Die Skandinavien-Festspiele im Posthof nähern sich dem nächsten Höhepunkt:
Die Norwegerin Solveig Slettahjell besetzt im dicht gedrängten Feld der brillanten nordischen Vokalistinnen einen der Spitzenplätze, den die 38-Jährige und ihr SLOW MOTION ORCHESTRA (SMO) mit dem gerade erschienenen sechsten Album "Tarpan Seasons" entschieden verteidigen. Der Name ihres Begleitensembles ist Programm: Slettahjell suhlt sich in wohliger Langsamkeit, in der intimen Melodik ihrer Lieder, die an skandinavische Folklore ebenso andocken wie an amerikanische Songwriter-Traditionen von Tom Waits bis Joni Mitchell. Ihr wandlungsfähiges Timbre erlaubt der ausgebildeten Jazz-Sängerin allerdings ein weit größeres Spektrum an Ausdrucksmöglichkeiten als in der herkömmlichen Bar-Jazz-Ästhetik.
"Die Songs von 'Tarpan Season' sind mindestens ebenso sehr von Soul- und Country-Musik beeinflusst wie vom traditionellen Jazz", sagt Slettahjell. "In den Liedern versuche ich, die großen Themen des Lebens auf die erdenklich einfachste Weise anzusprechen." Im Gegensatz zu den Anfangstagen finden sich im aktuellen Live-Repertoire von Slettahjell und ihrem SMO nur mehr wenige amerikanische Jazz-Standards, stattdessen greift die Künstlerin nunmehr verstärkt selbst zur Feder. Das SMO lässt dabei Slettahjells pastelligen, emotional dichten Chansons genügend Raum zur Entfaltung und erschafft so in den besten Momenten einen schwebenden Klangkosmos, in dem Slettahjells Altstimme als vollwertiges Instrument ihren Platz einnimmt. Das Ergebnis: Pure Magie in Zeitlupe.