Bild: Daniel Weiskopf
DJ Ötzi ist der Meister des Stimmungsschlagers. Aber manchmal, da spielt er auch mit einer waschechten Blasmusik-Truppe, singt Depeche Mode, Kings Of Leon und Elvis. Oder er wäre lieber doch Skirennläufer: Öha!
“Öha”, so titelt das neue Album von DJ Ötzi, das diese Woche Freitag erscheint. In der Tat wartet der Entertainer aus dem Ötztal darauf mit einigen Überraschungen auf. So covert er “Just Can't Get Enough” von Depeche Mode und lässt “Sex On Fire” von Kings Of Leon mit Blasmusik kollidieren. Außerdem gibt es gemeinsam mit seiner Tochter Lisa-Marie gleich zwei Duette: Neben “Ein Licht” auch eine Neuinterpretation des Elvis-Klassikers “In The Ghetto”.
Im Interview gibt er sich nachdenklich: Er führt es ohne Mütze, was heißt, dass man mit dem ruhigen Gerry Friedle spricht. Erst mit Kopfbedeckung in Weiß wird aus ihm das freundliche Partymonster DJ Ötzi. Dieses bespielt längst nicht mehr nur Après-Ski-Happenings und Schlager-Arenen, wie etwa am 21. Juli in Mörbisch gemeinsam mit unter anderem Vicky Leandros und Andy Borg. Am 30. Juli tritt er gemeinsam mit der Woodstock Allstar Band vom Woodstock der Blasmusik im Rahmen von Klassik am Dom in Linz auf.
Nicht überall, aber bei uns im Ötztal schon. Aber wir sagen nicht “goi” wie ihr Oberösterreicher. Ich habe das Album so genannt, weil vieles darauf überraschend entstanden ist. So wie im Fall von “Tirol”: Ich habe vor 14 Jahren, als das zum ersten Mal erschienen ist, schon gewusst, dass das eine gute Nummer ist. Und jetzt ist sie nach so langer Zeit ein Riesen-Hit geworden. Das ist natürlich der absolute Öha-Effekt.
Ganz ehrlich, man kann sich viel erträumen, aber dass es so lange geht, da bin ich schon extrem dankbar. Mit dem rechnest du nicht. “Anton aus Tirol” war am Anfang gleich ein Monster-Hit. Ich habe aber schon mitgekriegt, dass die Kollegen und Mitbewerber gesagt haben: Der ist gleich wieder weg. Trotzdem habe ich so eine Karriere hingelegt. Ich habe mit “Hey Baby” als nächstes was ganz Anderes gemacht. Da musste ich mich durchsetzen. Meine ganzen Produzenten, die Plattenfirma und das Management wollten, dass ich im Stil von “Anton” weitermache. Ich wollte aber unbedingt “Hey Baby” singen, damit meine Fläche noch breiter wird. Heute rühmen sich alle mit diesem Erfolg, aber die wollten das damals nicht. Vier, fünf Monate musste ich dafür kämpfen. Und jetzt sind es 27 Jahre.
Ich glaube schon. Viele sagen, dass ich nur covere oder nur Après-Ski mache. Aber wenn ich mich mir meine Alben anhöre, dann höre ich etwas ganz Anderes. Da sind immer auch ein paar Nummern drauf, wo du denkst: Das passt jetzt nicht zum DJ Ötzi. Aber das bin dann halt ich als Gerry. Im Endeffekt ist es gut, solange die Leute reden. Wenn sie meinen Namen richtig schreiben, passt das schon.
Bereuen nicht. Der “Burger Dance” hätte vielleicht nicht sei müssen. Aber er war Nummer eins in Deutschland und die Kinder haben ihn abgefeiert.
Es gab schon auch Täler, aber die hat man nicht so mitgekriegt. Eine Karriere ist immer: Berg und Tal. Wie das Leben. Du musst es annehmen und dich ständig weiterentwickeln. Ich habe nie aufgegeben, an mir zu arbeiten.
