Bild: Stefan Baumgartner
Michael Niavarani und Georg Hoanzl haben in ihrem Theater im Park unter den Platanen beim Belvedere erneut zahlreiche Highlights von Musik bis Kleinkunst versteckt, für Alt und Jung.
Es gibt da einen saukomischen Sketch, den sich ausnahmsweise nicht Michael Niavarani ausgedacht hat, sondern der große Loriot selig. Der Sketch heißt “Feierabend”. Ehemann Hermann sitzt da im Wohnzimmer im Lehnstuhl, während seine Frau Berta hinter ihm gschaftig herumwieselt und ihm zahlreiche Freizeitaktivitäten vorschlägt, die er doch zur Zerstreuung anstellen könnte. Und Hermann stets: “Ich will einfach nur hier sitzen.”
Tipp: Stermann & Grissemann lesen und spielen Loriots dramatische Werke in ganz Österreich, “Szenen einer Ehe” von Senta Berger & Friedrich von Thun gibt es Ende Juli im Rahmen der Festwochen Gmunden und bereits Ende Mai im Wiener Konzerthaus. Und auch Edi Jäger & Anita Köchl widmen sich Loriot: Am 19. Juni und am 8. November im Vindobona.
Szenen wie diese kennen wohl die meisten unter uns, aber speziell eben sein “Ich will einfach nur hier sitzen.” – und das daraus resultierende: “Ich will einfach nur den Moment genießen.” – könnte durchaus auch programmatisch für die siebte Saison des Theater im Park stehen, die nun erneut unter dem Belvedere und gesäumt von Platanen auf Wiens schönster Freiluftbühne anläuft, und das mit fast 130 Veranstaltungen zwischen Wienerlied und Klassik, Kabarett und Theater, Philosophie und Lesung.
“Zwischen den Hundstrümmerln, die uns Corona hinterlassen hat, ist das Theater im Park wie eine Blume entwachsen”, resümiert der große Ernst Molden anlässlich der Eröffnung der siebten Saison des Theater im Park - und spricht dabei pointiert wie eh und je. Denn tatsächlich war die Freiluftbühne im Garten der Familie Schwarzenberg, direkt unter dem Belvedere gelegen, in der Pandemie tatsächlich “nur” als Notlösung gedacht. Doch aus dieser Notlösung heraus entwickelte sich in den vergangenen Jahren ein unverzichtbarer Bestandteil des sommerlichen Kulturtreibens in der Bundeshauptstadt: Mit fast 195.000 Besucher*innen in der vergangenen Saison hat sich das Theater im Park mittlerweile prestigeträchtig zwischen den Bregenzer Festspielen und den Seefestspielen Mörbisch platziert - und das mit einem nicht nur diversen, spannenden Programm, sondern auch in einem Ambiente, das man in seinem Liebreiz für Geld eigentlich gar nicht kaufen kann.
Bilder Theater im Park: Adrian Rigele, Pascal Riesinger, Lukas Fassl, Marcus Seewald
130 Veranstaltungen von Mai bis September ist natürlich nicht nur eine Ansage - sondern trägt auch die allzu bekannte Qual der Wahl im Gepäck: Deswegen seien an dieser Stelle einige der Höhepunkte des diesjährigen “Sitzenwollens” im Theater im Park herauskristallisiert. Zuvorderst ist da natürlich der Hausherr Michael Niavarani selbst zu nennen, der nicht nur im Hintergrund vom Theater im Park, aber auch dem GLOBE WIEN und dem Simpl die Fäden in der Hand hat - sondern auch selbst auf der Bühne steht, und das gleich in drei Programmen!
Bereits am 22. Mai widmet sich Niavarani in “Homo Idioticus 2.0” endlich wieder dem Kabarett: Zeitgemäßer könnte es nicht sein, denn ein Blick ins Weltgeschehen beweist, dass hinter jedem Trottel ein noch größerer Trottel wartet …
Ab 13. Juni geht Niavaranis “göttlich römische Komödie” namens “Venus & Jupiter” in ihre nächste Spielzeit - ein allzu menschlicher Schabernack rund um Liebe und Eifersucht, in dem Nia unter anderem Jennifer Frankl und Otto Jaus zur Seite stehen.
Ebenfalls in die nächste Saison startet am 28. August Niavaranis Shakespeare-Adaption von “Sommernachtstraum”, die umjubelte Komödie mit Poltergeist, Elfen und Kobolden. Neben Nia erleben wir auf der Bühne u. a. auch Bernhard Murg!
