Yung Hurn zählt zu den vielschichtigsten und eigenwilligsten Künstlern der deutschsprachigen Hip-Hop-Szene. Der junge Österreicher ist zugleich Musiker, Poet, Avantgardist, Provokateur und Rebell - außerdem Mitglied des Berliner Künstlerkollektivs "Live From Earth". Schon wenige Sekunden eines Tracks reichen aus, um zu erkennen, wie einzigartig sein Stil ist. Wer tiefer eintaucht, entdeckt eine enorme thematische und musikalische Bandbreite. Songs wie "Ok Cool", "Y. Hurn Wieso?", "Bist du alleine." oder "Eisblock" vom Album "1220" tragen unverkennbar seine Handschrift und könnten dennoch kaum unterschiedlicher sein: mal minimalistisch, mal lyrisch, mal explizit, mal verletzlich - aber immer radikal eigenständig.
Geboren als Julian Sellmeister in der Wiener Donaustadt betritt Yung Hurn 2015 erstmals die größere Bühne der Hip-Hop-Welt. Die Donaustadt, der 22. Bezirk Wiens, prägt nicht nur seine Identität, sondern auch seine Titel: Das Mixtape "22" und das Debütalbum "1220" verweisen direkt auf seine Herkunft. Mit der EP "Wiener Linien" und dem Mixtape "22", auf dem sich der Underground-Hit "Nein" befindet, macht er früh auf sich aufmerksam. Musikalisch orientiert sich Yung Hurn dabei stark am US-amerikanischen Cloud Rap.
2016 folgt der nächste kreative Schub: Das "Krocha Tape" erweitert seine Hörerschaft deutlich, unter anderem mit Tracks wie "Opernsänger", "FDP" und "Pillen". Gemeinsam mit RIN landet er mit "Bianco" einen der prägendsten Deutschrap-Hits des Jahres. Den Abschluss bildet die Compilation "In Memory of Yung Hurn - Classic Compilation", die seine bis dahin entstandene Ära bündelt.
Mit der EP "Love Hotel" (2017) überrascht Yung Hurn erneut und schlägt stilistisch unerwartete Wege ein. Retro-inspirierte Liebeslieder wie "Diamant" oder "Blume" zeigen eine neue, verspielte Seite. Im Musikvideo zum Titeltrack tritt die eigens gegründete "Love Hotel Band" auf, zu der neben Yung Hurn auch der Schauspieler Lars Eidinger gehört. Singles wie "Popo", "Ok Cool" und "GGGut" bereiten schließlich den Weg für das Debütalbum "1220", das im Mai 2018 erscheint. Produziert von Stickle, vereint es Stücke wie den coolen Opener "MHM", das melancholische "Eisblock", das R&B-geprägte "Bist du alleine." und das tanzbare "Was sie will".
Ein zentrales Element im Yung-Hurn-Kosmos ist seine zweite Persona K. Ronaldo - das "K." steht dabei unter anderem für Kristallo oder Kristus. Unter diesem Alter Ego lebt er seine Experimentierfreude noch kompromissloser aus. Das 2016 veröffentlichte Mixtape "I Wanted to Kill Myself but Today is my Mother’s Birthday" wirkt bewusst chaotisch, surreal und provokant. Tracks wie "Coco Jambo", "Wer bist du?", "Ja genau" oder "Fake" polarisieren stark und verschieben die Grenzen des Erwartbaren weiter nach außen.
Ob als Yung Hurn oder als K. Ronaldo - seine Musik übt eine eigentümliche Anziehungskraft aus. Selbst Skeptiker fühlen sich herausgefordert, fasziniert oder zumindest neugierig. Die Frage "Was will uns der Künstler damit sagen?" stellt sich oft - doch Yung Hurn liefert keine Antworten. Stattdessen präsentiert er seine Kunst mit einer beinahe beiläufigen Lässigkeit, die ihn von vielen Zeitgenossen abhebt. Und genau deshalb bleibt spannend, was als Nächstes kommt.