Nach zwei höchst erfolgreichen Veröffentlichungen mit Phil Campbell And His Bastard Sons und unzähligen Live Shows, unter anderem mit Giganten wie Guns N' Roses, hat der legendäre langjährige Motörhead-Gitarrist Phil Campbell die Arbeiten an seinem allerersten Solo-Album "Old Lions Still Roar" fertiggestellt. Das Album erscheint am 25. Oktober bei Nuclear Blast, live präsentiert er es bei uns bereits im Vorprogramm der Böhsen Onkelz am 7. September in Wels.
(lacht) Ich hatte schon vor ein paar Jahren die Idee für das Soloalbum, da waren Motörhead noch aktiv. Lemmy hat mir sogar immer gesagt, ich solle das endlich in die Hand nehmen. Ich hatte immer schon ein paar Ideen, habe sie nun mit den neuen vermischt. Bei Motörhead waren wir zu beschäftigt, um mich wirklich darauf konzentrieren zu können, aber neben den Bastard Sons klappt das ganz gut. Also habe ich vor zwei Jahren wirklich ernsthaft daran zu arbeiten begonnen und die ersten Aufnahmen gemacht.
Eigentlich würde
ich gerne alles selbst singen, aber das würde nicht so gut klingen. All die
Leute, mit denen ich hier zusammengearbeitet habe, respektiere ich sehr. Ich
bin quasi ein Fan von ihnen allen. Manche der Songs passten einfach perfekt zu
bestimmten Stimmen. Ich habe sie also kontaktiert und ihnen die Songs
vorgespielt und es haben eigentlich alle zugesagt, was mich sehr freute. Man
hörte ein paar wirklich großartige Performances.
Korrekt. Die
Songs standen prinzipiell und ich überlegte, wer passen würde. Ich bin sehr
froh darüber und hatte wohl auch viel Glück, dass am Ende alle zugesagt haben.
Auf jeden Fall.
Ich kenne sie alle mehr oder weniger gut und ich habe auch auf ein paar lokale
Sänger gesetzt, die ich selber kenne und mag. Mir war die Variation auf dem
Album wichtig. Eben auch, dass nicht jede Stimme von einem Topstar kommen muss.
Sie hatten
natürlich die Möglichkeit, die Songs zu kommentieren und vielleicht ein Veto
einzulegen, wenn der eine oder andere Teil offenbar nicht so gut zur Stimmfarbe
gepasst hat. Das sind ja auch alles Profis, die genau wissen, was sie tun. Die
meiste Zeit war ich total zufrieden mit ihren ersten Rücksendungen, bei manch
anderen haben wir im Studio noch etwas nachgefeilt. Jeder Sänger und jede
Performance erzählt eine eigene Geschichte, aber es ergibt ein wunderbares
Gesamtprodukt. Auch die Sänger selbst sind sehr glücklich mit dem Ergebnis, das
haben sie mir schon gesagt.
Das habe ich den
Sängern überlassen. Leon Stanford, den du am Opener „Rocking Chair“ hörst,
wollte einen Song darüberschreiben, wie ich im Rockbusiness gelandet bin. Das
war für mich total okay und ich war sehr gespannt, was herauskommen würde. Ich
habe dann ein paar Details verändert, aber er hat die Thematik gut
wiedergebracht. Dee Snider wollte mit „These Old Boots“ über uns beide und all
die alten Jungs schreiben, die noch immer kräftig im Business vertreten sind.
Benji Webbe hat mit „Dead Roses“ einen sehr sanften Moment auf das Album
gebracht. Der Text dreht sich per se um mein Leben ohne Lemmy und ist wirklich
sehr schön gelungen. Die Leute können alles selbst interpretieren, aber für
mich fielen einige Songs sehr persönlich aus. Ich bin sehr happy mit dem
Ergebnis und hätte mir nicht vorstellen können, dass es so gut ausfällt.
Das tut es auf
jeden Fall. Wenn jemand mit so einer intensiven und guten Stimme wie Benji die
Nummer dann auch noch singt, dann nimmt mich das auf jeden Fall mit. Es steckt
so viel Schönheit in diesem Song und es wäre fahrlässig gewesen, den Song nicht
zu verwenden. Das Gute an der Musik und dem Album ist, dass es keine Regeln
gibt. Manchmal saß ich auf der Toilette und hatte gute Ideen, dann fiel mir tagelang
überhaupt nichts ein, aber die Inspiration trifft dich immer wieder mal. Das
entscheidest aber nicht du und das ist ziemlich spannend und aufregend. Keiner
sagt mir, was ich zu tun habe.
