Traditionsbewusstsein ist in den letzten Jahren nicht selten verkommen oder aber verebbt, so ist es umso löblicher, dass ein gallisches Dorf an Traditionen wehr- und standhaft bestehen bleibt - darunter auch das oberösterreichische Celebrare Noctem Fest, das dieses Jahr zum fünften Male im Welser Schlachthof zur Abwechslung den metallischen Fokus raus aus der Bundeshauptstadt lenkt und im tristen Herbst/Winter mit schwarzmetallischen Unholden aus aller Herren Länder einen rühmlichen Gegenpol zum glückseligen, glühweingeschwängerten "Last Christmas"-Gedudel kredenzt - in den letzten Saisonen u. a. mit Profanatica, Grave Miasma, Darvaza, Lvcifyre, Mortuus Umbra, Nightbringer und Fides Inversa zudem auch noch mit Künstlern, die oftmals nur selten in unseren Breitengraden zu sehen sind.
Auch dieses Jahr ist es wieder ein schweres Ding, bei dem Billing Highlights herauszukristallieren: Lückenfüller sucht man - inklusive der heimischen,
pestiziösen Präsenz
Kringa - in weiter Ferne. Bereits
Ulsect, die um 15 Uhr das Festival eröffnen, stünden anderswo gerne erst zu frühen Abendstunden am Billing - zuletzt konnte das chaotische Death-Geprügel der Herren aus dem Dodecahedron-Umfeld am Brutal Assault Festival überzeugen. Auf Tour sind sie übrigens mit den Isländern und Labelkollegen
Zhrine, die ebenfalls am Celebrare Noctem zu hören sein werden. Wie Ulsect werden auch zur späterer Stunde
Dead Congregation etwas aus dem schwarzmetallischem Umfeld herausstechen, doch sei's drum: Abwechslung hat noch nie sonders geschadet, erst recht nicht wenn derart wohlfeil wie bei den Griechen zelebriert - wer zu Jahresanfang beim Geburtstagsfest des Wiener Traditionslokals Escape anwesend war weiß, dass die düster mäandernden, donnernden Klanglandschaften gerade live gekonnt ihre apokalyptische Wirkung entfachen.
Crimson Moon, zur Festivalmitte angesiedelt, ist die Formation rund um den ehemaligen Melechesh-Bassisten Scorpios Adroctonus, die kommendes Jahr ihre neue Scheibe "Mors Vincit Omnia" veröffentlichen werden - eines der neuen Stücke wird man am Celebrare Noctem - übrigens das Live-Debüt ihres Session-Drummers Blastum - performen.
Whoredom Rife (mit ihrem neuen Album im Gepäck) schließen die Brücke zum Vorjahr, ist bei den einleitend benannten Darvaza ebenfalls Luctus federführend beteiligt und somit dieses Jahr die einzige Chance, seinen expressiven Charakter in unseren Landesgrenzen zu erleben - mit dem im Rahmen der letzten Taake-Tour angesiedelten Abschied von One Tail, One Head machte er aufgrund anderweitiger Verpflichtungen bekanntlich einen Bogen um Österreich. Kleiner Exkurs am Rande: Demnächst sollten alle drei Darvaza-EPs in einer streng limitierten Kassetten-Box bei
Cloven Hoof erscheinen. Einen nicht viel minderen Kult umweht die Belgier
Kosmokrator, deren rar gesähten Live-Shows als legendär gewertet werden - wer 2017 am Party.San zugegen war, weiß Bescheid: Irgendwo zwischen rabiaten Klängen und gruftigem Geprügel findet das Quintett eine einzigartige Nische. Nicht im positiven Sinne einzigartig könnte auch der Black Metal von
Vidargängr sein, kommen die Untoten immerhin aus Sachsen - zum Glück versprühen sie anstatt des örtlichen mundfaulen Dialekt lieber dreckig punkigen Charme. Zu später Stunde wird
Gaahls Wyrd den Abend beschließen: Mir Gorgoroth revolutionierte er als einer von wenigen den norwegischen Black Metal, nach seinem Outing wurde er gleichermaßen angefeindet wie gefeiert. Von seiner einstigen Faszination hat der schillende Norweger jedoch nichts eingebüßt, auch wenn heute Rotwein und Kunst in seinem Fokus stehen, wie er zuletzt in einem
ausführlichen Gespräch mit der Kronen Zeitung erörterte.
Vorschau: Unser Fotograf
Christoph Kaltenböck wird am Celebrare Noctem nicht nur die Live-Auftritte aller Künstler ablichten, sondern auch Gaahl gewohnt gekonnt portraitieren, Fotos folgen!
Tickets für das Celebrare Noctem V gibt es bei oeticket.com.