Bild: Sean Paul
Während “Scrubs” und “Malcolm mittendrin” - zwei der bekanntesten Sitcoms aus den Nullerjahren - ein Revival feiern, laden Sean Paul, Flo Rida, Ne-Ye und Akon zu einer musikalischen Zeitreise ins entsprechende Jahrzehnt.
Wer aktuell beim mäuseohrigen Streaming-Dienst zappt, fühlt sich vielleicht wieder zwanzig Jahre jünger: Bereits im März kam die Ärzteserie “Scrubs” mit einem Reboot wieder zurück, seit April gibt es auch neue Folgen der Sitcom “Malcolm mittendrin” mit dem späteren “Breaking Bad”-Star Bryan Cranston zu sehen.
Grübel, grübel und studier (um die Erste Allgemeine Verunsicherung zu zitieren): Was war in den Nullerjahren noch so los? Es gab einen Riesenrummel rund um “Harry Potter” und “Der Herr der Ringe”, Myspace und Facebook kündigten die heute grassierende Social-Media-Abhängigkeit bereits an, der erste IPod und die ersten MP3-Player kamen auf den Markt und DVD-Spieler lösten den VHS-Videorekorder ab.
Metallica gingen gegen Napster vor, Eminem war der erfolgreichste Künstler der Jahrzehnts, neben Nu Metal (Korn, Linkin Park), Dark Rock (HIM, Tokio Hotel), Pop-Punk (Avril Lavigne) und Hip-Hop (Sido) waren vor allem Black Music-Stile wie RnB und Soul populär wie nie - mit Namen von Jennifer Lopez bis zu den Söhnen Mannheims. Ab der zweiten Jahrhunderthälfte wurde aber auch ein Musikstil in Kontinentaleuropa immer moderner, der aus dem Reggae kommt: Dancehall. Sogar deutschsprachige Künstler und Bands wie Seeed, Gentleman und Mono & Nikitaman entdeckten die tanzbaren Riddims und Sprechgesang für sich.
In den Nullerjahren lief insbesondere ein Song allerorten, “Get Busy” von Sean Paul. Er wurde tatsächlich auf Jamaika, der Wiege des Reggae geboren - mit portugiesischen, afrikanischen und chinesischen Vorfahren. Deswegen besaß er ein für Jamaikaner ungewöhnliches Aussehen, wofür er als Kind gehänselt wurde. Dem setzte er den selbstverliehenen Namen “Copper Color Chinese Bwoy” ("kupferfarbener Chinesenjunge") entgegen - und fand, bevor er in die Welt der Musik eintauchte, im Sport seinen Ausgleich. Ein Keyboard zum 15. Geburtstag und (natürlich) Bob Marley veränderte seine Welt, bereits mit seinem ersten Album “Stage One” (200) gelang ihm ein weltweiter Erfolg, der Nachfolger “Dutty Rock” (2002) - mit der “Get Busy”-Single - hielt sich sogar ein ganzes Jahr lang (!) in den deutschen Charts.
“Get Busy”, das steht bei Sean Paul auch über sein weiteres musikalisches Schaffen hinweg programmatisch im Fokus: Es geht um Party, Party, Party. Denn auch mit folgenden Hits wie “Got 2 Luv U”, “She Doesn’t Mind” und Club-Bangern wie “Temperature” und “No Lie” prägte er immer wieder die Charts und kultivierte einen globalen Sound zwischen Dancehall, Pop und Reggae, mit dem er Tanztempel, Festivals und Arenen gleichermaßen eroberte. Nahezu jedes seiner Alben wurde für einen Grammy in der Kategorie “Bestes Reggae Album” nominiert - zumindest bei “Dutty Rock” reichte es sogar für die Auszeichnung. Dass es da auch zu Features mit Beyoncé ("Baby Boy") und Dua Lipa ("No Lies") kam, ist wohl nur aufgelegt.
Auch ein viertel Jahrhundert später ist die Party bei Sean Paul nicht am Abebben: Mit karibischen Vibes bringt er in nur wenigen Wochen sein Hitfeuerwerk auch nach Wien - das erste Mal seit einem Jahrzehnt, denn da spielte er zuletzt am Wiener Donauinselfest!
Apropos Eminem: 2006 erschien mit “Smack That” der heute vielleicht größte Hit von Akon, einer wahren R'n'B-Größe aus New Jersey, der Beat stammt von Eminem persönlich. Dabei war Akon erst kurz davor - heute würde man sagen - "viral gegangen", und zwar mit seiner Single “Locked Up”, die von einem mehrjährigem Gefängnisaufenthalt inspiriert war. Der weitere Verlauf ist, wie es so schön heißt, Geschichte - 2009 gab es gemeinsam mit Madonna (!) einen Remix von “Celebrations”, 2018 hatte er einen Gastauftritt bei Bushidos “Unsterblichkeit”. Allerdings machte er nicht nur selbst musikalisch von sich reden: Bereits 2005 gründete er sein eigenes Musiklabel Konvict Muzik, eines der "Flagships" war kurzzeitig niemand Geringerer als Lady Gaga …
Während wir zumindest vorerst sowohl auf Lady Gaga als auch Madonna mit einem Gastspiel in Wien verzichten müssen, dürfen wir bereits in gut einem Monat zumindest ihn in der Wiener Stadthalle abfeiern - und zwar gemeinsam mit Ne-Yo: Ihre gemeinsame Tour “Nights Like This” vereint zwei Generationen, deren Kataloge das Nachtleben über zumindest zwei Jahrzehnte geprägt haben. Ne-Yo, ein amerikanischer Rapper und ein halbes Jahrzehnt jünger als sein Kollege, komponierte bereits früh für Giganten wie 50 Cent und Jamie Foxx - ihm selbst gelang mit der Ballade “So Sick” 2005 der Durchbruch, und war sogar bei Rihanna ("Unfaithful"), Beyoncé ("Irreplaceable"), Céline Dion (I've Got Nothing Left", “Incredible”) und sogar Sarah Connor ("Sexual Healing") zu hören.
Akon hatte aber neben den genannten Features auch eines mit dem ebenfalls amerikanischen Rapper Flo Rida: “Available” - wie auch Ne-Yo mit “Be On You”. Bereits mit seiner Debütsingle “Low” brach Flo Rida aber bereits 2007 Download-Rekorde, heute gilt er als einer der best verkaufenden Künstler seiner Zunft - und vertrat sogar San Marino 2021 beim Eurovision Song Contest 2021 in Rotterdam.
Banger wie “Right Round”, “Club Can't Handle Me”, “Good Feeling”, “Wild Ones”, “Whistle”, “I Cry” und “G.D.F.R.” sind aus dem Nullerkosmos kaum wegzudenken, und insbesondere sein Debütalbum “Mail On Sunday” mit Features von Timbaland und will.i.am zählt wohl zu einem der prägendsten des Jahrzehnts. Kein Wunder, dass auch er bereits früh in seiner Karriere mit Madonna ("4 Minutes") und Lady Gaga ("The Fame", “Starstruck”) zusammenarbeitete, später auch mit David Guetta, Nicki Minaj, Jennifer Lopez und Pitbull ("Greenlight").
“Club Can't Handle” heißt seine Tour, die Flo Rida im Juni ebenfalls in die Wiener Stadthalle führt - und der Tourneetitel ist bei diesem Sammelsurium an Dancefloor-Krachern wahrlich nicht zu groß gegriffen: Freaky Deaky!