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Made in Austria

Rian: Von der Blumendisko auf den Fußballplatz

06.02.2026 von Stefan Baumgartner

In den letzten Jahren hat der Kärntner Musiker Rian einen wahren Höhenflug hingelegt – innerhalb eines Fingerschnippens waren die intimen Clubs bereits zu klein für ihn: Mit Songs wie „Verwandtschaftstreffen“, „Hausparty“ und ganz aktuell „Homeoffice“ beweist er ein unglaubliches Gespür für Gesellschaft, Humor und Leichtigkeit. Soeben erschien sein Debütalbum „Blumendisko“.

Musik macht der Kärntner Rian schon länger – seit seiner Schulzeit im malerischen Althofen, eingebettet zwischen der Burgenstadt Friesach und der Herzogsstadt St. Veit an der Glan. Der Durchbruch gelang ihm dann 2022 mit der Single „Schwarzes Schaf“, die – no na – auf TikTok viral ging. Allerdings bewies er hierauf immer wieder aufs Neue, dass er weitaus mehr als nur eine Eintagsfliege ist: Sein überaus feines Gespür für Humor, Leichtigkeit im Leben, aber auch gesellschaftliche Themen sind das Fundament, das seine Lieder zwar in einem locker-flockigen Eskapismus verortet, dabei jedoch nicht eine durchaus wertige Tiefe missen lässt.

Gerade die letzten übergroßen Songs „Verwandtschaftstreffen“ und „Hausparty“, beweisen seine Brillanz – die nun auf seinem Debütalbum „Blumendisko“ unter anderem mit der Zeitgeist-Hymne „Homeoffice“ ihre Vollendung erfährt. Kein Wunder, dass Rian da nicht nur in der Branche – etwa bei den Amadeus Austrian Music Awards – honoriert wird, sondern auch quer durch alle Bundesländer Begeisterungsstürme einfährt, und ja: Auch über die Landesgrenzen, nach Deutschland, hinaus.

Im Gespräch tauchen wir etwas tiefer ein in den Menschen, der hinter dieser „Blumendisko“ steht: Es ist ein Gespräch über Humor, Menschlichkeit, Fußball und nicht zuletzt auch Freundschaft.

Dein heute erschienenes Debütalbum „Blumendisko” ist streng genommen nach „Rian“ aus dem Jahre 2018 schon dein zweites Debüt. Was hat zur „Neuerfindung“ des einstigen Dreampop-Rian geführt?

Zwischen den beiden Alben liegt ja schon eine gewisse Zeit – das war ein natürlicher Prozess, ich bin älter geworden, bei „Rian“ war ich ja noch extrem jung. Früher habe ich den Traum gehabt, die Welt zu erobern – und dann bin ich draufgekommen, dass sie schon sehr groß ist. Ich habe gemerkt, dass ich mich auf Englisch nicht so ausdrücken kann, wie ich es mir vorstelle, insbesondere meinen Humor und die Art, wie ich nun einmal bin. Dadurch hat es sich langsam entwickelt, ich habe seitdem auch viel probiert, aber jetzt, finde ich, bin ich angekommen, wohin ich wollte.

Ist deine musikalische Vergangenheit somit vollends abgeschlossen für dich, und in die Schublade gewandert?

Ich finde es sehr wichtig, dass es die alten Songs auch gibt – sie sind mir nicht peinlich oder unangenehm, ich sehe sie auch nicht als „Fehler“, aber es ist ein Kapitel, das abgeschlossen ist, am Weg liegen bleiben kann.

Den Rian, den wir heute kennen, den gibt es jedenfalls nicht ohne Witz – glücklicherweise fernab vom platten „Villacher Fasching“-Klamauk. Nun weiß ich, dass du ungern deine musikalischen Vorbilder dingfest machst – aber gibt es Personen, die deinen Humor begründet haben?

(lacht) Ich weiß nicht, ob es wirklich bei mir einfließt, aber ich bin tatsächlich seitdem ich ein Jugendlicher war ein großer Kabarett-Fan. Daher kommt wohl auch mein humoristischer Ansatz – gerade Josef Hader und Alfred Dorfer, von den beiden bin ich nach wie vor ein großer Fan und habe mir immer wieder ihre Programme angeschaut.

