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Sport

Beim Big Air wachsen die Schanzen in den Himmel

02.01.2025 von Robert Fröwein

Mit dem Big-Air-Bewerb im Klagenfurter Stadion wird dieses Wochenende ein neues Highlight im heimischen Sport- und Entertainmentbereich erwachsen. Die Kärntner Snowboard-Legende Anna Gasser ist mit dabei und voll des Lobes über das mutige Projekt.

Es gehört zum Gebot der Zeit, dass Veranstaltungen weit über sich hinauswachsen müssen. Man muss neue Märkte erschließen, bestehende Zuseher bei Laune halten, potenzielle anlocken und zunehmend vernetzter denken. Europäische Fußballgroßklubs halten Trainingscamps und Freundschaftsspiele in den USA und dem arabischen Raum ab, der Tenniszirkus breitet sich das ganze Jahr über global aus und selbst im geografisch etwas limitierten Skisport gibt es zunehmend Ideen, mithilfe von technischen Behelfsmitteln oder eigens dafür konstruierten Hallen in Sphären vorzudringen, die mit dem eigentlichen Sport bislang nur ein romantisches Hirngespinst verbanden. Die Verzahnung von Wettbewerb und Unterhaltung stößt zuweilen auf (berechtigte) Kritik, sie birgt aber auch Möglichkeiten, nicht in fade Redundanz zu verfallen oder sich ständig im Kreis zu drehen.

Think BIG!

Jetzt versuchen drei junge Herren aus Kärnten mithilfe des ÖSV zum Jahreswechsel eine unterhaltungssportliche Revolution zu starten. Im Klagenfurter Wörthersee-Stadion wird erstmals ein Big-Air-Snowboard-Spektakel über die Bühne gehen und als neues Mammutprojekt für Aufsehen sorgen. Patrick Riepl, Thomas Morgenfurt und Pierre Fieger wollen mit ihrer Agentur Limited Events die Kärntner Bäume in den Himmel wachsen sehen. Dass sich Bäume im Klagenfurter Stadion gut machen, hat man vor einiger Zeit schon bei einem Kunstprojekt gesehen – jetzt sollen herausragende Schanzen und ein fulminantes Show-Rahmenprogramm für Furore sorgen. Rund 120 Athleten aus aller Herren Länder werden Klagenfurt Anfang Jänner zum Zentrum der Wintersportwelt machen. An der Spitze steht die Villacherin Anna Gasser, die zu den besten Snowboarderinnen der Welt zählt und in ihrer Paradedisziplin Big Air unter anderem zwei Weltmeistertitel und zwei Olympiasiege für sich verbuchen kann.

„Für mich hat das Event in Klagenfurt einen immens hohen Stellenwert, weil es quasi vor meiner Haustür stattfindet“, freut sie sich im Gespräch, „die Rahmenbedingungen schauen wirklich gut aus und es wird eine superspektakuläre Show mit einer richtig guten Stimmung werden.“ Der Heimvorteil bringt für die 33-Jährige gleichermaßen Vorfreude wie Nervosität mit sich. „Man ist schon extranervös, weil man niemanden enttäuschen und zeigen will, was man alles kann. Ich war früher auch am Kreischberg und bei den österreichischen Bewerben am unsichersten. Jetzt ist das halt in Klagenfurt der Fall. Wenn die Leute einen anfeuern und jubeln, hilft das aber ungemein. Im Endeffekt bin ich daheim immer besser gefahren, weil mich die Zuschauer besonders motiviert haben.“ Übrigens: Das Big-Air-Event am steirischen Kreischberg findet nur wenige Tage nach Klagenfurt statt, was ein weiteres, untrügliches Zeichen dafür ist, dass Österreich im innovativen Wintersport-Veranstaltungssektor längst an der globalen Spitze angekommen ist.

Ein besonderes Adrenalin-Schmankerl ist, dass die Big-Air-Schanze sogar über das Stadion hinausreichen soll, was auch geübten Athletinnen wie Gasser besonderen Respekt abringt. „Eine gewisse Herausforderung grüßt einen immer. Eine solche künstlich konstruierte Schanze ist viel schwerer zu bewältigen. Alles ist viel schmäler und viel steiler, weil es dann bei den Sprüngen dementsprechend spektakulärer aussieht. Der Schwierigkeitsgrad ist auf solchen Schanzen höher als bei den natürlichen auf den Bergen, wo die Natur die Unterlage vorgibt.“ Rund 45 Meter hoch soll die Rampe sein, was etwa die fulminante Bühne der deutschen Band Rammstein noch einmal um ein Drittel überragen wird. Für die „Königsdisziplin“ Big Air ist diese umgesetzte Vision viel wert. „So eine Rampe darfst du nur herunterfahren, wenn du dir sicher bist, dass du drüberwillst“, gibt uns Gasser Einblicke in ihre Profession, „man braucht viel Selbstvertrauen und das kriegt man über Routine. Viele Sprünge, viele Wiederholungen. Ich muss mich im Training gar nicht mehr an den schwersten Tricks versuchen, denn wenn ich so viel Selbstvertrauen habe, dass ich weiß, was ich kann, dann traue ich mir sowieso alles zu.“

