Lobeshymnen von prominenten Kollegen machten Gregor Meyle, 38, in den vergangenen Monaten zum Überflieger der deutschen Musikszene. Xavier Naidoo muss ja Recht haben, wenn er Gregors Mucke zu Hause hört, ihn zu „Sing Meinen Song – Das Tauschkonzert“ einlädt und Meyle daraufhin die höheren Weihen einer eigenen TV-Sendung, „Meylensteine“, erhielt. Preise – vergoldete Alben und der deutsche Fernsehpreis –, ausverkaufte Konzerte (mehr als 100 pro Jahr) und das brandneue Album „Die Leichtigkeit des Seins“ sind der Lohn für die konsequente Arbeit auf hohem Niveau.
Du giltst nach wie vor als Geheimtipp …
Gregor Meyle: Ist doch cool, oder?
… und als eher stiller Typ. Wie gehst du mit der neugewonnenen medialen Aufmerksamkeit um? Ist sie Segen oder Fluch?
Gregor Meyle: Das Schönste, was dir als Künstler passieren kann ist, wenn Grönemeyer oder Naidoo sagen, dass du ein cooler Typ bist. Oder wenn Xavier Naidoo privat deine Mucke hört … Na also! In Deutschland kann man als Musiker, glaube ich, gar nicht mehr erreichen. Für mich ist der eigentliche Erfolg, dass man eine fette Band am Start hat, die ich alle bezahlen kann. Da gibt’s einen Tour-Bus, einen LKW-Fahrer. Nach sechs, sieben Jahren, in dem ich den Bauchladen umgeschnallt hatte, im eigenen Auto gesessen und nachts wieder nach Hause bin. Also die ganz normale Ochsentour, die man als Musiker so macht. Davor hab ich ja sowieso zehn Jahre lang als Roadie gearbeitet, war auch als Stagehand auf der Trabrennbahn für die Leningrad Cowboys in Wien. Ich habe immer Rock and Roll gemacht. Damals halt auf der anderen Seite.
Ist es ein Vorteil, dass du erst jetzt, im Alter von 38, Erfolg hast?
Gregor Meyle: Das wäre eine Hypothese. Ich hatte ja schon ein Leben davor, ich habe mich mit 28 dafür entschieden, Musik zu machen. Hinter den Brettern, die die Welt bedeuten. Ich bin ein Typ, der sich lieber reinschleicht. Ich hätte mich nie getraut zu sagen, dass ich Mucke mache. Man muss auf den richtigen Moment warten und das dann auch durchziehen. Ich habe als Tontechniker in Südafrika damals schon einen Vertrag gehabt, ein Auto, eine Wohnung in Kapstadt und wäre 2006 beinahe ausgewandert. Das hatte ich ernsthaft vor. Mein Bruder, der zehn Jahre für Stefan Raab
(in „TV Total“, Anm.) Spiele gemacht hat, steckte mir den Tipp, dass sie Leute suchen, die ihre eigenen Songs schreiben. Ich wollte da nicht hin, aber er hat mich mit einem Trick zu einem Casting gelockt. Danach hat es ganz gut hingehauen.
Du bist also beruflich angekommen?
Gregor Meyle: Ich schreibe einfach wahnsinnig gern Songs, das hab ich schon immer gerne gemacht, schon als Vier-, Fünfjähriger. Du brauchst eine Objektivität, einen der dir sagt, ob das cool oder nicht so cool ist. Das ist bei mir der Christian Lohr, mit dem ich die Platten mache. Natürlich auch die ganze Familie. Also, wenn meine zwei Brüder bei einem neuen Album sagen ,Ey, das ist aber nicht so gut‘, dann wäre das das Schlimmste für mich. Das würde mir das Herz brechen, aber das kann mir eigentlich nicht passieren. Wenn du nämlich happy mit deinem Baby bist, dann haut es schon hin. Es gab eine Zeit, in der ich als Überzeugungstäter unterwegs war. Aber je mehr Erfolg du hast, desto weniger musst du andere Leute anquatschen oder überzeugen. Du machst einfach dein Ding.
„Das nennt man Glück“ brettert mit einem herrlich groovigen Arrangement daher. Eine neue Seite von dir?
Gregor Meyle: Wir haben viel Beach Boys gehört, da gibt’s bei YouTube schöne Sachen. Ich bin ja ein großer Brian Wilson-Fan, weil der so ein Nerd ist und alle fertig gemacht hat. Die haben ja immer alles live eingespielt, mit 60-Mann-Orchester. Und dann beschwert der sich, dass der Schellenkranz nach links gewackelt hat und alles noch einmal gemacht wird. Der hat alle an den Eiern gepackt. Ich bin froh, dass ich nicht so bin. Man hat so ein paar Arrangement-Vorbilder und ich muss ja nicht in einem Pop-Umfeld mitschwimmen …
Du brauchst also keine Radiotauglichkeit?
Gregor Meyle: Also nee, ganz im Gegenteil. Ich habe keinen einzigen Song in den Top 100. Nichts, nada.