Bild: Olof Grind
Diese Woche ist auf Spotify wieder viel passiert und unsere HEADLINER-Playlist ist um ein paar Songs stärker! Wie jede Woche haben wir uns durch ganz viel neue Musik durchgehört und haben für euch das Beste herauskristallisiert und schön kompakt zusammengefasst, damit ihr die beste Musik immer auf eurem Handy dabeihabt! Ein paar ganz besondere Highlights aus der Spotify-Liste möchte ich aber gleich noch extra hervorheben: Denn es ist noch viel mehr passiert, als dass Phoebe Bridgers pünktlich zum Wochenende ihr neues Album - Trommelwirbel - “Lost Weekend” veröffentlicht hat: Wir mussten ganze sechs lange Jahre drauf warten!
Wie Taylor Swift, als deren “Indie-Version” Phoebe Bridgers schon bezeichnet wurde, tauchen wir auch auf ihrem Album ein in eine Vielzahl an spielerisch-selbstironische Texte: Da gibt es etwa den Song “Bobby”, der ihrem Freund, dem Comedian Bo Burnham gewidmet ist - und sie sich selbst fragt, was eigentlich aus ihren Vibratoren wird, wenn man in einer sexuell erfüllten Beziehung steckt? “We've got stars on the ceiling and clothes on the floor, and a thing in a box I don't fuck anymore”, säuselt sie da. “Bobby” ist auch das rockigste Stück am Album, denn Phoebe Bridgers hat hierauf die Synthesizer-Klänge für sich entdeckt, und auch Folk und Country treten diesmal stärker hervor als zuvor. Dafür verantwortlich zeichnet - Brückenschlag! - Jack Antonoff, der auch langjähriger Kreativpartner von Taylor Swift ist. Aber Phoebe Bridgers erzählt nicht nur davon, dass ihr Freund Bo im Bett alles richtig macht, es gibt auch einen Seitenhieb an ihren Ex, den Schauspieler Paul Mescal: In “The Governor's Waltz” heißt es über seine neue Freundin, “She can pretend to be me, since she took my place in the bed.” Gemeint ist damit übrigens Gracie Abrams, die erst zuletzt mit “Daughter From Hell2 ebenfalls ein fantastisches Album vorgelegt hat. Aber wir sind nicht hier, um Gossip zu wälzen: ”Lost Weekend" ist ein großartiges Album, mit schönen Worten und tollen Klängen.
Tolle Klänge kommen allerdings auch aus Australien: Grace Cummings, der extravaganteste Pop-Export von Down Under, schenkt uns heute ihr neues Album “Bloodhorse!”: Sie begannt 2019 als Alternative-Folk-Artist, inzwischen ist sie viel mehr, glitzert in jedem ihrer Töne und ist mühelos in der Lage, abertausend Emotionen mit ihrer Stimme auszudrücken. Das klingt dann bombastisch und pathetisch, mal nach Soul-Rock und mal nach opulenten Orchesterklängen: Da kann man nur staunen und halluzinieren, denn bei Grace Cummings, da kann man die Töne wahrlich sehen, wenn sie ihre surrealen Szenarien erbaut!
Und schließlich wäre da noch James Blunt, der uns heute mit “Tastes Like Summer” seine neue Single - und zugleich einen weiteren schönen Soundtrack für den Sommer kredenzt: Klanglich knüpft er hier an die Bands der Neunziger und Nullerjahre an, die ihn ursprünlich zur Musik brachten - darunter Coldplay und Pulp!
Aber nicht nur die beiden Damen haben neue Alben, nicht nur James Blunt hat Sonnenstrahlen für uns: Denn bei Jungle bekommen wir gleich beides zusammen! “Sunshine” heißt das neue Album des britischen Trios, die über elf Songs hinweg unser Herz mit ihrem charakteristischen Mix aus Soul, Disco, Hip-Hop und Electro erfreuen. Es geht um Hoffnung, Verbindung, Akzeptanz und den Glauben daran, dass bessere Tage vor einem liegen. Na, dann wollen wir einmal daran glauben!
Neu ist auch das Album “Bildet Banden” von Marlo Grosshardt: Er hat sich in wenigen Jahren vom Hamburger Nachwuchsmusiker zum politischen Sprachrohr einer jungen Generation entwickelt. “Bildet Banden” ist nach “Ein letztes Liebeslied” und “Mut” sein drittes Album, auf dem er nun seine Wut und Verunsicherung angesichts von Rechtsruck, Krieg und gesellschaftlicher Polarisierung verarbeitet – und politische Kompromisslosigkeit mit großen Pop-Momenten verbindet.
Danger Dan kann nicht nur über Kunstfreiheit und Rechtsradikalismus philosophieren: In seinem neuesten Song “Dass es hier so schön ist” verarbeitet er nämlich einen persönlichen Schicksalsschlag. Er leiden nämlich unter einer erblichen Augenerkrankung, die sein Sehvermögen schwinden lässt. Dennoch äußert er die Hoffnung, zumindest “noch einige Jahre” genug sehen zu können, “um die Klaviatur zu finden”. Das wünschen wir ihm freilich auch!
Ikkimel, die Queen des “Fotzenrap”, hat ja schon einige geile Features gehabt: Mit Money Boy, mit unserem Bibiza ("Galopp!") und auch mit Ski Aggu ("Deutschland"). Und nun vergnügt sie sich auf dem neuen Song “Miss Universe” mit dem estnischen Rapper Tommy Cash - ihr erster internationaler “Ausflug”, wurde Tommy Cash doch mit seinem ESC-Beitrag “Espresso Macchiato” vergangenes Jahr in Basel gar Dritter! In dem Sinne: “Wir wollen feiern! Party, Party, Party, Pa-pa-party!”
Bleiben wir gleich noch beim ESC: In seiner neuen Single “Runterspülen” zeigt sich unser ESC-Kandidat Cosmó von einer ganz neuen, emotionalen Seite. Die Klavier-Power-Ballade handelt von der Beziehung zu einem Menschen, der seinen Schmerz hinter einem Lächeln versteckt und versucht, nach außen hin zu funktionieren. Cosmós Erkenntnis: Erst wenn wir zulassen, dass es uns nicht gut geht, können andere uns wirklich verstehen und füreinander da sein. Finden wir toll und wichtig!
Und schließlich hat auch der Nino aus Wien heute ein neues Album für uns, es heißt “Neubau Alone” und wirft für uns die Frage auf: Ist der Nino aus Wien nun der Bob Dylan aus Neubau? Denn da rauscht es, kratzt es und klingt, als sänge Wolfgang Ambros durch ein Walkie-Talkie mit schwacher Betterie, wenn der Nino zur Abwechslung mal ganz allein in Lo-Fi-Klängen schwelgt. Was ein Wasserrohrbruch, eine Krähenpfeife und Elvis damit zu tun haben, erfahrt ihr [an dieser Stelle]!