Allerdings wird nicht nur Michael Niavarani höchstpersönlich für zahlreiche Lacher sorgen, neben ihm haben sich erneut zahlreiche weitere Kabarettisten und Kabarettistinnen angekündigt, die mit ihren pointierten Gesellschaftsanalysen unterhalten, aber auch hinterfragen machen. Exemplarisch seien an dieser Stelle - neben Michael Mittermeier, der nicht nur Wien eine neue Comedy-Bühne geschenkt hat, sondern bevor er mit seinem neuen Programm “Old Boy” 2027 durch Österreich tourt, im Theater im Park auch noch ein “Flashback”-Gastspiel gibt - drei davon erwähnt:
Viele vife Menschen weisen darauf seit Jahren hin: Wir haben es mit einer ausgewachsenen Krise der Männlichkeit zu tun. Berni Wagner stellt in seinem fünften Solo “Monster” nun eben diese fragile Männlichkeit bloß, die im Kampfsport ihr Heilmittel sucht …
Die überzeugte linke Aktivistin Toxische Pommes stürzt in “Wunschlos unglücklich” in eine tiefe Krise, ist sie doch unverhofft einem bürgerlichen Schicksal zum Opfer gefallen. Muss sie sich jetzt tatsächlich einen neuen Lebenssinn suchen?
Aber auch musikalisch ist die Bandbreite diesen Sommer im Theater im Park enorm und reicht von Austropop bis Operngala, sowohl mit internationalen Superstars wie Elina Garanca und Jonas Kaufmann, aber auch heimischen Größen von Ernst Molden bis Ankathie Koi, von Nino aus Wien bis Mnozil Bras. Mit vier besonders feinen Hommagen wird aber auch unseren verstorbenen Kapazundern gedacht …
Ernst Molden ist dabei ähnlich umtriebig wie Nia: Nicht nur, dass sein “Remassuri” auf Tour geht, im Park spielt er zudem mit Hans Theessink, Ursula Strauss, dem Frauenorchester und den Neuen Wiener Concert Schrammeln feat. Tini Kainrath!
Wolfgang Ambros muss im September den Park gleich doppelt bespielen, so groß ist der Andrang: Kein Wunder, seine “unplugged”-Zeitreise beweist dermaßen reduziert unglaublich viel Seele - weit über den obligatorischen “Zentralfriedhof” hinaus!
Namen wie Georg Danzer, Ludwig Hirsch, Hugo Wiener, Gerhard Bronner und Georg Kreisler gehören zum Kulturgut wie nur wenige andere: Und all ihnen wird mit speziellen Programmen im Park mehr als würdig Tribut gezollt - immer überaus poetisch.
Zwischen Gesprächen auf “roten Stühlen” und Live-Podcasts setzt man im Theater im Park auch heuer wieder auf gesellschaftlich relevanten Tiefgang: Denn nicht nur die Zerstreuung und Verlustigung allein sorgen für den nötigen Ausgleich vom Alltag. Auch hier seien wieder drei besonders spannende Momente exponiert:
Am 15. Juni wird sich im Park einer großen Frage gewidmet: “Ist Veganismus tot?” Beim Livepodcast von der Tageszeitung Der Standard wirft man einen sehr genauen, aber auch kritischen Blick auf den “Hype”, der vielleicht gar keiner ist?!
Florian Klenk - Chefredakteur der Wochenzeitung Falter - lädt gemeinsam mit Christian Reiter beziehungsweise Kabarettist Florian Scheuba gleich zu zwei Abenden zwischen Kriminalfällen und Gesellschaftsanalyse: Beides sind Talks, die seinesgleichen suchen!
Peter Filzmaier, vom ORF bekannter Politikwissenschaftlicher, erklärt nicht nur im Rahmen von “Der Professor und der Wolf” gemeinsam mit ORF-Anchorman Armin Wolf die Politik, sondern widmet sich in “Atemlos” auch seiner zweiten Leidenschaft: dem Sport.
Aber natürlich wird im Park auch an Familien gedacht: Eltern wissen, dass Kinder gerade in den Sommermonaten, wo Kindergarten oder Schule nicht für Spiel, Spaß und Spannung sorgen, noch mehr Unterhaltung als sonst nötig ist. Und deswegen gibt es auch heuer wieder einige spannende Produktionen, die speziell auf ein junges Publikum zugeschnitten sind!
Mit “Mogli - Das Dschungelbuch” der beliebten Kindertheater-Truppe teatro zieht nachmittags am 6. Juni und 22. August ein Abenteuer-Musical für Kinder ab fünf Jahren in den Park ein und erzählt mit ins Ohr gehenden Songs ein wahrlich großes Abenteuer!
Vormittags am 5. Juli und 13. September können dank der Science Busters Kinder ab 7 Jahren ihr Wissen erweitern: Wie fliegt man auf den Mars, warum und wann stinkt etwas und womit speien Drachen eigentlich Feuer? Spannender geht Wissenschaft kaum!
“Der kleine Prinz” ist vielleicht das bekannteste Kinderbuch - und ist dieses Jahr nicht nur im Rahmen der Festspiele Reichenau als Theaterstück zu erleben, sondern gastiert einmalig am Vormittag des 6. September auch im Park! Zauberhaft und fantastisch!
Alle Informationen zum GLOBE WIEN findet man [an dieser Stelle].