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Konzerte

Geadelt von Bob Dylan und mit einem Oscar: Glen Hansard in Wien

21.04.2026 von Stefan Baumgartner

Er wurde bereits von Bob Dylan und mit einem Oscar geadelt: Glen Hansard. Mit seiner neuen Werkschau "Don+t Settle - Transmissions East & West" im Gepäck gastiert der irische Songwriter auch in Wien.

Wenn man sich in meiner Bubble bewegt, dann sind die meisten Musikhörenden wahre Nerds, die die Hintergründe von Alben bis ins Detail aufdröseln - wo und mit wem es aufgenommen wurde und welche Features zu hören sind ist da noch das Harmloseste. Was wurde gesampelt, was zitiert, welche Einflüsse hört man heraus und wir verorten sich die neuen Lieder in der Künstler*innen-Biografie und im jeweiligen Zeitgeist? Für Otto Normal sind dies meist Zusatzinformationen von geringem Belang, was zählt ist, dass es gefällt.

Selten aber doch sind die Umstände dann doch so speziell, dass sie erwähnenswert geraten - so auch beim neuen Doppelalbum des irischen Songwriters Glen Hansard, das in “Transmissions East” und “Transmission West” gegliedert ist: Der erste Teil erscheint diese Woche Freitag, der zweite folgt im Jahresverlauf.

Denn inspiriert wurde die ausgedehnte Werkschau, die hierauf zu hören ist, von einem denkwürdigen Abend im Sommer 2024 in Den Haag: Hansard und seine Band spielten unter freiem Himmel, als plötzlich - als hätte es das dritte Stück des Abends, “Sure as the Rain”, heraufbeschworen - ein heftiger Regen einsetzte und sie improvisieren mussten. “Die denkwürdigsten Konzerte sind die, bei denen die Natur einfach macht, was sie will - und man sich anpassen muss”, verrät der wettergeprüfte Ire - und lud damals kurzerhand das Publikum ein, auf der Bühne inmitten der Musiker Schutz zu suchen.

Diese Nähe wollte Hansard nun auch für die Nachwelt festhalten - und lud für einen Karriererückblick - von energetischen Rockepen bis hin zu hypnotischen Balladen - erst diesen April an zwei Abende ins Berliner Funkhaus, ein monumentales ehemaliges Rundfunkgebäude der DDR: “Ein echtes Geistergebäude”, zeigt sich Hansard begeistert - “architektonisch unglaublich, innen einfach wunderschön!” Und tatsächlich auch musikgeschichtlich über die DDR hinaus relevant: In den Tonstudios spielten A-ha, Sting und die Black Eyed Peas Alben ein, 2017 fand im Großen Aufnahmesaal der Release des Depeche Mode-Albums “Spirit” statt.

Hier tauchte Hansard ein in seine eigene Biographie, ausgedehnt über 22 Songs - mit ebenso Stücken aus seinem Soloschaffen, wie auch Material von seinen vorherigen Projekten The Frames und The Swell Season mit Markéta Irglová: Vierzig Jahre Musikgeschichte, teils steinig und bewegt.

Aufgewachsen in den Hochhaussiedlungen im Norden Dublins geriet er (man mag beinah sagen: naturgemäß) früh auf Abwege. Mit zwölf Jahren änderte sich alles, als er eine Kassette mit Bob Dylans Hits geschenkt bekam. “Ich habe Autos gestohlen und mit Alkohol und Drogen herumexperimentiert”, erzählt er. “Dann entdeckte ich Dylan - und die Gitarre meines Onkels für mich.” Musik habe ihn gerettet, sagt Hansard - auch wenn ihn die Schule weiterhin selten bis gar nicht sah und er sich bereits früh als Straßenmusiker in Dublin verdient machte. Daraus entstanden 1989 The Frames, und 1993 platzte tatsächlich niemand Geringerer als Bob Dylan selbst unangekündigt in deren Proberaum rein und lud sie als Support nach London, zu einem seiner Konzerte im Hammersmith Apollo ein.

Parallel dazu erlangte Hansard Bekanntheit durch seine Rolle im Film “Die Commitments” (1991), 2007 sollte seine Frühgeschichte mit Cillian Murphy ("Peaky Blinders", “Oppenheimer”) in der Hauptrolle und unter dem Titel “Once” verfilmt werden - doch Hansard übernahm schließlich selbst die Hauptrolle. Gemeinsam mit Markéta Irglová schrieb er auch das Titelstück “Fallin Slowly”, das mit einem Oscar bedacht wurde: “Als wir den Oscar gewannen, rief Dylan an”, erzählt Hansard. “Er sagte nur: ‘Gut gemacht.’”

Seit 2012 ist Hansard solo aktiv - bisher erschienen fünf Alben, die nun neben seinem Frühwerk mit The Frames und seinem Schaffen mit Irglová bei The Swell Season den Weg für die “Transmissions” ebneten - einem Doppel-Werk, das weniger Best-of als vielmehr ein Panorama seines Schaffens darstellt. Neben Stücken wie dem auf dem Werner-Herzog-Film basierenden “Fitzcarraldo” finden sich Neuinterpretationen aus “Once”, sowie traditionelle Songs wie “Carrickfergus”. Ein persönlicher Höhepunkt ist für Hansard die Liveversion von “Back Broke”, bei der das Publikum mitsingt: “Das hatte für mich immer etwas von altem Europa – und wir waren in Ostberlin. Das hat mir Gänsehaut gegeben.”

Man darf nicht nur gespannt sein, welche Stücke am zweiten Teil zu hören sein werden: Gegebenenfalls auch sein Pete Seeger-Cover “Passing Through”, während seine Interpretation von Dylans “You Ain't Goin' Nowhere” (für den Film “Im Not There”) in Berlin ja leider nicht gespielt wurde. Ebenfalls gespannt darf man sein, ob ihm sein Auftritt in wenigen Wochen im Gasometer ebenfalls eine Gänsehaut bereiten wird …


Live-Termine


Glen Hansard

11. Mai 2026 | Wien, Raiffeisen Halle im Gasometer


Infos auf dem Stand vom 21.04.2026  

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