Um den deutsch-russischen Rapper namens Kolja Goldstein ranken sich viele Mythen – an deren Entstehung er selbst vielleicht den größten Anteil trägt. Immer wieder kommt dabei die Frage auf: Wie real sind die detaillierten Berichte aus der Unterwelt, die Gegenstand seiner Texte sind? Denn in Tracks wie "Terminal", "A.B.C.", "Alexander III" oder "Audi Bande" geht es nicht um Kavaliersdelikte, sondern um Verbrechen im großen Stil. Dabei spielt der vermeintliche Gangsta geschickt mit der Ungewissheit und kreiert eine mysteriöse Aura, die auf viele eine ungeheure Faszination ausübt. Wer auf echten Gangsta-Rap steht, kommt bei Kolja Goldstein voll auf seine Kosten.
Nicht nur die Authentizität der Texte, auch Kolja Goldsteins gesamte Biografie ist von der erwähnten Ungewissheit geprägt: Vieles beruht auf eigenen Angaben – und die sind nicht immer ganz eindeutig. Geboren wurde der Rapper demnach 1991 auf Malta. Sein bürgerlicher Name lautet Nicolas Thomas Sheahan. Als dieser wächst er im oberbayerischen Rohrbach an der Ilm auf, wo er an der Schule die mittlere Reife erlangt. In den folgenden Jahren gerät er immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt, Haftstrafen inklusive. Ab etwa 2016 beginnt die Musik einen größeren Stellenwert in Goldsteins Leben einzunehmen. So ist er etwa als Feature-Gast auf dem Track "Konten in der Schweiz" von Ali As zu hören.
Erster Output als Kolja Goldstein: "Art & Design"
In der Schweiz hält sich Kolja Goldstein anschließend zwar nicht auf, dafür aber in Dänemark und schließlich in Amsterdam, das er zu seiner Wahlheimat macht. 2020 unterzeichnet er einen Plattendeal bei Groove Attack. Die Zusammenarbeit währt jedoch nicht lange – seine Debüt-EP "Art & Design" veröffentlicht Kolja Goldstein 2021 in Eigenregie. Seitdem ist ein regelrechter Hype um den Rap-Newcomer entbrannt. Das ist auch dem Universal-Music-Ableger Chapter ONE nicht entgangen, der Kolja Goldstein 2022 unter Vertrag nimmt. Wenig später stellt der Straßenrapper ein Album für 2023 in Aussicht.
Auch wenn seine Rap-Skills nicht der einzige Grund dafür sind, dass auch Mainstream-Medien über Kolja Goldstein berichten – für die Fans sind sie das, worauf es ankommt. Dass die Grenzen zwischen Kunst und Realness dabei verschwimmen, macht das Ganze umso interessanter. Und so viel ist sicher: Tracks wie "Terminal", "Terzo Mondo" oder "Mokum" stellen eine echte Bereicherung für den Deutschrap im Allgemeinen und den Gangsta-Rap im Speziellen dar. Wenn er weiter macht wie bisher, wird es Kolja Goldstein zweifelsohne noch weit bringen im Musikbusiness.