Wie schön wäre Wien ohne Wiener!/So schön wie a schlafende Frau./Der Stadtpark wär sicher viel grüner,/und die Donau wär endlich so blau./Wie schön wäre Wien ohne Wiener,/ein Gewinn für den Fremdenverkehr!/Die Autos ständen stumm, das Riesenrad fallet um,/und die lauschigen Gassen wärn leer
Mit seinem schwarzen, tiefsinnigen Humor und Liedern wie "Wie schön wär Wien ohne Wiener", "Tauben vergiften" oder "Der Tod, das muss ein Wiener sein" hat Georg Franz Kreisler das musikalisch-deutschsprachige Kabarett stark geprägt. Seine Gesellschaftskritik, die der gebürtige Wiener als Satiriker, Schriftsteller und Liedermacher äußerte, beruht auf dem schwierigen Verhältnis zu Österreich. Als Jude wurde Kreisler während des Nationalsozialismus aus Österreich vertrieben und kehrte erst in den 1950er Jahren als US-Staatsbürger zurück. Erschrocken stellte der Dichter fest, wie wenig sich in Österreich verändert hatte.
Ich bin zwar in Wien geboren, [...] [a]ber auf keinen Fall bin ich Österreicher. [...] Wer unter Lebensgefahr ins Ausland geflüchtet wurde (sic!), also auch ich, bekam seine österreichische Staatsbürgerschaft nicht mehr zurück. [...] Ich bin seit 1943 amerikanischer Staatsbürger, obwohl mir der Clinton noch nie zum Geburtstag gratuliert hat. (Kreisler, Georg Franz (1996): Ein Brief nach Wien)
Dass die Lieder des gebürtigen Wieners nicht an Aktualität verloren haben, beweist das Wiener Volkstheater in einer überdimensional großen Puppentheater-Versuchsanordnung sowie mit 25 von Kreislers gesellschaftskritischen Musikstücken. Darin eingebettet sechs SchauspielerInnen (Claudia Sabitzer, Gábor Biedermann u.a.) sowie neun eigens für die Produktion angefertigte Puppen des Grazers Nikolaus Habjan, der Kreislers Alltagsbeobachtungen auf ihren kritischen und politischen Kern entblößt. Für den musikalischen Teil zeichnet sich die Osttiroler Musicbanda Franui rund um Mastermind Andreas Schett verantwortlich.