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Konzerte

Die Wiener Arena: Wie aus einem Schlachthof ein Wohnzimmer wurde

02.06.2026 von Stefan Baumgartner

Vor 50 Jahren besetzte man im Anschluss an die Wiener Festwochen einen alten Schlachthof: Der Grundstein für die Arena Wien ward gelegt - eine Zäsur der Stadtkultur, die zuvor kaum Raum abseits der Hochkultur bot. Mittlerweile ist die Arena so etwas wie ein “zweites Wohnzimmer” - ein Ort mit Charakter, der die komplette Bandbreite der Unterhaltungsmusik abdeckt.

1976 wurde im Anschluss an die damaligen Wiener Festwochen der Auslandsschlachthof in St. Marx besetzt, ein ungenutztes Areal, das man dem damals noch nicht vorhandenen, alternativen Kulturtreiben Wiens einverleiben wollte. Mit von der Partie waren damals etwa der spätere Ostbahn Kurti, aber auch der spätere Wiener Bürgermeister Michael Häupl.

Nach einigen Querleien wurde das Gelände zwar geräumt, aber immerhin ward am nur wenige hundert Meter entfernten Gelände des Inlandsschlachthofs tatsächlich Platz für die seitdem als Arena fungierenden Kulturbetrieb gefunden. Der Rest ist Geschichte, eine Geschichte, die nicht nur ab 18. Juni im wien museum präsentiert wird, sondern auch im neuen Buch über die Arena nachzulesen ist.

Der ehemalige Auslandsschlachthof, die Arena, die Raiffeisenhalle im Gasometer, die Marx Halle und das Areal für die geplante Wien Holding-Arena.

Was damals als Zäsur in der Stadtpolitik begann und ein Umdenken anstieß, ist mittlerweile natürlich ein gewissermaßen institutionalisierter Kulturbetrieb: Mit grob 250 Veranstaltungen im Jahr deckt die Arena heute die komplette Bandbreite der Unterhaltungsmusik ab, ist nicht selten erste große Bühne für so manch heimische Band, sondern auch international – von Patti Smith bis Iggy Pop – als eine der Locations in ständig guter Erinnerung, die im Gegensatz zu modernen Mehrzweckhallen als “Ort mit Charakter” wahrgenommen wird.

Während ich altersbedingt keiner der Arenabesetzer war, so habe auch ich bereits früh in meiner Konzertlaufbahn die Arena lieben gelernt: Seit meinem ersten Besuch am 23. Oktober 1998 habe ich mit grob überschlagen etwa 600 Konzerten fast zwei Jahre in der Arena “gelebt”. Und “gelebt” ist – angelehnt an den Werbeslogan des schwedischen Möbelgiganten – tatsächlich der korrekte Begriff für einen Besuch in der Arena: Egal ob große oder kleine Halle, Dreiraum oder Open Air – im Gegensatz zu modernen Mehrzweckhallen sind dortige Konzerte selbst nach aberhunderten Besuchen immer noch ein besonderes Erlebnis, das die Mühsal des Alltags außerhalb der Backsteinmauern warten lässt.

Auch wenn die Arena mittlerweile nicht mehr aus dem kulturellen Treiben Wiens wegzudenken ist, hat sie sich immer noch die Selbstverwaltung und den sozialpolitischen Anspruch bewahrt, erklärt uns Peter Hanzl von der Arena im Gespräch. Aber auch, dass es trotz “Vollauslastung” jedes Jahr einen Überlebenskampf darstellt. Eine Chance für das Grätzl sieht Hanzl hingegen in der geplanten Wien Holding-Arena in St. Marx – sofern die Stadt Wien, wie auch schon vor 50 Jahren, letztlich ein geschicktes Händchen beweist …

Impressionen aus “Die Arena. Eine Wiener Geschichte”, erscheint am 12. Juni im Falter Verlag und ist online sowie im gut sortierten Fachhandel erhältlich.

Nach den damaligen Festwochen wurde die Arena vor 50 Jahren besetzt. Was war dafür die Initialzündung und wie geht das überhaupt, “etwas besetzen”, das einem gar nicht gehört?

