit wieder ein. Die Jugend von Johanna und Felix wird zum Tauschwert dieser Gesellschaft, die sich mit famoser Rücksichtslosigkeit weiter behaupten will.
Die Themen Einsamkeit, Tod und Entfremdung stehen im Mittelpunkt dieses ersten der großen Gesellschaftsdramen Schnitzlers. Es handelt von Menschen, „die alle so nah sind und die doch voneinander nichts wissen, kaum ihre Beziehungen zueinander kennen und dazu bestimmt scheinen auseinanderzufallen, weiß Gott wohin ...".
Mit Der einsame Weg hat Schnitzler ein schonungsloses Selbstporträt und ein Gesellschaftsporträt seiner Zeit verfasst, das ihn „Tränen der Verzweiflung" vergießen ließ. Angst vor einengenden Bindungen, Flucht aus der Verantwortung, Selbstmitleid, Berührungsängste und falscher Lebensentwurf verhindern eine mögliche Überwindung der Einsamkeiten dieser Menschen, die uns heute so nah sind wie je. Diese Lebensbilanzen, diese Menschen mit ihren Brüchen und Widersprüchen könnten uns alle heute begegnen. Hervorgegangen aus vielen Fassungen, die sprechende Titel wie „Egoisten" und „Der Junggeselle" trugen, fand 1904 die Uraufführung von Der einsame Weg am Deutschen Theater in Berlin statt.
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