Depeche Mode. Da bin ich ein großer Fan. 1991 bin ich mit einem Freund zu einem Konzert in South Central gepilgert. Zu der Zeit war Dave Gahan Jesus mit langen Haaren. Ein Wahnsinn! Bei “Sex On Fire” von Kings Of Leon wollte ich einfach diese Bläser reinbringen, weil es dann noch energetischer wird. Die Idee lag schon drei, vier Jahre am Tisch. Das ist ja kein Cover mehr, sondern schon eine Bearbeitung.
Ich habe noch keine Nummer von Zucchero gesungen. Das ist ein Traum von mir, ich würde am liebsten ein Duett mit ihm singen, weil ich seine Stimme so liebe. Zucchero höre ich wirklich jeden Tag.
Ich freue mich riesig drauf. Das letzte Konzert, das ich dort gesehen habe, war Zucchero. Ich hatte Tränen in den Augen. Ich werde mit den Bläsern von Woodstock der Blasmusik auftreten, das hat eine enorme Kraft.
Ich überlege mir schon immer, wie ich die Leute so triggern kann, dass sie gute Gedanken bekommen und sich nicht beeinflussen lassen davon, dass gerade die Welt untergeht. Ich frage mich oft: Wer schaut heute noch den anderen an? Wer nimmt noch den anderen wahr? Auf der Bühne ist mir wichtig, dass ich auch den Letzten hinten im Publikum noch sehe. Und ich gebe ihm ein Zeichen, dass ich ihn sehe. Irgendwie bekommen die meisten Menschen keine Wertschätzung mehr. Da will ich sie rausholen.
Social Media ist Segen und Fluch. Als Künstler kannst du zielorientiert deinem Fan einen Anker werfen. Und er bei dir, weil er sieht, was du gerade tust oder welche Gedanken du hast. Das finde ich eigentlich gut. Du musst zwar mehr von dir geben, aber es ist, wie es ist. Und es ist echt viel Arbeit, wenn man es konsequent betreibt.
Du hast vollkommen recht. Ich wäre gern Skifahrer und möchte die Hits, die ich schon gehabt habe, in Olympia-Goldmedaillen umwandeln. Die bleiben. Meine Hits bleiben auch, aber man muss als Sänger immer wieder was Neues bringen. Meinen Helden Franz Klammer hat im Prinzip die eine Kurve, die er 1976 besser als alle anderen gefahren ist, unsterblich gemacht.
Bei “Tirol” habe ich recht gehabt. Aber nicht zu der Zeit, wo ich die Nummer gemacht habe. Das hat halt länger gedauert. Als DJ habe ich schon ein Gespür bekommen. Ich wollte immer, dass die Leute gut drauf sind und die Tanzflächen voll. Auf dem neuen Album traue ich “Verdammt” zu, dass es ein Hit wird. Bei der Hook habe ich mich ein bisschen an den 80er-Song “Bette Davis Eyes” von Kim Carnes angelehnt. Aber es ist kein Cover, sondern eine eigene Nummer.
Du musst nicht perfekt sein. Jeder hat etwas Schönes an sich und jeder kann irgendwie singen. Man erkennt meine Stimme sofort. Das ist wichtig. Natürlich hätte ich am Kopf gern eine echte Matten, aber ich stehe zu dem, was ich habe. Ich finde mich trotzdem sexy. Lange habe ich sehr an mir gezweifelt, nur gezweifelt. Heute liebe ich mich weitaus mehr als je zuvor. Ich bin einfach eine coole Sau!
Wer dank DJ Ötzi jetzt neugierig geworden ist: Kings Of Leon spielen am 23. Juni in der Wiener Stadthalle D, Zucchero am 11., 14. und 16. Juni in der Wiener Stadthalle D, der Stadthalle Graz und der Olympiahalle in Innsbruck. Und “Klassik am Dom” ist nicht nur wegen DJ Ötzi weit aus mehr als “nur” Klassik: Von Rainhard Fendrich bis Tom Jones, von Meute bis Roy Bianco & Die Abbrunzati Boys ist das Programm ordentlich breit gefächert!