Ja, “etwas besetzen” heißt tatsächlich, sich etwas zu nehmen, das einem eigentlich gar nicht zusteht. Auf die Arena bezogen war das damals besetzte Gelände Teil des größten Schlachthofs Europas, der “Auslandsschlachthof”. Der ist leer gestanden und die Firma Schöps wollte die Gebäude abreißen und etwas Neues hinbauen. Daraufhin haben sich die Wiener Festwochen gedacht, dass es sehr schade um diesen Raum wäre, den man viel besser doch für kulturelle Zwecke verwenden könnte. Diese Besetzung haben sie dann im Sommer 1976 ziemlich medientauglich durchgeführt – unter anderem auch mit einem Gratiskonzert von Leonard Cohen, der zuvor im Wiener Konzerthaus gespielt hat.

Diese Besetzung ging also tatsächlich von den Wiener Festwochen aus und nicht von irgendwelchen Besucherinnen und Besuchern?

Richtig, und rasch waren aus allen kulturellen Bereichen irgendwelche Menschen mit dabei. Es ist ein Irrglaube, dass “die Punks” den Schlachthof besetzt haben – eine Punkbewegung hat es 1976 in Wien noch gar nicht gegeben. Die Arena-Besetzer waren damals Theatermenschen aber auch die ganz “normale” Bevölkerung – deswegen war das auch so erfolgreich, weil da zigtausend Menschen aus allen Schichten mit dabei waren, und nicht “nur” die Kultur-Elite.

Es wird von über 200.000 Menschen gesprochen, die über die Monate verteilt den Schlachthof besetzt haben.

Genau. Im Herbst hat es dann geheißen, dass man den Platz trotzdem nicht behalten darf – aber dafür einen Ersatz angeboten bekommen: Das heutige Arena-Areal, der “Inlandsschlachthof”, der dann 1977 bezogen wurde. Und wir sind immer noch ein “besetztes” Areal, das heißt, dass die Gebäude unter Denkmalschutz und im Besitz der Stadt Wien stehen. Wir zahlen aber heute natürlich Strom, Steuern und das Personal – haben aber keinen Mietvertrag. Das klingt zwar cool, bedeutet aber auch, dass wir keine Rechte haben.

Du hast es bereits angesprochen: Vom ursprünglich besetzten Areal mussten die Besetzer zwar weichen, es wurden aber sogleich Alternativen angeboten: Das Schloss Neugebäude, eine Meidlinger Lederfabrik und eben das heutige Arena-Areal. Das war damals bei der Bewegung durchaus umstritten: Warum?

Die angebotenen Alternativen waren viel baufälliger, aber auch von der Struktur ganz anders als der Auslandsschlachthof: Weniger Gebäude und weniger Platz heißt auch, dass viele Initiativen weichen müssen. Dadurch kam es bereits sehr früh zu internen, ganz generellen Streitigkeiten, weil so viele unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Ideen und Ansätzen dabei waren. Da hat natürlich jeder andere Visionen gehabt, was man wie aus welchem Ort machen kann und soll: Die einen wollten Theater machen, die anderen Konzerte, es gab auch einen Kindergarten, ein Frauenhaus und ein Kino.

Ähnlich wie das WUK in der Währinger Straße, ein ebenfalls alternatives Kulturzentrum.

Richtig. Damals ist auch die Arena-Zeitung entstanden, aus der sich dann ebenfalls wieder Leute abgespalten und den Falter gegründet haben. Auch wenn Falter-Herausgeber Armin Thurnher das bestreitet, es waren die gleichen Menschen, die vorher bei der Besetzung dabei waren und für die Arena-Zeitung geschrieben haben.

Du hast es zuvor bereits erwähnt: Wenn man heute von einem “Besetzer” spricht, denkt Otto und Ottilie Normal in erster Linie an Punks. Bei der Arenabesetzung war es aber eben genau nicht ein als “arbeitsscheues Pack” verpöntes Publikum.

Im Gegenteil. In erster Linie war es sogar die Nachbarschaft, die nicht wollte, dass die schönen Gebäude abgerissen werden und ein modernes Fabriksgelände entsteht. Man muss bedenken: Damals, vor 50 Jahren, war dieser Teil Wiens eine schöne Freifläche, das war der Stadtrand. Zwischen Arena und dem heutigen Gasometer war einfach nur eine Feldfläche, links und rechts waren Bauernhöfe und Wiesen, auf denen Fasane gejagt wurden.