Wäre auch für dich ein Schwenk auf die Kleinkunstbühne denkbar – so ganz ohne Gitarre?

Das ist für mich schon ein Thema, ich würde das wahnsinnig interessant finden. Mein Ansatz ist es immer, Menschen zu unterhalten – und das geht natürlich nicht nur mit Musik.

Von Kabarettisten hört man oft, dass sie im Privaten eher Trübsal blasen. Inwieweit bist du eine grundfröhliche Person?

Vielleicht kommt das mit dem Alter, aber momentan geht’s mir eigentlich noch ganz gut – natürlich habe ich auf der Bühne keinen halben Nervenzusammenbruch, den ich zuhause schon auch mal habe. Das gehört dazu, ich bin nicht immer gut drauf. Aber Humor ist ganz generell ein wichtiges Tool für mich, mit Dingen umzugehen.

Neben dem Humor ist eine sehr spitzfindige Menschenbeobachtung und -beschreibung das, was deine Texte auszeichnet – auf deiner „Blumendisko“ ganz speziell in „Kennst du das?“ und „Homeoffice“ zu hören. In einem älteren Interview hast du einmal gesagt, dass du beruflich nie etwas anderes als die Musik ernsthaft in Betracht gezogen hast. Inwieweit hast du in deinen jungen Jahren schon in die „normale“ Arbeitswelt, von der du in „Homeoffice“ erzählst, hineingeschnuppert?

Die „normale“ Arbeitswelt habe ich immer wieder erfahren dürfen oder auch müssen, ich habe immer wieder diverse Nebenjobs gehabt – zum Beispiel auch gekellnert. Da bin ich aber draufgekommen, dass das überhaupt nicht meins ist. Aber natürlich habe ich mir neben der Musik auch immer wieder etwas dazuverdienen müssen.

Aktuell wird aber die Musik wohl im Vordergrund stehen – deine Erfolgswelle geht ja stetig nach oben?

Genau, mein Plan B liegt zerknüllt irgendwo im Eck (lacht).

Du hast letztes Jahr dreimal den Amadeus gewonnen, dieses Jahr bist du in zwei Kategorien nominiert – darunter auch der von Ö3 gesponsorte „Song des Jahres“. Spielen Radio und andere klassische Medien in deiner Alters-Bubble eigentlich noch eine Rolle, oder passiert alles über Social Media?

Die Relevanz von Radio und klassischen Medien ist definitiv schwindend, würde ich sagen. Ich kann jetzt aber nur von meiner Bubble sprechen, die natürlich nicht für die Allgemeinheit steht – aber es hat sich schon geshiftet, und Social Media ist demzufolge auch das, wo ich selbst als Künstler sehr viel Arbeit reinstecken muss.

Dort virale Momente zu erzeugen, scheint dir aber überaus leicht zu fallen.

Man muss wissen, wer man ist und was man nach außen tragen kann – wenn man merkt, was funktioniert, muss man das dann mehr kalibrieren. Am Anfang ist es immer spielerisch und leicht, man schlüpft in eine Rolle, die man gut kann – aber wenn man das immer weiterziehen muss, kann es schon auch anstrengend werden.

Zurück zum Radio: Aktuell geistert ja der neue FPÖ-Sender „Austria First“ durch die heimische Kulturlandschaft, Christina Stürmer hat sich bereits explizit distanziert. Ist das für dich, als einer der erfolgreichsten österreichischen Künstler, ein Thema?

Für mich ist es aktuell noch kein Thema, aber ich bin ganz generell nicht für politische Radiosender zu haben – ganz gleich welcher Farbe.

Der Amadeus muss sich oft auch einer konstruktiven Kritik stellen: Inwieweit bildet der Preis deiner Meinung nach die österreichische Musiklandschaft und ihre Leistungen treffend ab, wo siehst du blinde Flecken?

