Menschliches Fleisch als Pfand
Shylock, der Jude von Venedig, vergibt Kredite an alle, die es nötig haben. In Venedig sind das viele, hier wird auf Pump gelebt, gespielt, gezockt. Man wird reich durch Spekulation oder verliert alles beim Roulette. Casinokapitalismus! Nur Shylock ist seriös, ein Bankier alter Schule, er borgt Geld und nimmt Zinsen. Auch Dank würde er nehmen oder wenigstens Respekt, aber die venezianische Schickeria zahlt ihm seine Dienste mit Verachtung heim, allen voran Antonio, ein Kaufmann im neuen Stil, ein Glücksritter und Hasardeur. Antonio hat Shylock auf offener Straße bespuckt und als "Hund" beschimpft, jetzt braucht er Geld in harter Währung. Nicht für sich, sondern für seinen Liebhaber. Der ist pleite und will heiraten. Das Objekt der ehelichen Begierde: die Milliardärstochter Portia. Wer um eine reiche Frau werben will, muss selbst reich sein – oder wenigstens so tun. Antonio geht zum von ihm verachteten "Judenhund" und verlangt Kredit. Ein Vertrag wird aufgesetzt: Für den Fall, Antonio kann das Geld bis zum vereinbarten Zeitpunkt nicht zurückzahlen, darf Shylock ein Pfund Fleisch aus seinem Leib schneiden. Was folgt, ist ein Spiel des Zufalls. Wer gewinnt, wer verliert? Fortuna entscheidet, die Göttin des Glücks, ihr Rad dreht sich, die Kugel rollt, Fortuna kennt weder Gnade noch Recht.
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Bilder: © Lupi Spuma
Textquellen: orf.at, Volkstheater Wien, Projekt Gutenberg