Überrascht es eigentlich irgendjemanden, dass ein Ort, der einen Namen wie Eisenerz trägt, Heimat eines Metal-Giganten wie
Napalm Records - aktuell Domizil von u.a. Grave Digger, Megaherz, Hammerfall, Varg, Russkaja und Powerwolf, sowie verantwortlich für bahnbrechende - auch heimische - Veröffentlichungen von Abigor und Belphegor über Summoning, Disastrous Murmur, Enthroned bis hin zu Siebenbürgen, Hollenthon und Visceral Evisceration - ist? Natürlich nicht. Viel verblüffender ist da schon, dass Graz, die Hauptstadt des österreichischen Bundeslandes, des "grünen Herzens", der Steiermark, schon seit langen Jahren ohne ein echtes Metal-Festival auskommen musste! Trefflicherweise teilt die napalmsche Live-Abteilung Napalm Events diese Anschauung und möchte nun ganz Südösterreich aus dem Dornröschenschlaf raffen: in Zusammenarbeit mit den Grazer Spielstätten wird diesen August mit dem Metal On The Hill die Feuertaufe am (beziehungsweise im) malerischen Schloßberg stattfinden - eine mehr als imposante und unvergessliche Kulisse, die vom Festival-Maskottchen, dem "Steirischen Panther", eisern bewacht wird!
Die Location des Metal on the Hill
Direkt unter dem höchsten Punkt der steirischen Landeshauptstadt, dem Plateau des Schloßbergs, befindet sich der beliebteste Freiluft-Veranstaltungsort von Graz, die Schlossbergbühne Kasematten, die am zweiten Festivaltag bespielt wird. In den alten Gemäuern der ehemaligen Befestigungsanlagen wurde schon in den Dreißigerjahren des vergangenen Jahrhunderts eine Bühne mitsamt großzügig angelegtem Zuschauerraum errichtet, der für Graz besonders charakteristisch ist. Das stimmungsvolle Ambiente und die romantische Atmosphäre kommen vor allem in der warmen Jahreszeit bei Open-Air-Events zur Geltung. Ein verschiebbares Dach sorgt für Absicherung bei launischem Wetter.
Dazu wird der erste Festivaltag mit limitierter Kapazität direkt im Felsen, im Dom im Berg stattfinden. Er ist in seiner Art absolut einmalig und wohl der originellste geschlossene Veranstaltungsort in Graz. Die Idee, mitten in der steirischen Landeshauptstadt einen großen, multifunktionalen Raum aus dem Felsen zu schlagen, wurde 1999 realisiert und anlässlich der Landesausstellung im Jahr 2000 eröffnet.
Ein paar Impressionen vom Schlossberg haben Damen und Herren von Metal on the Hill auf ihrer
Facebook-Seite selbst zusammengetragen.
Das Line-Up des Metal on the Hill
Napalm Records fährt für das erste hauseigene Event von internationalem Format natürlich nur die Crème de la Crème - bevorzugt auch aus dem eigenen Labelkatalog - auf. Kein Wunder, dass die Tageskarten für den ersten Tag ebenso wie die Festivalpässe bereits ausverkauft sind, und für den zweiten Tag
nur mehr Restkarten vorhanden sind.
Der 12. August (Freitag) beginnt in kleiner, intimer Runde - was aber nicht heißt, dass man deswegen beim Booking ausschließlich das Kleingeld auf den Tisch legte: So werden nach den steirischen Melodic-Deathern
Rest In Fear, der oberösterreichischen Metalcore-Formation
tuXedoo, den Ukrainern
Jinjer und den Amadeus-Gewinnern
Drescher aus Wiener Neustadt
DevilDriver den Eröffnungstag abschließen. Die Amerikaner, deren grooveorientierter Sound naturgemäß Bands wie Pantera, Slayer und Metallica entwachsen ist und einem größeren Publikum bereits im Vorprogramm von Granden wie In Flames, Fear Factory, Machine Head, Static-X und Megadeth vorgestellt wurde, veröffentlichten bisher fünf Alben für das genrespezifische Referenzlabel Roadrunner Records, bevor sie zu Napalm Records wechselten und mit "Winter Kills" (2013) ihren Einstand lieferten. Diesen Mai wurde nach einer kleinen Bandpause - Sänger Dez Fafara wollte sich zeitweilig wohl auf die Coal Chamber-Reunion konzentrieren - und einem vermutlich daraus resultierenden Besetzungskarussell mit "Trust No One" das neue Album vorgelegt.
https://www.youtube.com/watch?v=fnhduvMRoTc
Wirklich groß wird der 13. August (Samstag): Mit
Darkfall hat man sogar - abgeschaut beim Nova Rock Festival - einen bodenständigen Zunftmarsch geladen, der den Kater aus den Gliedern treiben soll. Bei Spiwi's Kapelle geht es im Vergleich zu Wendi's natürlich etwas ruppiger zu - ist man immerhin aus der Steiermark und nicht aus Böhmen, und zieht demnach das Zwiebeln dem Blasen vor. Hierauf folgen
And Then She Came - naheliegend, hat Arch Enemys Alissa White-Gluz (nebst Jen Majura von Evanescence) auf dem im Juni erschienenen Debütalbum - einem weitestgehend gelungenen Brückenschlag zwischen manchmal etwas zu mädchenhaftem Poprock, wuchtigen Gitarrenläufen und markanten Synthesizern, man könnte fast sagen: Babymetal ohne 16-Bit-Drogenanarchie - gastiert.
