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Konzerte

Danger Dan hat "keine Angst" vor dem Himmler vom ZDF

23.07.2026 von Stefan Baumgartner

Es war der Aufreger der letzten Woche: Eigentlich hätte Danger Dan seine neue, antifaschistische Single “Keine Angst” live im ZDF präsentieren sollen, doch die Intendanz Norbert Himmler zog ihm den Stecker. Dank des Medienechos war sein Konzert diesen Dezember im Gasometer sofort ausverkauft - nun folgt der Nachschlag: Danger Dan wird kommenden Sommer auch in der METAStadt spielen!

Danger Dan kennt man freilich von den Hip-Hoppern Antilopen Gang. Aber lange vor dieser Karriere spielte er als Jugendlicher auch als Pianist in einer Funkband - und das Klavier, das ist ihm auch solo ans Herz gewachsen: 2021 erschien mit “Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt” der Paukenschlag seiner Nebenkarriere, mit dem er 2023 dann auch am LIDO SOUNDS umjubelt gastierte. Da spielte er dann auch eine an die österreichische Innenpolitik angepasste Version seiner “Kunstfreiheit” mit Textzeilen über den früheren Wiener Bürgermeister Karl Lueger (ja, der mit der schiefen Statue um 770.000 Euro) und den ehemaligen österreichischen Witzekanzler Vizekanzler Heinz-Christian Strache.

Nun steht uns mit “Keine Angst” am 2. Oktober der Nachfolger ins Haus - ein “Debattenbeitrag zur Lage der Nation”, wie auch das vergangene Woche erschienene Titelstück beweist.

Und genau da bekam Danger Dan selbst die besungene Kunstfreiheit um die Ohren geschlagen: Denn eigentlich hätte das antifaschistische “Keine Angst” gemeinsam mit Igor Levit live in der ZDF Kabarettsendung “Die Anstalt” präsentiert werden sollen, aber der öffentlich-rechtliche TV-Sender hatte dann doch in letzter Minute ein Problem, obwohl die Anwälte bereits grünes Licht gegeben hatten.

Vorerst passierte diese Ausladung vom Intendanten Norbert Himmler, der laut eigener Aussage übrigens mit Namensvetter Heinrich “weder verwandt noch verschwägert” ist, ohne weitere Erklärung. Mittlerweile liegt ein Statement vor: Norbert Himmler räumt ein, dass man zu spät reagiert und abgesagt hatte. Aber er steht weiterhin zu seiner Meinung: In seinen Augen ist das antifaschistische Liedgut zumindest zwischen den Zeilen ein “Aufruf zur Gewalt”. Danger Dan hingegen sieht darin einen massiven Eingriff in die Meinungs-, aber eben auch in die Kunstfreiheit - und spricht gerade bei einem öffentlich-rechtlichen Sender von einem wahren Skandal. “Dass wir an dem Punkt angekommen sind, an dem eine ZDF-Intendanz autoritär in Sendungen eingreift, antifaschistisches Liedgut verbietet, das erschüttert uns und das nennt man nicht Demokratie, das ist ein autoritärer Akt.”

Florian Klenk, Chefredakteur von der (linken) Wochenzeitschrift Falter, steht “Keine Angst” auch kritisch gegenüber: “Dieses Lied von Danger Dan ist im Kern so deutsch und so autoritär dass man sich als Linker am liebsten selbst eingraben möchte vor Fremdscham. Aber ich bleibe trotz der Linken links.” (19. Juli, 18:11 Uhr). Wenig später der ausformulierte Nachschlag: “Diese schnulzig heruntergeklimperten Gewaltphantasien, diese Lust am Denunzieren, diese Freude am Terrorisieren, dieses Verlangen nach Selbstjustiz und dann noch die Grüße an die Hammerbande während die betroffe dreinblickenden Antifa-Streichorchester in Schwarz-Weiss fideln”, wettert er da auf Facebook (19. Juli, 19:13 Uhr). Und weiter: “Dieses Danger Dan Lied ist so autoritär spießig wie eine Klopapier-Rollen-Umhäkelung, eine Klofuß-Umpuschelung und ein Tischeimerchen in der Dresdner Frühstückspension. Ich würde als junger Linker sofort Jus inskribieren als Protest.”

Man mag als Linker, als Rechter, als Mitte zu dem Lied und zur Sache stehen, wie man will: Jedenfalls war die Albumpräsentation, die Anfang Dezember hierzulande in der Raiffeisen Halle im Gasometer über die Bühne geht, natürlich aufgrund des Lauffeuers im Medienecho umgehend ausverkauft. Aber man muss nicht verzagen: Gerade erst hat die diesjährige METAStadt-Saison angefangen, schon steht der erste Termin für 2027 fest: Danger Dan kommt kommenden Sommer in das malerische Backsteinareal in Transdanubien!

Und diese Ankündigung kommt - in Anbetracht der Nachrichtenlage - genau im richtigen Moment. Denn was wir jetzt brauchen ist kein Plädoyer für die Liebe oder halbgares Gesülze über Gemeinschaft. Es ist Zeit für Antifaschismus, radikale Kunst, für den Protest und für eine schonungslose Auseinandersetzung mit der Gegenwart, der Welt und uns selbst. Aber natürlich mit einer gewissen Nonchalance, diesem besonderen feinsinnigen Humor. Wir brauchen also Danger Dan. Das Klavier, die rote Bomberjacke, vor allem diese einmaligen Lieder und keine Angst.

Seine ganz spezielle Art von romantischem Agitprop-Chanson formuliert er nach der “Kunstfreiheit” nun auf “Keine Angst” in Vollendung aus, widersetzt sich der Versuchung des großen Boheis um aufgeblasene Orchester oder Chöre oder übertrieben viele Instrumente. Im Gegenteil: Es steht der Text, seine persönliche Verhandlung um die Zukunft der Welt im Fokus. Nicht nur die faschistische Gefahr, sondern natürlich auch die Liebe und der sogenannte Sinn des Lebens. “Keine Angst” ist ein stiller, dabei lauter Protest, der uns gemeinsam und mit Perspektive durch den Weg in eine Existenz mit Hoffnung führt.

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