Dramatik für Junge | Klassiker Today
Biedermann und die Brandstifter
von MAX FRISCH
empfohlen ab 12 Jahren
REGIE
Dora Schneider
Ein Haus, ein Dachboden, zwei Gäste - und Benzinfässer. Gottlieb Biedermann weiß, was hier vor sich geht. Man spricht schließlich überall davon und die Empörung ist groß: Brandstifter, die sich einschleichen, Vertrauen erschleichen, Feuer legen und das sichere Leben ins Wanken bringen. Und doch bittet er sie herein. Aus Höflichkeit. Aus Angst. Aus Gewohnheit. Man will ja kein Unmensch sein und hat ja Manieren. Und überhaupt: Wer möchte sich schon Feinde machen? Was folgt, ist ebenso absurd wie folgerichtig: Biedermann liefert die Streichhölzer gleich mit. Zwischen gutbürgerlicher Fassade und schwelender Katastrophe entspinnt sich ein Spiel aus Verdrängung, Rechtfertigung, Selbsttäuschung und stillschweigender Komplizenschaft. Man schaut zu und erkennt plötzlich, dass man selbst längst Teil davon ist.
In Biedermann und die Brandstifter zeichnet Max Frisch eine Parabel von scharfem Witz und beunruhigender Klarheit. Die Grenzen zwischen Täter:innen und Zuschauer:innen verschwimmen, die Katastrophe kündigt sich an - und niemand greift ein. Ähnlich wie im Film Funny Games von Michael Haneke entsteht das Grauen nicht aus dem Unbekannten, sondern aus dem, was wir zulassen. Frischs Stück stellt die unbequeme Frage: Warum handeln wir nicht, obwohl wir längst wissen, was passiert?
Die Inszenierung richtet sich an ein jugendliches Publikum ebenso wie an Erwachsene.