Grails ist eine Band, die sich am besten mit einem Wort beschreiben lässt: rastlos. Seit ihrer Gründung haben sie sich konsequent den gängigen Klischees instrumentaler Musik widersetzt und stattdessen neue klangliche Territorien erschlossen - mit dicht geschichteten Alben, epischen Melodiebögen und einem Instrumentarium, das ebenso exotisch wie emotional ist. Miracle Music (2025), erschienen nur zwei Jahre nach dem gefeierten Anches En Maat, ist das bislang persönlichste und klanglich eindringlichste Werk der Gruppe. Während Grails nach wie vor obskure Klangquellen in etwas Visionäres und Surreales verwandeln, strahlt dieses Album eine neue melodische Klarheit aus, die fast sakral wirkt.
Die Besetzung von Miracle Music vereint die Gründungsmitglieder Emil Amos (Om, Holy Sons, Lilacs & Champagne) und Alex Hall (ebenfalls Lilacs & Champagne) mit den zurückgekehrten Weggefährten AE Paterra (Zombi, Majeure), Jesse Bates und Ilyas Ahmed. Produziert wurde das Album von Amos selbst, aufgenommen mit Tontechniker Jason Powers in dessen Type Foundry Studio in Portland, Oregon - demselben Ort, an dem vor über 20 Jahren die ersten Grails-Alben entstanden. Mit einem reichen Arrangement aus akustischen und elektrischen Gitarren, Synthesizern, Bläsern, Holzblasinstrumenten, Percussion und Samples - darunter Bläserarrangements von Kelly Pratt (David Byrne, M. Ward) - eröffnet Miracle Music einen neuen, erhabenen Horizont für die Band.
Was Grails von Anfang an auszeichnet, ist ihr unermüdlicher kreativer Drang: Die Band verbindet die klaustrophobische Grenzüberschreitung früher Industrial-Musik mit der Leichtigkeit klassischer Melodieführung - eine stilistische Spannung, die sich durch ihr gesamtes Werk zieht. In einer Diskografie, die für stilistische Brüche und stetige Entwicklung steht, markiert Miracle Music die bislang emotionalste und geistreichste Reise - und ein Erlebnis, das man live nicht verpassen sollte.