Es gibt auf dieser Welt keinen Preis, der allem gerecht wird. Vor allem im Kunstbereich ist alles subjektiv, man wird also immer etwas finden, wo Verbesserungspotenzial vorhanden ist – so auch beim Amadeus. Aber man muss ihn auch nicht verschlimmbessern: Ich finde, der Mittelweg ist gegeben, es gibt Verbesserungspotenzial – aber im Großen und Ganzen muss man froh sein, dass es diesen Preis gibt, dass es zumindest einmal im Jahr einen Abend gibt, wo die Branche zusammenkommt.

Letztes Jahr hat SALÓ gemeint, der Amadeus bringe ihm persönlich „nix“. Ich nehme an, auch du machst an anderen Messlatten dingfest, dass du erfolgreich in deinem Tun bist.

Genau. Der Musikpreis ist eine schöne Anerkennung, aber die wirkliche Bestätigung bekommt man vom Publikum – wenn man da live auf der Bühne steht und plötzlich tausende Leute vor einem. Das gibt mir schon ganz viel zurück.

Beim Amadeus wird naturgemäß „österreichische Musik“ ausgezeichnet – spielt abseits der österreichischen Sprache die Herkunftsidentität bei dir eine Rolle? Du bist ja auch in Deutschland überaus erfolgreich unterwegs – wie weit wirst du da in eine Schublade gesteckt?

Ich glaube, es ist ganz wichtig, eine österreichische Identität zu haben – in dieser Schublade fühle ich mich aber sehr wohl: Ich habe das Gefühl, dass viele Deutsche das Österreichische charmant finden. Und, was ich ihnen anfangs gar nicht zugetraut hätte: Sie verstehen auch meinen Humor (lacht).

Was bedeutet „Heimat“ für dich heute – ist es Kärnten, ist es Wien?

Mittlerweile beides. Natürlich ist der Ort, wo man aufgewachsen ist, wo man seine Kindheit verbracht hat, etwas Spezielles. Da hat man immer einen besonderen Bezug – und ich komme auch immer wieder gerne nach Hause. Mittlerweile ist aber auch Wien mein Ankerpunkt, weil ich da meine Freunde, mein Umfeld habe. Aber wenn ich sag‘, ich fahr heim – dann ist damit sicherlich Kärnten gemeint!

Was verbindest du, ganz spontan, zuallererst mit Kärnten?

Familie.

Das berühmt-berüchtigte „Verwandtschaftstreffen?“

Ich habe bewusst „Familie“ gesagt (lacht). Das ist der kleine, angenehme Rahmen.

Du reist jedoch nicht nur nach Kärnten, sondern generell viel und gern – auch alleine: Ist das deine Work-Life-Balance, um aus der Rian-Figur auszusteigen – oder nimmst du sie überallhin mit?

Reisen, das ist schon ein bewusster Bruch mit alldem, was ich beruflich mache. Aber es ist niemals ein Bruch mit der Person, die ich nun einmal bin – die Bühnenfigur und ich, als Privatperson, die greifen schon ineinander. Viele der Geschichten aus meinen Texten kommen ja aus dem privaten Bereich: Ich laufe zwar im Urlaub nicht mit einem Notizbuch herum, aber alles, was ich mitbekomme, ist irgendwo gespeichert und wird vielleicht irgendwann verwendet.

Ein weiterer Ausgleich ist nicht nur Tennis, sondern auch Fußball; Spielst du nur selbst oder bist du auch ganz klassisch österreichisch vor dem Fernseher „Bundestrainer“?

Ich werde definitiv immer wieder auch zum Bundestrainer (lacht). Ich schaue schon auch sehr gern Fußball – und vor allem bei der WM werde ich da sicher wieder einiges an taktischem Wissen preisgeben müssen (lacht).

Von welchen Vereinen bist du Anhänger?

In Österreich von keinem, da schlägt mein Herz einfach für die Nationalmannschaft. International ist es Brighton, ich schaue sehr gern Premier League.

Und was ist, als Hobby-Bundestrainer, deine Vorschau auf die WM – gibt es da einen Wunsch und einen Tipp?

Wunsch und Tipp überschneiden sich jedenfalls nicht (lacht). Der Weltmeistertitel für Österreich wäre zwar nicht schlecht, aber mein Wunsch wäre, dass wir zumindest die Gruppenphase überstehen. Ich glaube, weiter schaffen wir es nicht. Im Finale werden wohl Argentinien gegen Spanien spielen – und ich hoffe, Spanien holt sich den Titel.

