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Sport

Roman Gregory über Fair Play, Bären im Wald und das Trennen von Künstler und Werk

23.09.2025 von Stefan Baumgartner

Auch beim Spezial-Event “Kickerl Royale” vom bereits etablierten Band Fußball Cup stellen namhafte Kunstschaffende wie unter anderem Marco Pogo, Lizz Görgl oder Slomo am 5. Oktober im SV Donau ihr sportliches Talent abseits der Bühne für den guten Zweck unter Beweis: Kein Platz für Gewalt gegen Frauen ist die Devise.

Der legendäre Band Fußball Cup, initiiert von Alkbottle-Kopf Roman Gregory und tatkräftig umgesetzt von seiner Freundin Irena Blagojevic, geht nächstes Wochenende als “Kickerl Royale” in der Indoor-Halle des SV Donau in die nächste Runde; Sechs bunt zusammengemischte Teams treten diesmal bei einem menschlichen Riesenwuzzler gegeneinander an, das Ziel ist jedoch ident mit den Jahren zuvor am grünen Rasen: Die Athlet*innen aus Musik, Sport und Social Media zeigen gemeinsam Stärke gegen Gewalt gegen Frauen, der Reinerlös des “Kickerl Royale” kommt den Wiener Frauenhäusern und White Ribbon Österreich zugute. Wir haben bei Roman Gregory nachgefragt, was ihn persönlich antreibt, sich zu diesem Thema zu engagieren - und was es für ihn bedeutet, als Mann auch Teil einer Lösung sein zu können.

Du setzt dich seit Jahren und mehr als erfolgreich mit dem Band Fußball Cup gegen Gewalt gegen Frauen ein – was treibt dich persönlich an? Was war der Auslöser, gerade hierfür ein Zeichen zu setzen und dich zu engagieren und zu positionieren?

Ich selbst bin in einem familiären Umfeld aufgewachsen, das sehr von patriarchaler Gewalt geprägt war. Mit dem Band Fußball Cup versuche ich, auf diese Thematik aufmerksam zu machen und im besten Fall eine Veränderung in der Gesellschaft herbeizuführen. Als ich Ende der Neunziger Jahre begonnen habe, regelmäßig zu meditieren und so meine Kindheit aufzuarbeiten, hat sich mein Mindset grundsätzlich dahingehend verändert - besonders im Umgang mit Frauen. Mein Einsatz für Gleichberechtigung geht wohl einher mit meinem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. 

Gewalt gegen Frauen hat viele Gesichter – wo beginnt sie für dich persönlich?

Das beginnt schon bei abwertenden Bemerkungen bis hin zu sexistischem Verhalten. Mein Leitfaden war mein Vater zu seinen Lebzeiten: Er hat mir recht eindrucksvoll vorgelebt, wie man(n) sich nicht verhalten sollte.

Gibt es im Zuge deiner Arbeit Rückmeldungen von Vereinen oder Betroffenen, die dir besonders nahe gegangen sind?

Ich bewundere die Frauen, die den Mut aufbringen, einer gewaltgeprägten Beziehung zu entfliehen und bereit sind, ein neues Leben zu beginnen. Diesen Kraftakt kann man gar nicht hoch genug einschätzen und hat unser aller Unterstützung verdient. Wie oft hab ich mir gewünscht, dass meine Mutter irgendwann die Stärke aufgebracht hätte. 

Auch unbewusst können wir Fehler machen – worauf achtest du bei dir selbst, um respektvoll zu handeln? Wo merkst du Schwächen bei dir und wie gehst du dagegen an?

Natürlich kommt es ab und zu vor, in alte Muster zu verfallen, besonders wenn man mit solchen groß geworden ist. Da ist es ganz gut, wenn ich mir eine zeitliche und räumliche Distanz schaffe um die Situation in Ruhe zu reflektieren, dass man in weiterer Folge drüber reden und irgendwann auch wieder drüber lachen kann.

Du lebst in einem “Zweimäderl”-Haushalt. Was lernst du von deiner Partnerin und deiner Tochter – vielleicht auch gerade durch den Generation-Gap?

Es ist ein permanentes Geben und Nehmen. Wir lernen alle voneinander im gleichen Maß. Auch wenn es manchmal zu Meinungsverschiedenheiten kommt, sind wir uns trotzdem am Ende des Tages sicher, dass unser Zusammenleben auf Liebe, Verständnis und Vertrauen basiert.

Was bedeutet “Fair Play” im Rahmen einer Beziehung für dich?

Es ist Teamarbeit. Man kann das ganz gut mit einer Fußballmannschaft vergleichen: Wenn jede*r bereit ist, für den anderen zu kämpfen und ihn zu unterstützen, dann gewinnt man gemeinsam auch am Ende.

Hast du das Gefühl, dass das Bewusstsein für Gewalt gegen Frauen in Österreich wächst, oder treten wir auf der Stelle?

Da tue ich mir schwer, das pauschal zu beurteilen. Einerseits gibt es viele gute Einrichtungen wie die Frauenhäuser, die Männerberatung und so weiter, neue Gesetze, wie zum Beispiel jüngst das neue “Dick Pic”-Gesetz und weitere Verschärfungen der Gesetze gegen sexuelle Belästigung, andererseits geht der Trend teilweise wieder Richtung Fünfziger Jahre, wenn ich mir solche Idioten wie Andrew Tate und seine hirnverbrannten Komplexhaufen-Follower so anschaue. Ich weiß nicht, wohin die Reise geht. Ich beobachte nur, dass alles irgendwie auseinanderdriftet: Männerhass, Frauenhass, Linkshass, Rechtshass. Wir werden zusehends polarisierter und die Populisten heizen das alles noch an.