Arbeitet von den damaligen Besetzerinnen und Besetzern heute noch jemand in der Arena?

Genau genommen: Nein. Es gibt eine Person, den Günther Holtschik, über den vor drei Jahren das Buch “Günther: Giftler, Gammler, Plattensammler” erschienen ist. Er war damals zwar bei der Besetzung dabei, bezeichnet sich selbst jedoch nicht als “Besetzer”, weil er erst vom zweiten Tag an mit dabei war (lacht). Er war also kein Initiator, war aber seiner Erinnerung nach fast jeden Tag dort.

Beim alternativen Kulturangebot vor 50 Jahren in Wien auch kein Wunder.

Genau, das war damals im Gegensatz zur Hochkultur nicht existent. Sogar in Graz war mit dem steirischen herbst mehr los. Für Wien war die Arenabesetzung erst die Initialzündung.

Was macht Günther heute?

Seit kurzem ist er Pensionist, aber er ist immer noch fast täglich im Beisl zu sehen – meistens als DJ, und wenn dort Konzerte stattfinden, macht er den Sound.

Willi Resetarits wird als einer der namhaftesten heimischen Künstler genannt, die damals Teil der Bewegung waren. Dass Armin Thurnher vom Falter auch mit von der Partie war, hast du bereits erwähnt. Wer noch?

Der ehemalige Wiener Bürgermeister Michael Häupl ist einmal von der FPÖ angeschossen worden, dass auch er ein “Linker, der bei der Arena-Besetzung mit dabei” war. Seine Antwort: “Natürlich. Jeder war mit dabei!” “Mit dabei” war auch Georg Danzer, der damals gemeint hat, dass die Arenabesetzung wie alles in Wien enden wird, nämlich in einem großen Heurigen (lacht). Und Beatrix Neundlinger, die Frontfrau von den legendären Schmetterlingen, war auch eine der Besetzerinnen.

Aber Willi Resetarits war, nachdem er danach als Ostbahn Kurti eine wirklich große Karriere gemacht hat, definitiv immer das größte Aushängeschild der Besetzung: Vielleicht auch, weil er eine verbindende Figur war – rhetorisch gut, menschlich in Ordnung, mit einer Einstellung und einer Haltung. Ihn hat wirklich jeder mögen, auch wenn die Besetzer so unterschiedlich waren.

Ohne die Arena-Besetzung hätte es vielleicht nicht nur eine alternative Kulturszene nicht gegeben, sondern auch den “zivilen Ungehorsam”, die österreichische Protestkultur wie etwa die Anti-AKW-Bewegung oder zuletzt die “Lobau bleibt!”-Bewegung, aber auch die Grünen und eben den Falter. Ist die Arena auch eine Art Wiege der Rebellion?

Bestimmt, da ist viel 68er-Geist mitgeweht. In Deutschland und anderen Ländern war ja lange vor Wien und Österreich schon viel mehr Protest. Bei uns hat man halt erst etwa 10 Jahre später gemerkt, dass man als Bevölkerung in der Kommunalpolitik etwas erreichen kann.

In den fünf Jahrzehnten seit der Besetzung ist in der Arena vieles gleich geblieben – aber es hat sich auch vieles geändert: Heute spielt dort niemand mehr auf Europaletten. Wie viel von dem ursprünglichen Geist kann sich ein etablierter Kulturbetrieb heute leisten?

Es ist immer wieder eine Gratwanderung. Aber: Wir veranstalten immer mit Haltung, wir laden nicht jede Band ein, mit der wir Geld verdienen können. Die Arena ist immer noch anti-faschistisch und anti-sexistisch, und da muss jede Band, die bei uns auftreten will, reinpassen. Darin sehe ich den ursprünglichen Geist der Arena immer noch enthalten, auch wenn es professioneller und kommerzieller geworden ist. Diesen “Kommerz” kritisieren zwar viele von den ursprünglichen Besetzerinnen und Besetzern, aber man muss mit der Zeit gehen, sonst würde es uns auch nicht mehr geben: Gerade beim Hallenumbau vor 25 Jahren hat die Stadt Wien viel Geld investiert, hat dafür aber auch für diese Infrastruktur eine Vollauslastung gefordert.