Zumindest gleich
gut wie früher. Ich liebe die Musik gleich wie früher und ich bin wahnsinnig
aufgeregt, weil es mein allererstes Soloalbum ist. Der Titel ist aber gar nicht
wirklich auf die Sänger bezogen, das habe ich auch erst im Nachhinein entdeckt,
dass man das in Kontext setzen kann. Schon vor ein paar Jahren, als ich noch
nicht wusste, wen ich als Gast überhaupt haben möchte, kam mir der Titel in den
Sinn und gefiel mir sofort sehr gut. Er klingt doch ziemlich cool.
Die alten
Classic-Rock-Bands sind einfach unheimlich gut und sind originärer als die
jungen Bands. Das ist zumindest meine Theorie zu dieser Sache. Es gibt viele
junge Leute, die Festivals besuchen und die alten Bands trotzdem total
abfeiern. Die alten Hasen machen das schon seit Jahren und wissen genau, wie man
eine richtige Show abliefert und tolle Songs schreibt. Ich sehe das sogar eher
andersrum und freue mich total darüber, dass all diese „Legenden“ noch immer so
gute Liveshows geben und starke Musik veröffentlichen.
Bei den Bastard
Sons setzen wir uns immer zusammen und schreiben gemeinsam, oder die Jungs
kommen schon mit ihren Ideen an. Da ist schon der Prozess an sich ein anderer,
weil ich dort eigentlich nie wirklich etwas alleine mache – ganz im Gegensatz
zu den Sologeschichten. Ich kann mich zudem sehr gut auf das jeweilige Projekt
fokussieren und habe dann keine „Crossover-Probleme“, dass ich da aus dem Tritt
kommen könnte.
Ich habe da
überhaupt keine Präferenzen. Es ist ganz nett, wenn man hin- und herwechseln
kann. Ich arbeite meist sechs Monate an einem Projekt, mache dann eine Pause
und kümmere mich die nächsten sechs Monate um etwas anderes. Das funktioniert
ganz gut so und hat sich hervorragend eingependelt.
Natürlich, jeden
Tag sogar. Sie sind selbst absolut fantastische Musiker und spielten immer in
großartigen Bands, auch wenn der große Erfolg bislang immer ausgeblieben ist.
Sie haben ihre eigenen Einflüsse, das kommt nicht alles von mir. Ich würde so
viel verschiedene Musik gar nicht kennen, wenn es meine Jungs nicht geben und
sie sie mir nicht dauernd vorspielen würden. Wir sind aus verschiedenen
Generationen und natürlich unterscheidet man sich da. Wenn wir alle unsere
Einflüsse zusammenmischen, dann kommen die wirklich interessanten Ideen heraus.
Ich bin heute 58
und kam in die Band, als ich 22 war. Es ist eigentlich unmöglich, nicht jeden
Tag daran zu denken, weil Motörhead quasi mein ganzes Erwachsenenleben bestimmt
hat. Ich träume immer noch mehrmals die Woche davon, dass wir irgendwo
auftreten. Ich spiele mit den Bastard Sons auch immer ein paar Motörhead-Songs
live und will die Erinnerung aufrechterhalten. Motörhead war eine wirklich
mächtige Kraft im Musikbusiness und es muss schon viel passieren, damit die
Leute diese Kraft vergessen. Das ist auch verdammt gut so. Ich bin sehr stolz
auf alles, was wir mit dieser Band machten. Wir hatten großartige Fans, die die
Musik für immer lieben werden. Einfach fantastisch.
Ich würde es
nicht als neuen Start bezeichnen, denn im Endeffekt ist auch das nichts
anderes, als jeden Tag eine Gitarre in die Hand zu nehmen, wie ich es schon
seit Jahrzehnten mache. Es ist aber etwas ganz Anderes. Es fühlt sich frisch
und aufregend an, aber natürlich bin ich keine 20 mehr. Die Spannung liegt aber
trotzdem in der Luft.
(lacht) Das Buch, klar. Ich will ja keine Autobiografie daraus machen, sondern einfach nur die lustigen Geschichten und Erlebnisse niederschreiben, die sich auf Touren so über die Jahre zusammengetragen haben. Speziell mit Motörhead, das kannst du dir ja vorstellen. Da würden dann Geschichten vorkommen, die sowieso keiner glauben wird. (lacht) Das finde ich jedenfalls interessanter, als von meiner Schulzeit in der Kindheit zu erzählen. Ich will das Projekt auf jeden Fall fertigstellen, gib mir noch ein paar Jahre.
Folgende Songs und Gäste gibt es auf "Old Lions Still Roar":
Phil Campbell spielt am 7. September vor den Böhsen Onkelz in Wels. Das Konzert ist bereits ausverkauft.