Eine virale (und natürlich bewusst überspitzte) Aussage lautet: Frauen würden im Wald lieber auf einen Bären treffen als auf einen Mann. Was geht dir dabei durch den Kopf?

Selbstverständlich haben auch Frauen ein Recht auf diese Meinung.

Oft heißt es: “Nicht alle Männer sind ein Problem, aber das Problem ist immer ein Mann.” Ihr betont mit dem Band Fußball Cup bewusst positiv formuliert: Männer sind nicht nur Teil des Problems, sondern auch Teil der Lösung. Was bedeutet das für dich ganz konkret? Wie kann ein Mann in deinen Augen Teil der Lösung sein?

Ich kann diesem Spruch durchaus einiges abgewinnen. Schon allein, wenn man sich die politische Weltlage anschaut mit all ihren Krisen und Kriegen, würde ich behaupten, dass es wohl um einiges friedlicher und fairer zugehen würde auf der Welt, wenn Frauen an der Spitze stehen würden. Man kommt sich momentan vor, als wäre man Zeuge eines weltweiten Schwanzvergleichs.

Abseits vom Band Fußball Cup: Welchen Beitrag können Kunst- und Kulturschaffende im gesellschaftlichen Kampf gegen Gewalt an Frauen leisten?

Ich denke, gerade in der Kunst und Kultur ist gerade ein großer Umbruch im Gange. Ich habe schon das Gefühl, dass viele feministische und genderneutrale Künstler*innen am Vormarsch sind und diese Themen auch gezielt ansprechen. Wurde auch höchste Zeit, dass den ganzen Rapper-Machos ihre vertrottelten Bitches-Texte endlich um Ohren gehauen werden.

Du bewegst dich sowohl in der Musik- als auch in der Sportwelt. Nimmst du unterschiedliche Zugänge zum Thema wahr?

Ich habe da nicht so den Einblick, aber erkenne mit Wohlwollen, dass sich nun bald jeder zweite Dorf-Fußballverein auch zum Frauenfußball bekennt. Wenn sich vielleicht auch die Berichterstattung in den Medien ein wenig bewegen könnte, wäre das schon mal ein großer Fortschritt.

Oft heißt es, Kunstschaffende erreichen nur ihre eigene Bubble. Wie kann man gerade jene Männer und Frauen erreichen, die nicht ohnehin aufgeschlossen sind und sich demnach nicht direkt - etwa auch durch den Band Fußball Cup - angesprochen fühlen?

Ich denke, der Ort, an dem man am meisten erreichen würde, sind Schulen. Da erreichst du alle Gesellschaftsschichten. Wenn man es schafft, die Gesellschaft von morgen von einem gleichberechtigtem Miteinander zu überzeugen, von dem sie letztendlich auch selbst profitiert, kann die Zukunft nur besser werden.

Oft wird ja bei einem Fehlverhalten postuliert, man müsse Künstler*in und Werk trennen - Stichwort Marilyn Manson, Rammstein, etc. Kannst du das persönlich?

Es gibt Künstler, bei denen schaffe ich das - wie zum Beispiel Marilyn Manson oder Pantera, denen halt in einem meist drogeneinflussreichen Moment irgendeine Scheiße passiert ist. Das war in einer Phase in deren Leben, wo es ihnen selbst nicht gut ging und da will und kann ich nicht richten, besonders wenn sie mittlerweile geläutert sind. Bei Rammstein war ich selbst einmal Augenzeuge davon, wie blutjunge Mädls reihenweise mit Tequilla abgefüllt wurden und anschließend in den Backstagebereich abtransportiert wurden. Das war sehr verstörend und seitdem kann ich mir seine Texte einfach nicht mehr anhören, weil mir davor heute noch graust.

Wenn du heute zurückblickst: Was hat der Band Fußball Cup deiner Meinung nach in seiner Geschichte bereits bewirkt?

Wir haben ein bisschen mehr Aufmerksamkeit für das Thema Gewalt gegen Frauen geschaffen - mit einer großartigen Community aus den unterschiedlichsten Bereichen. Wir haben fast 100.000 Euro an Spendengeldern erwirtschaftet und damit einigen akuten Notfällen geholfen. Und wir haben unvergessliche Events und Momente kreiert, nach denen jede und jeder mit einem Lächeln und einem guten Gefühl nach Hause gegangen ist. Das ist nicht nix und es macht auch noch großen Spaß.

Wird es 2026 wieder einen “normalen” Band Fußball Cup, also einen am Rasen, geben?

Kein Band Fußball Cup ist “normal”, jeder ist einzigartig, keiner ist wie der andere. Ich gehe aber davon aus, dass wir nächstes Jahr wieder tolle Bands dafür gewinnen werden. Aber auch das Kickerl Royale, das ja heuer zum ersten Mal stattfindet, wollen wir auch nächstes Jahr wieder abhalten.


Live-Termine


Kickerl Royale

05. Oktober 2025 | Wien, SV Donau


Infos auf dem Stand vom 23.09.2025  

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