Man hört da schon raus: Geblieben ist auch die “Basisdemokratie” in der Arena. Schriftsteller Martin Auer, damals Teil der Besetzung, hat den Satz geprägt: “Ein Plenum ist entsetzlich mühsam und anstrengend.” Wie erlebst du das heute?

(lacht) Dieser Satz wird mein erstes Tattoo! Und ja, es ist, wie er damals schon gesagt hat, auch heute mühsam und anstrengend. Aber: Es ist notwendig. Man diskutiert viel, manchmal auch im Kreis. Auch heute haben viele Menschen diverse Vorstellungen und Ideen. Heute ist die Arena in etwa zehn Arbeitsgruppen aufgeteilt, Entscheidungen aus diesen Gruppen werden dann in den Vorstand getragen und mit Mehrheitsbeschluss beschlossen. Wir versuchen immer, einen Konsens zu finden – übergreifende Themen aus dem Booking wären dann etwa politische Grenzfälle, Kosten oder wie oft eine Band schon bei uns gespielt hat.

Merkst du da auch einen Generationen-Gap?

Ich bin mittlerweile 47 und merke erstmals, dass Zwanzigjährige Dinge anders sehen und anders angehen. Aber letztlich ist die Arena das, was jede*r einzelne daraus macht.

Was ist die Arena für dich persönlich?

Ein lauter, politischer und offener Ort für alle Menschen – mit einem niederschwelligen Zugang. Aber auch eine Chance und ein Sprungbrett für junge, insbesondere auch österreichische Bands, Musikerinnen und Musiker.

Wird es über die Jahre schwieriger, einen gemeinsamen Konsens – intern wie auch extern, mit der Stadt Wien, mit den Bands und ihren Agenturen – zu finden?

Es hängt immer von den handelnden Personen ab. Seit zehn Jahren haben wir beispielsweise einen sehr guten und intensiven Austausch mit dem Bezirksvorsteher, der uns gerade bei den letzten Problemen – Stichwort “Lärmbelästigung” – sehr viel weitergeholfen hat. Aber in Wien ist es natürlich immer kompliziert: Die Gebäudeverwaltung MA34 gibt eine Vorgabe, die die MA36 allerdings nicht als veranstaltungstauglich erachtet, während der Fördergeber MA13 wiederum gänzlich andere Vorstellungen hat. Aber die Gespräche sind immer sehr konstruktiv und wir als Arena versuchen immer eine möglichst genaue, professionelle Umsetzung.

Leonard Cohen war, wie eingangs erwähnt, einer der frühesten internationalen Künstler, die damals in der Arena gespielt haben – ein Gratiskonzert im Anschluss nach seinem Auftritt im Konzerthaus …

Zum 40-jährigen Jubiläum der Arena wollten wir ihn wieder bei uns auf der Bühne haben und haben Kontakt aufgenommen: Er hat sich tatsächlich an die Arenabesetzung noch gut erinnern können und war davon so begeistert, dass er sich tatsächlich für zwei exklusive Gigs einfliegen hätte lassen. Aber: drei Wochen später ist er leider verstorben.

Erst vor wenigen Tagen hat ebenfalls eine Ikone, nämlich Patti Smith – Dauergast bei euch im Haus – die Arena über den Klee gelobt. Gibt es, abseits des Areals selbst, Künstler*innen oder Konzerte, die den Mythos nachhaltig geprägt haben – ich denke da etwa an den legendären Auftritt von Nirvana …

David Bowie 1997 ist bestimmt eines der legendären Konzerte. Eigentlich war er ja viel zu groß für die Arena, aber mit seiner damaligen „Earthling“-Platte hat er sich an Electronica versucht, was nicht so gut ankam. Bereits am Tag vor seinem Konzert ist er in weißem Anzug in der Arena gestanden und hat mit seiner Analog-Kamera begeistert das Areal fotografiert (lacht).

In den Neunzigern hatten wir vom Wu-Tang Clan über NWA bis hin zu Public Enemy einige legendäre Hip-Hop-Konzerte, wie auch Punk-Shows von den Dead Kennedys bis Black Flag und Metal-Konzerte von Motörhead bis Slayer, und auch die Foo Fighters haben sehr früh in ihrer Karriere bei uns gespielt. Auch viele Pop-Künstlerinnen und Künstler sind bei uns aufgetreten, etwa Katy Perry, aber auch Robbie Williams mit seinem ersten Solokonzert nach seinem Rauswurf bei Take That. Das sind allesamt Bands, die heute viel zu groß für die Arena wären.