Die jungen Wilden

Mit 33 Jahren, neun Big-Air-Weltcupsiegen und drei Auszeichnungen zu „Österreichs Sportlerin des Jahres“ zählt Gasser im Snowboard-Sport längst zu den routinierten Athletinnen. Das verändert naturgemäß den Zugang zum Wettbewerb. „Die jungen Wilden haben sich nicht so oft verletzt wie ich und haben wesentlich weniger erlebt. Das macht schon einen großen Unterschied. Ich habe aber aus jeder Verletzung etwas Wichtiges für mich mitnehmen können. Ich gehöre vielleicht nicht mehr zu den angesprochenen jungen Wilden, aber ich kann aus meiner Erfahrung enorm viel herausziehen, das wichtig ist.“ Den Kopf während der Competition auszuschalten, sei übrigens weniger klug. „Es wird eher dann gefährlich, wenn ich unvorbereitet oder unkonzentriert an die Sache herangehe. Dann gehe ich oft ein zu hohes Risiko ein. Ich achte darauf, Risiken zu minimieren und kalkuliert auf die Piste zu gehen.“

Dass es vermehrt Snowboard-Nachwuchs aus Österreich gibt, freut Gasser jedoch. „Ich war fast meine ganze Karriere lang die einzige Österreicherin, die in Bewerben am Start war. Jetzt kommen drei, vier Athletinnen nach, von denen wir noch viel hören werden. Ich hoffe natürlich, dass ich mit all dem, was ich über die letzten zehn Jahre gelernt habe, etwas weitergeben kann. Ich stehe gerne als Helferin oder Mentorin bereit und freue mich, dass wir mittlerweile zu einem richtigen Team mutiert sind.“ Ein Team, bei dem der Wettbewerb noch im Vordergrund steht. „Schlagen brauchen sie mich noch nicht“, fügt sie verschmitzt an, „während der Events will ich ihnen schon noch zeigen, wie es geht.“ So wie sie junge Sportlerinnen an Snowboard heranführt, will sie es auch mit Zusehern machen. Ein Event wie das Klagenfurter Big Air kommt

Partystimmung

Neben der fulminanten Rampe und dem besonderen Setting ist es das kulturelle Programm, das für Partystimmung sorgt. Als Live-Acts werden Culcha Candela, Finch, Bonez MC und DJ-Legende Gabry Ponte die 40.000 prognostizierten Gäste mit Beats und Hits unterhalten.

„Ich finde die Verzahnung von Sport und Unterhaltung großartig, weil man damit auch Leute ins Stadion bekommt, die sich für Snowboard allein vielleicht nicht so interessieren würden“, analysiert die Villacherin, „es ist ja nicht nur ein Sport, sondern eigentlich ein Lifestyle. Das Air & Style hat schon vor Jahrzehnten gezeigt, dass Österreich in solchen Bereichen sehr innovativ sein kann. Mit einer Veranstaltung wie dem Big Air in Klagenfurt kann man eine neue, junge Generation anziehen und einiges ins Rollen bringen.“

Neben der großen Begeisterung, die Gasser als „inoffizielle Schirmherrin“ für das Top-Event aufbringt, findet sie nur bei den musikalischen Acts nicht so ganz rein. „Was das angeht, bin ich definitiv ein bisschen ältere Generation“, lacht sie, „ich finde, dass Snowboarden und Hip-Hop sehr gut zusammenpassen. Travis Scott oder Drake könnte ich mir zukünftig gut auf so einer Bühne vorstellen, aber das sprengt wahrscheinlich den budgetären Rahmen.“ Doch wie man anhand der umgesetzten Vision der drei jungen Kärntner lernt: Groß zu denken schadet nicht.

+++ Das Programm +++

Samstag, 04.01.2025
09:00 Uhr: Qualifikation & Training (Herren Freeski)
15:00 Uhr: Offizieller Einlass für BesucherInnen
16:30 Uhr: Night Finales (live) - Damen & Herren Freeski
18:00 Uhr: Siegerehrung (Direkt im Auslauf der Rampe)
19:00 Uhr: Aftershowparty (mit FINCH & GABRY PONTE)

Sonntag, 05.01.2025
09:00 Uhr: Qualifikation & Training (Herren Snowboard)
16:30 Uhr: Offizieller Einlass für BesucherInnen
18:00 Uhr: Night Finales (live) – Damen & Herren Snowboard
19:30 Uhr: Siegerehrung (direkt im Auslauf der Rampe)
20:00 Uhr: Aftershowparty mit BONEZ MC & CULCHA CANDELA


Live-Termine


Big Air

04. & 05. Jänner 2025 | Klagenfurt, Wörthersee Stadion


Infos auf dem Stand vom 02.01.2025  

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