Begonnen hat alles 2012, als die Teenager in der lokalen White's Bar auftraten: Eine üble Spelunke in einer üblen Gegend, das Publikum bestand aus Bikern, Drogensüchtigen und Kriminellen. Dauernd haben sich die Typen geprügelt - nur Greta Van Fleet wurden in Ruhe gelassen. Weil sie waren
die Band. Sie wurden sogar von den rauen Steinbeißern respektiert. Bis zu sechs Stunden am Abend spielten Greta Van Fleet dort regelmäßig, "anstatt ins Kino zu gehen oder sich mit Mädchen zu treffen." Da die Jungs noch nicht allzu viele Songs im Repertoire hatten, brachten sie sich quasi selbst das Improvisieren bei. Gern walzten sie Klassiker aus Rock, Blues und Soul aus, so konnte ihre Version von Creams "Crossroads" problemlos eine Viertelstunde dauern.
Gretna Van Fleet ist übrigens eine
nette, alte Dame aus der Nachbarschaft der vier Jungs, die ebenfalls Musikerin ist. Kein Wunder, dass das bei der Band fehlende "n" im Namen gern überlesen wird und so für Verwechslungen gesorgt ist - und bei
Gretna nicht selten das Telefon klingeln lässt: Denn der Hype in den USA ist bereits so groß, dass ihn sogar das musikalisch gern mal - Zeitverschiebung, anybody? - verschlafene Europa abbekommt. Denn ja, der Hype dürfte im Gegensatz zu kurzzeitig in sämtliche Höhen gelobter Eintagsfliegen - ein Zeitgeistproblem der ADHS-Musikgeneration - tatsächlich Bestand haben, nicht allein weil Sänger Joshua klingt wie die
vielleicht sicher größte Stimme der Rock Musik, Robert Plant. Dass er niemand geringerem als dem Stimmgott höchstpersönlich ähnelt, hat er (so die liebliche Geschichte) zufällig bei einer Bandprobe entdeckt, als er sich seinen Frust aus dem Leib geschrien hat, weil er im Lärm der Instrumente völlig untergegangen ist. „Was immer du da gerade gemacht hast, machst du ab sofort immer“, war die begeisterte Reaktion der anderen Bandmitglieder. Im Einklang mit den eingängigen Seventies-Riffs, die durchaus unter anderem auch bei Plants Kollegen Jimmy Page geschult wurden, geht’s für Greta Van Fleet gekonnt zurück in die Zukunft: Ja, das Rad erfinden die vier nicht neu, aber schließlich fahren neue Autos nach wie vor mit Rädern, wie auch die längst verschrotteten vor ihnen ... Allein das Mash-Up aus "The Wanton Song" (Led Zeppelin) und Greta Van Fleets "When The Curtain Falls" zeigt, wie nahe sich die Bands stehen - und ist in dieser Form der Huldigung definitiv ehrlicher, als der hanebücherne Stumpfsinn, den Dave Grohl und Krist
Novoselić aktuell mit ihrer unsäglichen Nirvana-Reunion fabrizieren.