Fast jedes Genre hat ihre legendären Konzerte bei uns – und ich glaube, diese Vielfalt zeichnet die Arena auch letztlich aus.

Mehrmals waren Künstlerinnen wie Patti Smith, aber auch Bands wie die Einstürzenden Neubauten und Die Toten Hosen bei euch zu Gast. Ich weiß, Eigenlob stinkt, aber tatsächlich nennen zahlreiche internationale Künstler*innen die Arena, wenn man sie nach einer der besten Live-Locations Europas fragt: Woran liegt das?

Ich glaube, das kann man gar nicht so wirklich dingfest machen. Natürlich ist’s einerseits das Ambiente: Open-Air, mit dem Schornstein, ist das einfach ein beeindruckendes Bild, und selbst die große Halle fühlt sich irgendwie intim an. Andererseits sind es sicherlich auch die alten Backsteingebäude und auch die Geschichte, die das Flair gerade bei amerikanischen Bands ausmachen: Die Arena ist nur 200 Jahre jünger als das Land Amerika selbst (lacht). Aber letztlich ist’s wohl auch die Tatsache, dass sich die Künstlerinnen und Künstler bei uns einfach wohlfühlen, weil wir professionell, aber lässig mit ihnen und ihrer Crew umgehen. Die Arena ist, im Gegensatz zu Mehrzweckhallen, einfach ein Ort mit Charakter: Da bleibt sogar Iggy Pop gern einmal picken und rauscht nicht gleich ins Hotel ab (lacht).

Was für die einen Freud, für die anderen Leid: Die Diskussionen rund um Lärmbeschwerden haben zuletzt Wellen geschlagen. 

Wir müssen uns an die Gesetze halten: Einerseits, damit wir erfolgreich veranstalten können – das geht einfach nicht in Zimmerlautstärke. Aber andererseits auch so, dass unsere Nachbarn ihr Recht auf Nachtruhe haben. Fairerweise muss man allerdings sagen, dass ein überwiegendes Gros der Bewohnerinnen und Bewohner der drei neuen Wohntürme in Erdberg der Arena positiv gegenübersteht, es gibt nur sehr wenige Parteien, die sich gestört fühlen. Ich sehe hie und da sogar Instagram-Stories, wo man sich am Balkon trifft, grillt und von dort aus unsere Open-Air-Konzerte verfolgt.

Hattet ihr jemals in eurer Geschichte eigentlich Angst, dass die Arena in ihrer Existenz ernsthaft gefährdet sein könnte?

Ich glaube, es gab nie einen Moment, wo wir nicht existenzgefährdet waren. Wir haben zwar bis zu 250 Konzerte im Jahr, die meisten sind auch gut bis sehr gut besucht, aber die Einnahmen reichen für den Energieverbrauch, für die große Belegschaft und die steigenden Gagen der Bands bei weitem nicht aus. Es ist ein ständiger Überlebenskampf.

Bleiben wir gleich bei der Existenz: In den nächsten Jahren soll der Leerraum zwischen Arena und der Marx Halle mit einer “neuen Stadthalle”, der Wien Holding-Arena, geschlossen werden. Beobachtet ihr das entspannt oder mit Sorge? Ist’s Konkurrenz oder Ergänzung?

Das wird wahrscheinlich jede*r von uns anders beantworten, ich bin zwiegespalten. Einerseits habe ich es spannend gefunden, was mit der Bewegung in St. Marx in den letzten Jahren passiert ist – angefangen bei den Kleingärten über den Skatepark bis hin zu Freiraum-Konzerten. Andererseits verstehe ich aber auch die Stadt, die eine neue Halle braucht, weil für große Produktionen die aktuelle Stadthalle einfach nicht mehr state-of-the-art ist.

