Bild: Chantik Photography by Sonja Schuringa
Kurz vor ihrem 35. Bandgeburtstag gehen die portugiesischen Dark-Metal-Ikonen Moonspell mit ihrem aktuellen Album “Far From God” auf “God Is A Vampire”-Tour - und treiben auch in der SIMMCity den Herrgott aus.
Wenn man über die dunkelsten und düstersten Metal-Bands der Geschichte spricht, kommt man an den Portugiesern Moonspell nicht vorbei: Seit Anfang der Neunziger reizen die Herren alle satanischen Klischees aus - und fahren damit auch ausgesprochen gut. Ab ihrem Erstling “Wolfheart” und Touren mit Legenden wie Tiamat und Morbid Angel 1995, sowie Samael und Type O Negative 1996 sind sie in aller Munde.
Seitdem ist nicht nur viel Wasser den Styx hinabgeflossen, nach Touren gemeinsam mit In Flames, Katatonia, Lacuna Coil, Amorphis, Cradle Of Filth, Opeth und vielen mehr wurden sie in ihrem heimatlichen Portugal 2010 für ihr Debütalbum sogar mit einer eigenen Briefmarke geehrt! Zurecht, denn auch wenn man nicht unähnlich zu Paradise Lost auch hie und da in Depeche-Mode-Gefilde abgetaucht ist, hat man bisher über sage und schreibe zwölf Alben immer wieder bewiesen, dass man für Qualität steht!
Insbesondere aus der letzten Zeit hervorzuheben ist da “1755” aus dem Jahre 2017 - ein Konzeptalbum über das große Erdbeben von Lissabon. Dass die Platte vollständig auf Portugiesisch eingesungen ist, passt da natürlich wie der Kirchensturz zum Allerheiligentag. Und auch im Folgejahr stand ihre Heimat ganz weit oben: “Lisboa Under The Spell” konservierte eine große Heimkehrshow, bei der sie ihre Meisterwerke “Wolfheart”, “Irreligious” und “Extinct” in drei Akten auf die Bühne stellten. Nicht unähnlich zu “Opus Diabolicum”, ihrem ersten großen Symphonic-Konzert, das im Oktober 2024 in der MEO Arena in Lissabon über die Bühne ging - auch hier war ihre Heimat in jedem der Töne verwurzelt.
Aber diesen Sommer stand - nach “Hermitage” vor fünf (!) Jahren - auch schon ihr unheilschwangeres dreizehntes Album, “Far From God” an. Auffallend: Obwohl man nun schon im 35. Bandjahr musiziert, haben Moonspell im Gegensatz zu einer Vielzahl an Kollegen ihre Würde und ihre Atmosphäre noch lang nicht auf dem Weg dahin verloren. “Far From God” ist mit dem Moonspell ureigenen Fado-Stolz definitiv kein Alterswerk oder gar routiniert geworden: vielmehr wälzt man sich auch auf “Far From God” schwer und dunkel, aber dabei durchaus erhaben entgegen dem katholischen Weihrauch.
Dass man an manchen Ecken und Enden ein bisschen zu viel vom HIM-Kitsch abkriegt ("Your Promise Of Light", “For The Love Of Mortals”) - geschenkt. Denn über weite Strecken ist “Far From God” genau das, was man von Moonspell erwartet: dramatisch, melodisch und atmosphärisch - und damit eine Reise durch die wohlige Dunkelheit. Es ist eine astreine Gruftie-Platte, die traumwanderlisch und stilsicher wie ein unsterblicher Blutsauger zwischen Neunziger-Gothic, Dark Wave und schwarzer Aura schwebt - dabei allerdings alles andere als verstaubt klingt: Es bedarf schon hoher Kunst, Musik nostalgisch und zugleich modern klingen zu lassen!
Diese wohlige Dunkelheit, die lassen sie nun gemeinsam mit IOTUNN aus Dänemark und von den Färöer-Inseln, sowie Todomal aus Spanien, kommendes Frühjahr über Europa wabern - darunter auch tief hinein in die Wiener SIMMCity. Ein exklusiv für die Tour entwickeltes neues Bühnendesign, eine aufwendige Licht-, Video- und Soundproduktion werden die düstere Atmosphäre von “Far From God” auf der Bühne zum Leben erwecken.
Zwischen dem Beginn eines neuen Kapitels und ihrem 35-jährigen Jubiläum bereiten Moonspell somit erneut eine gewaltige Show vor, die diesem besonderen Anlass gerecht werden soll: Ihre beiden zuvor angesprochenen Konzerte in Lissabon, aber auch “From Down Below - Live 80 Meters Deep” (2022), bei dem sie “Hermitage” live in den Grutas de Mira D’Aire, also tatsächlich 80 Meter unter der Erde, spielten, lassen erahnen, dass es Moonspell auch live weiterhin ernst meinen - und können. “Gemeinsam werden wir jene dunkle und nach dem Licht suchende Energie entfesseln, die sich durch unser aller Musik zieht”, versprechen Moonspell im Vorfeld. Wir sind uns verdammt sicher, dass sie dieses Versprechen auch halten werden!