"Don't risk it, fist it." - die zwei als
Mantar formierenden Germanen nehmen den Slogan zur Überbevölkerungsprävention wörtlich, treten dann gerne aber auch nochmals nach: Im Frühjahr veröffentlichte man mit "Ode To The Flame" via Nuclear Blast einen Hassbatzen - mittlerweile der zweite an der Zahl -, der mit schierer Spielfreude gelbliche Beuschel aus dem Rachen geifert und den Schlagring Knüppel-aus-dem-Sack spielen lässt. Bereits letztes Jahr im Herbst ließ man hierzulande im Rahmen des Stonerhead-Festivals im Salzburger Rockhouse den Putz von der Decke bröckeln, und auch dieses Jahr konnte man den Autor dieser Zeilen beim Londoner Desertfest überzeugen; mit eleganter Beingrätsche, die wohl nicht von ungefähr Eier eines Südkapers andeutete, schob sich das Duett im Schweiße seines Angesichts irgendwo zwischen Doom und Punk durch die dampfende Kabuse The Black Heart.
Es folgt ein sommerlicher Schwenk in den Süden: Portugals Metal-Export
número um -
Moonspell - bewiesen nicht zuletzt auf ihrem aktuellen Album "Extinct" (2015, Napalm Records), dass sie nicht nur gekonnt musikalische Depressionen verbreiten können, sondern auch ein Händchen für richtig schöne Hymnen haben, wenngleich sie an der Genialität einiger Momente ihrer Meisterwerke "Wolfheart" (für das sie 2010 übrigens durch die CTT Correios de Portugal mit einer 1-Euro-Briefmarke geehrt wurden) und "Irreligious" - hier insbesondere "Opium" - mittlerweile scheitern. Zumindest kommen sie auf ihrem 11. Album auch wieder mit etwas mehr Dampf ums Eck, sodass "catchy" weitab von "kitschig" bleibt - und insbesondere die orientalischen Einflüsse zeitweilens für einen sehr vielschichtigen Klang sorgen, der von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt sämtliche Spielarten auszukosten weiß. Ebenfalls aus dem warmen Süden, aber aus einem anderen Fahrwasser schiffen die Italiener
Lacuna Coil ein: Auch hier gab es erst kürzlich einen Wegbruch zweier Stützen des Bandgefüges, nur wirkte sich dieser hier im Gegensatz zu DevilDriver tatsächlich stilneuformend aus: mit "Delirium", dem achten Studioalbum, heißt es "auf zu neuen Ufern", denn wenngleich sich an der kraftvollen Stimme von Christina Scabbia nichts geändert hat, so agiert der musikalische Rahmen deutlich härter als zuvor, und trachtet anstatt liebkosender Streicheleinheiten viel eher nach ein paar zackigen Handflächenschlägen auf den nackten Po.
Zu fortgeschrittener Stunde bricht schließlich die Düsternis über die Kasemattenbühne herein: einer der - neben Mayhem, Darkthrone, Immortal und Emperor - wohl prägendsten Norwegen-Exporte,
Satyricon (mittlerweile ebenfalls bei Napalm Records zuhause), wird dem Klassiker ihrer Karriere schlechthin, "Nemesis Divina", Tribut zollen. 20 Jahre ist dieser Unhold bereits alt, und erschien somit am Auslaufen der brüsken Glanzzeit eines Genres, als der Black Metal langsam (vor allem bedingt durch die Kollegschaft von Dimmu Borgir und Cradle Of Filth) salonfähig zu werden begann. Vorbei die "guten, alten Zeiten", als anstatt Promo-Flyer zu drucken noch prestigeträchtig Gotteshäuser angezunden wurden, vorbei die Zeiten, in denen man sich gegenseitig aufgrund Differenzen oder Animositäten gleich über den Haufen schoss, vorbei die schroffen Schwarz-Weiß-Grafiken und der krude Transistor-Sound aus Großmuttis Waschküche. Kunstvolle Avantgarde und Progression stand bei Satyricon - ähnlich gekonnt wie bei Emperor, zeitweise auch bei Mayhem - nun am Programm, die Reißzähne schienen zwar auf den ersten Blick gezogen; Doch weniger bornierten Connaisseuren fiel rasch auf, dass sich auch abseits von Pandaschminke und grimmigen Waldfotos ein morbider Hauch von Ödem verbreiten lässt - kunstvoller, barocker vielleicht, aber nicht minder penetrant und unheilschwanger. Da tat natürlich die Besetzung auf "Nemesis Divina" ihr Übriges, hob den Black Metal auf eine neue Evolutionsstufe - neben dem Stammpersonell, bestehend aus Frost (Schlagzeug) und Satyr (Gesang, Bass, Lead Gitarre), fand sich an der Rhythmus Gitarre auch Nocturno Culto von Darkthrone ein, jener Kultformation aus der Nähe Oslos, die immerhin bis dato in ihrer reichen Discographie von jeher auf regelmentierende Grenzen einen Haufen rotzte und mittlerweile einen ureigenen Stil irgendwo zwischen Black, Heavy und Thrash mit Punk-Anleihen gefunden hat. Aber auch Satyricon haben sich seit ehedem mit späteren Meisterwerken wie "Now, Diabolical" und "Satyricon", insbesondere aber dem letztjährigen "Live at the Opera", auf eine gänzlich unkiale Spielart verständigt und zählen zweifelsohne heute neben Mayhem zu den beständigsten, dabei aber innovativsten aktiven Genre-Begründern.