Ein Bandname wie dieser weckt bestimmte Assoziationen und damit verbundene Erwartungen an die Musik. Führen sich geneigte Hörer dann erstmals Lieder wie "Vor die Hunde" oder "Bratislava" zu Gemüte könnten sie den Eindruck gewinnen, der Name sei blanke Ironie. Beides ist falsch: Weder machen Freude aus Wien betont fröhliche Musik noch haben sie den prägnanten Bandnamen gewählt, um ihre Liedtexte, die sich viel öfter um Weltschmerz als um – nun ja, Freude – drehen, zu konterkarieren. Der Grund ist ganz einfach: Freude-Sänger und -Mastermind Clemens, auch "Cley" genannt, heißt mit Nachnamen Freude. Trotz dieser simplen Erklärung ist der Kontrast zwischen Namen und Inhalt ein angenehmer Nebeneffekt.
Name hin oder her – was zählt, ist die Musik. Möchte man Freude kategorisieren, bietet sich etwa die Beschreibung "deutschsprachiger Indie-Rock" an. Deutschsprachig, jedoch nicht aus Deutschland, sondern aus Österreichs Hauptstadt. Den Wienern sagt man ja einen gewissen Hang zur Schwermut nach. In der energetischen Musik, die gerne mal mit dem Pop flirtet, findet sich diese Schwermut jedoch nicht unbedingt wieder – wohl aber in den Texten. So hat etwa auch ein Song wie "Kleopatra" – eigentlich eine Art Liebeserklärung – eine tragische Seite, denn die besungene "Kleopatra" mit ihren kalten und starren Augen tanzt nicht nur für ihren Bewunderer. Da Cley Freude noch weit mehr zu sagen hat, als er in seinen Lyrics unterbringen kann, hat er kurzerhand ein Buch mit demselben Titel verfasst, das als textliche Ergänzung zum Album zu verstehen ist.
Debütalbum "Salz": die Vielfalt menschlicher Emotionen
Dass es bei Freude nicht immer nur um Einsamkeit und ähnlich negative Emotionen geht, beweist das 2023er Debütalbum "Salz". Inhaltlich decken Clemens Freude und seine Bandkolleg*innen die gesamte Bandbreite großer menschlicher Gefühle ab, von "Hoffnung" über "Paranoia" oder Gier in "Kaufen" bis zur Angst in "Vor die Hunde" und der Liebe, von der der Titelsong erzählt. "Salz" ist folglich ein vielseitiges Werk – textlich wie musikalisch. Uptempo-Rocknummern ("Kaufen", "Hoffnung") finden sich auf dem Album ebenso wie Poprock-Hymnen, ("Ambrosia", "Paranoia",) und reduziert, ruhige Stücke ("Salz", "Müde"). Erstaunlich für ein Debütalbum ist die hohe Dichte an Songs mit Hitpotenzial. Freude gelingt der Spagat zwischen inhaltlicher Tiefe und Catchyness. Es kann gar nicht anders sein, als dass die Menge auf einem Freude-Konzert jede Zeile inbrünstig mitsingt.
"Salz" hört man nicht an, dass Clemens Freude noch gar nicht so lange als Songschreiber aktiv ist. Die Idee damit anzufangen verdankt er seinem Job als Rettungssanitäter. Auf der Suche nach einem Weg, schwere Einsätze zu verarbeiten, findet er zum Songwriting. Davor hat er zwar Schlagzeug gespielt, aber niemals eigene Lieder komponiert oder getextet. Mit einer beim Discounter gekauften Gitarre wagt er 2020 die ersten Schritte und schreibt sich ein erschütterndes Erlebnis von der Seele. Das Ergebnis ist "Sabine" – ein Song über eine obdachlose Frau, die leblos am Bahnhof gefunden wird. 2020 folgen noch drei weitere Freude-Singles: "Ich schau dir zu", "Bratislava" und "Das Geheimnis". In ihrer Heimat macht die Band damit schnell von sich reden. Inzwischen ist die Welle längst nach Deutschland übergeschwappt – auch hierzulande spielt Freude in ausverkauften Häusern.