Vor zwei Jahren hättest du beinah Musik und Fußball verknüpft und beim Band Fußball Cup von Roman Gregory mitgespielt: Da spielen alljährlich Stars der heimischen Kulturszene gegeneinander, der Erlös wird einem guten Zweck gespendet – das Thema: „Prävention weiblicher Gewalt.“ Einige deiner Kollegen nehmen den Kick sehr ernst, andere wiederum eher locker. Gehst du beim Fußball mit einem sportlichen Ehrgeiz aufs Feld?

Ich habe schon einen Ehrgeiz, aber den muss man erstmal aufwecken (lacht). Mein Ehrgeiz, das ist ein sehr tief schlafender Löwe. Aber wenn ich merke, der Gegner gibt mir den Raum, dann bin ich schon voll dabei – beim Band Fußball Cup geht es aber auch mir in erster Linie um den guten Zweck. Ich hoffe, nächstes Mal klappt es bei mir.

Bisher haben bereits einige österreichische Musiker beim Band Fußball Cup mitgemacht, darunter Marco Pogo und Christopher Seiler. Von einigen mehr weiß man, dass sie auch darüber hinaus durchaus gern „am Platz stehen“: Gibt es da Kollegen, gegen die du gern einmal kicken würdest?

Gegen Josh. Gegen ihn habe ich schon einmal Tennis gespielt – und gewonnen (lacht). Aber vielleicht hat er seitdem ein bisschen trainiert, also wer weiß, was die Zukunft bringt? Vielleicht gewinnt er nächstes Mal. Aber im Fußball müssen wir uns das erst anschauen (lacht).

Mit Josh gehst du dieses Jahr auch gemeinsam auf Tour – was verbindet dich so intensiv mit ihm?

Ich habe ein paar Mal den Support für ihn gespielt, das war unser erster Kontakt. Dafür bin ich ihm sehr dankbar – aber seitdem haben wir auch eine gewisse Verbindung untereinander aufgebaut. Da war es dann naheliegend, dass der Gedanke aufkam: Zu zweit ist man stärker als allein.

Werden das jeweils zwei Einzelkonzerte werden, oder steht ihr auch gemeinsam auf der Bühne?

Es sind grundsätzlich zwei Einzelkonzerte, aber wir werden uns im Vorfeld noch zusammensetzen und uns etwas überlegen … Wenn man schon zu zweit unterwegs ist, bietet sich das schon an.

Gibt es einen Song von Josh, den du selbst gern geschrieben hättest?

„Cordula Grün“! Und ich finde auch seinen neuen Song, „Sag ab“, sehr cool.

Andersrum: An welchen deiner Songs sollte sich Josh ranmachen?

An jeden (lacht)! Das können wir dann bei der gemeinsamen Tour machen: Diese Josh-Eigenheit, die ist schon etwas ganz Besonderes, finde ich.


Live-Termine


Rian - "Verwandschaftstreffen"

09. April 2026 | Graz, Orpheum
10. April 2026 | St. Pölten, VAZ
11. April 2026 | Salzburg, Szene
12. April 2026 | Salzburg, Szene
17. April 2026 | Innsbruck, Music Hall
18. April 2026 | Dornbirn, Conrad Sohm
24. April 2026 | Klagenfurt, VZK
25. April 2026 | Linz, Posthof
23. Mai 2026 | Gmunden, Rathausplatz (mit Josh.)
04. Juni 2026 | Latschach, Burgarena Finkenstein
20. Juni 2026 | Altenmarkt, Talstation Hochbifangbahn (mit Josh.)
21. Juni 2026 | Kufstein, Festung (mit Josh.)
27. Juni 2026 | Fürstenfeld, Hauptplatz (mit Josh.)
24. Juli 2026 | Zwettl, Eislaufplatz (mit Josh.)
25. Juli 2026 | Wiesen, Festivalgelände (mit Josh.)
26. Juli 2026 | Wien, METAStadt Open Air (mit Josh.)


Infos auf dem Stand vom 06.02.2026  

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