Für die Arena selbst ist es sicherlich besser, es kommt auf das Areal eine neue Halle hin, als wieder Wohntürme (lacht) – zumal die dortigen Konzertbesucherinnen und -besucher vielleicht auch davor oder danach die Arena und das Arena Beisl besuchen, und wir auch von der verbesserten Infrastruktur profitieren werden: Bei Großproduktionen wie dem Vienna Metal Meeting haben wir bei der Arena zum Beispiel nicht ausreichend Parkplätze und Starkstrom-Anschlüsse für die Tourbusse, da könnte sich dann mit dieser neuen Halle auch für uns eine Chance auf Ressourcenteilung ergeben. Das Viertel wird sich jedenfalls definitiv verändern, auch wenn ich hoffe, dass die Stadt eine Lösung dafür findet, trotzdem auch einen Freiraum zur Verfügung zu stellen.

Welche Veränderungen sind für die Arena selbst in naher Zukunft geplant?

Es ist schwer, vorauszuplanen, wenn man sich – wie vorher erwähnt – im ständigen Überlebenskampf befindet. Wir bekommen seit Jahrzehnten die gleiche Subvention, obwohl wir seit Jahren immer mehr Kulturleistung bieten. Zum 50-jährigen Jubiläum wurde die Subvention sogar um 10 Prozent gekürzt – damit landen wir jetzt bei einer Förderquote von nur 5 Prozent. Natürlich: Die Stadt Wien hat uns bei der neuen Anlage für die Open-Air-Bühne unter die Arme gegriffen, wofür wir sehr dankbar sind. Darüber hinaus werden – Stand jetzt – keine großen Schritte möglich sein, auch wenn Wünsche und Ideen bei uns in der Schublade liegen.

Was wird sich – Stichwort “cash only” – niemals verändern?

Immerhin bei der Abendkasse kann man schon mit Karte zahlen (lacht). Nachdem wir beim Merchandise gemerkt haben, dass wir dort bei Option Kartenzahlung 20 Prozent mehr Umsatz machen, werden wir uns vielleicht auch bei der Bar einmal dafür verständigen: Ich persönlich glaube nicht, dass dann – wie befürchtet – das Trinkgeld geringer ausfällt, dafür bin ich mir aber sicher, dass wir auch dort unseren Umsatz steigern könnten.

Nachdem die Arena aus den Wiener Festwochen entwachsen ist, eine brandaktuelle Frage an dich: Sollte Peter Thiel eine Bühne geboten werden?

Ich weiß es nicht. Was sie auf jeden Fall mit seiner Ankündigung, aber auch mit Braco bei der Eröffnung erreicht haben: So viel ist über die Festwochen schon lange nicht mehr geredet worden. In der Arena hätte er jedoch definitiv keine Bühne – Braco hingegen wäre ein lustiges Open-Air: Da gäbe es wenigstens einmal keine Lärmbeschwerden (lacht).

Mein Jahres-Highlight in der Arena ist gerade erst mit Sofia Isella über die Bühne gegangen, welches Konzert sollte man sich aus deiner Sicht definitiv nicht entgehen lassen?

Definitiv am 12. September das Open-Air von 5/8erl in Ehr’n – die feiern zwar nicht wie wir das 50-jährige Bestehen, aber immerhin ihr 20. Jubiläum. Und dafür haben sich mit Fiva, David Scheid, Marianne Mendt, Die Strottern, Yasmo und dem Jazzorchester Vorarlberg auch einige fantastische Gäste angekündigt!


Live-Termine


Arena Wien: eine kleine Konzertauswahl

08. Juni 2026 | Garbage (Open Air)
17. Juni 2026 | The Streets (Open Air)
06. Juli 2026 | Xavier Rudd (Open Air)
10. Juli 2026 | Kae Tempest (Open Air)
15. August 2026 | Babyshambles (Open Air)
20. August 2026 | Kruder & Dorfmeister (Open Air)
10. September 2026 | Heinz aus Wien (Open Air)
12. September 2026 | 5/8erl in Ehr'n (Open Air)
07. Oktober 2026 | Boris (Große Halle)
20. Oktober 2026 | Fink (Große Halle)
06. November 2026 | Eli Preiss (Große Halle)
25. November 2026 | Eluveitie (Große Halle)
04. Dezember 2026 | Baby Lasagna (Große Halle)
22. Dezember 2026 | Bloodsucking Zombies From Outer Space (Große Halle)


Infos auf dem Stand vom 02.06.2026  

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