Die britischen Heavy-Metal-Giganten Iron Maiden sind jetzt nicht die ersten, die auf die zündende, aber doch naheliegende Idee kamen, ihre audiophile Fanschar von der Pike an zu befriedigen und Kopfhörer auf den Markt zu bringen: Bereits vor drei Jahren frohlockte eine Vielzahl an Röck-Döt-Fetischisten mit Mano-cornuta-Reflex ob der Ankündigung, Motörhead werde fortan auch direkt an die Ohrmuschel angeschmiegt den Pegel auf die sprichwörtliche 11 drehen, Lemmy war ja bekanntlich kein Kostverächter und ging nur allzu gerne auf "Tuchfühlung". In Zusammenarbeit mit der schwedischen Firma Krusell, die auf intensive Zusammenarbeit mit Unternehmen wie Sony, Samsung, LG und weitere namhafte Hersteller verweisen kann, veröffentlichte die lauteste - und vielleicht auch ikonischste - Band der Welt drei verschiedene Over-Ear Kopfhörer und zwei In-Ear-Stecker, allesamt vom "Bomber" über den "Iron Fist" und den "Motörizer" bis hin zum "Overkill" und dem "Trigger" mit klingenden, an eigene Songtitel angelehnte Namen. Und ja, gerade die beiden teuersten Modelle - der "Iron Fist" mit € 114,- und der "Motörizer" mit € 149,- - konnten neben einem nicht zu verachtenden Coolnessfaktor auch mit Tragekomfort und klanglicher Leistung überzeugen - sowohl in den Höhen, als auch in den Tiefen.
Seitdem zog die erste Antwort der Hard Rock-Sozietät auf die iniativen Dr. Dre-Headphones von Beats - übrigens nicht mehr als ein überteuertes Spielzeug - seine kleinen Kreise: Natürlich finden wir in der Kollektion von KISS neben Action Figuren, Häferln und Bettwäsche auch Kopfhörer, und auch die amerikanischen Megaseller Metallica stellten als Testimonial ihren guten Namen Skullcandy zur Verfügung - für ein zwar streng limitiertes, dafür aber potthässliches und qualitativ minderwertiges, verzichtbares Produkt. Und auch bei der neuen deutschen Härte, bei Rammstein, finden wir "Schallwandler": Diese werden von beyerdynamic in Deutschland handgefertigt und sind tatsächlich gute Mittelklasse - für knapp 50 Euro Aufschlag bekommt man die handelsüblichen Custom One Pro mit Logoaufdruck, ob es das einem wert ist, muss man selber wissen. Wohlgemerkt: Sowohl "the Four Horsemen", als auch die geschminkten "Knights in Satan's Service" und die Feuerbrigade gaben lediglich (für einen mehr oder minder geringen Obolus) ihren guten Namen für ein Produkt, waren jedoch nicht (maßgeblich) an der Entwicklung mit beteiligt. Ganz im Gegensatz zu Lemmy - und nun Steve Harris.
Iron Maiden: selbst ist der Mann
Iron Maiden-Schlagzeuger Nicko McBrain führt in Hollywood, Fl. das
Rock-n-Roll-Ribs, ein Tempel für Fleischtiger mit sensationeller, eigens kreierter BBQ-Sauce. Als ich Ende 2012 im Zuge der Barge to Hell-Kreuzfahrt dem Restaurant einen Besuch abstattete, war er es, der mich höflich fragte: "Ein Tisch für zwei?" Richtig gelesen: Der millionenschwere Musiker lässt es sich nicht nehmen, in seinem Lokal nicht nur nach dem Rechten zu sehen, sondern auch mit anzupacken - sofern er nicht gerade auf Tour oder im Studio ist. Nachdem ich darob sowohl meine Freude, als auch meine Verwunderung nicht unterdrücken konnte, setzte er sich sogar auf einen kleinen, gelösten Plausch zu uns an den Tisch dazu.
Mittlerweile gehört es ja beinahe zum guten Ton, als Metal- oder Rock-Band dein eigenes alkoholisches Getränk auf dem Markt zu haben. Auch hier waren Motörhead mit ihrem Vodka Wegbereiter, mittlerweile vertreiben von AC/DC, Doro und Hammerfall über Amon Amarth, Nightwish, Kataklysm und Blind Guardian bis hin zu Slayer und Megadeth eine Vielzahl an Künstler ihren eigenen Whisky, Vodka oder Bier. Qualitativ zeigen sich hier jedoch vor allem Iron Maiden federführend: Wenn die vielleicht größte Heavy-Metal-Band ein eigenes Bier kreiert, muss das Ergebnis mindestens genauso hochwertig sein wie die besten ihrer Alben (zweifelsohne "Aces High", "Somewhere in Time" und "The Number of the Beast"). Kein Geringerer als Bruce Dickinson, charismatischer Sänger und Pilot (!) der Band, hat gemeinsam mit der kleinen, aber feinen Privat-Brauerei Robinsons Brewery, einem Familienunternehmen aus Stockport bei Manchester, mit dem
Trooper ein Premium Ale abgeliefert, das mittlerweile in einer leichten (4,7%) und starken (6,6%) Variante erhältlich ist - und tatsächlich auch geschmacklich hält, was der ikonische Aufdruck verspricht.
Ab 1. September wird mit dem limitierten Trooper Red n' Black (6,8%) ein feines, dunkles Porter erhältlich sein, das - angelehnt an ein Stück des aktuellen Albums "The Book of Souls" - eine schokoladig-karamellige Note und einen Hauch von Honig verspricht.
Tja, und mittlerweile hat auch Bassist und Bandleader Steve Harris sein eigenes Projekt: Zu Beginn des letzten Jahres wurde auf der CES in Las Vegas unter großem Publikumsinteresse bereits ein Prototyp der bandeigenen Kopfhörer, plakativ auf
Ed-Ph0n3s getauft, gezeigt. Seitdem arbeiteten die Ingenieure des japanischen Audiospezialisten Onkyo in enger Zusammenarbeit mit dem peniblen Perfektionisten am Feinschliff, Ende des letzten Jahres wurden sie auf der IFA in Berlin dann vorgestellt: Auf den Ed-Ph0n3s konnte man das brandneue Album erstmalig erleben. Ja, selbst für die Abmischung von "The Book of Souls" kamen die Ed-Ph0n3s bereits zum Einsatz, nutzte Steve Harris hierfür ein handgefertigtes Modell, das Onkyo in weiterer Folge neun Monate lang akribisch anpasste und weiterentwickelte, um auch für die Massenproduktion höchste Qualitätsansprüche sicherstellen zu können.
Iron Maiden: die Testobjekte für die Ed-Ph0n3s
Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser: Bei einem stolzen Preis von € 299,- muss wirklich viel passen - von der Optik über die Verarbeitung bis hin zum Tragekomfort und Klang. Deshalb haben wir die Ed-Ph0n3s mit gleich zwei der wichtigsten Genre-Veröffentlichungen des Herbstes einem knallharten Test unterzogen: "Metal and all genres of Rock need clarity and presence in the mid-range to display the full sound spectrum", weiß Steve Harris seine Kopfhörer zu bewerben - wer, wenn nicht die Stockholmer Prog Rocker Opeth, als auch das Groove Monster Meshuggah aus dem etwas nördlicher liegenden Umeå wären somit besser geeignet, um zu überprüfen, ob Iron Maiden Wort halten und sich nicht erstmalig übernommen haben?