Bild: Pogos Empire
Nach seinem Ausflug in die Welt der Politik kehrt Turbobier-Mastermind Marco Pogo auf die Bühne zurück. In seinem neuen Soloprogramm “Lost & Found” erzählt er Geschichten vom Gefühl des Verlorenseins und von der Freude des Wiederfindens. Und so nebenbei stellt er die erste Mondlandung infrage.
In den vergangenen Jahren sorgte Marco Pogo unter seinem bürgerlichen Namen Dr. Dominik Wlazny für Schlagzeilen abseits der Unterhaltungsszene: Mit seiner Bierpartei (beziehungsweise BIER - siehe dazu das Interview an dieser Stelle) brachte er frischen Wind in die Innenpolitik, bei der Bundespräsidentschaftswahl 2022 erhielt der vermeintliche Spaßkandidat im ersten Wahlgang 8,3 Prozent der abgegebenen Stimmen – die drittmeisten der sieben Bewerber ums höchste Amt im Staat (und, nein, wir müssen hier nicht gendern).
Nach dem Ende seiner Politikkarriere konzentriert sich Marco Pogo wieder voll auf seine Rolle als Gschichtldrucker: Ab Jänner steht der “King of Simmering” mit seinem neuen Solo-Programm “Lost & Found” österreichweit auf der Bühne; im Sommer 2026 veröffentlicht er mit seiner Band Turbobier ein neues Album, Festival-Auftritte und eine Tour folgen.
Das stimmt natürlich: Jede Schachtel, jede Kiste, hat etwas für sich. Und so ist es auch im Leben. Deswegen habe ich den legendären Spruch von Forrest Gump zitiert: “Das Leben ist eine Schachtel Pralinen.” Für mich ist das Leben eine Schachtel, aus der man rausziehen kann, was immer man will. Man muss halt schauen, dass man mit allen Mitteln das Beste draus macht.
Ja, man muss immer in Vorleistung gehen. Und je mehr man an Erfahrungen in so eine Kiste gelegt hat, umso mehr Geschichten kann man dann herausziehen. Aber: Manchmal stellt das Leben Überraschungskisten für einen bereit. Für mein Publikum wird “Lost & Found” auf jeden Fall eine Überraschung: Man weiß nicht, was passiert!
Doch. Zum Glück hatte ich diesmal relativ viel Zeit, um mich vorzubereiten. Bei meinem ersten Programm “Gschichtldrucker” habe ich mich auf die Bühne gestellt und einfach begonnen zu reden - obwohl ich relativ wenig Tau davon hatte, was es bedeutet, eineinhalb Stunden durchzureden. Es war für mich am Anfang selbst ziemlich erstaunlich, wie anstrengend das ist.
Weil ich erzählen konnte, ohne viel nachzudenken. Es ist, wie bei allen anderen Dingen im Leben: Wenn du authentisch bist und echte, wahre Geschichten erzählst, dann musst du dir nichts einfallen lassen. Und du vergisst deinen Text nicht so schnell. Da gibt es einen ganz schlauen Spruch dazu: “Wer immer die Wahrheit sagt, muss niemals lügen.” Oder so ähnlich. Nein, so: “Wer immer die Wahrheit sagt, muss sich seine Lügen nicht merken.”
Ja, es ist ein Sammelsurium an Anekdoten, die mir in den letzten zwei Jahren eingefallen beziehungsweise aufgefallen sind. Der Vorteil ist: Je authentischer Geschichten sind, desto weniger muss man dazu erfinden.
Das Programm hat tatsächlich einen roten Faden: Ich bin nicht besonders gut im Planen. Vor allem in Sachen Reiseplanung bin ich komplett unfähig. Nicht, weil ich zu blöd dafür wäre, sondern weil ich das immer nur so nebenbei mache. Ich mache solche Sachen aber nicht einmal nur mit halbem Hirn, sondern maximal mit einem Viertel Hirn. Und das führt dann dazu, dass ich manchmal ziemlich verloren in der Gegend herumstehe, also wortwörtlich “lost” bin.
Ich habe mich einmal um einen Monat vertan und war plötzlich vier Wochen zu früh in Norwegen. Aber was soll ich vier Wochen in Norwegen? Also habe ich umgedreht und bin zurückgeflogen. Beim Niederschreiben dieser Anekdote ist mir eingefallen, dass mir tatsächlich öfters solche Dinge passiert sind.
Nein, das habe ich ausgelagert. Zum Glück kümmert sich jemand darum, dass ich rechtzeitig und auf kürzestem Weg von A nach B komme. Wobei ich schon sagen möchte: Ich habe kein Aufmerksamkeitsdefizit. Doch ich kümmere mich halt um relativ viele verschiedene Dinge - und gerade die banalsten Kleinigkeiten, an die man am wenigsten denkt, gehen dann schief und ich stehe wieder da wie der letzte Depp.
Ich bin ein Mann Ende 30, da fühlt man sich generell recht oft “lost”. Ich stelle mir ja die Frage: Was ist der Sinn meines Lebens? In welche Richtung geht es weiter, was habe ich noch vor? Kaufe ich mir eine teure Siebträgermaschine für meinen Frühstückskaffee oder lasse ich das aus? Den eigenen Weg zu finden, wenn man schon so viel erlebt hat, ist gar nicht so einfach - vor allem, wenn so fulminant stürmische Zeiten auf einen niederprasseln.
Das Wiederfinden ist genauso Teil meines Lebens wie das Verlieren. Die vergangenen fünf, sechs Jahre waren ein wilder Ritt. Jetzt hatte ich endlich wieder ein bisschen Zeit, um das Krönchen zu richten und nachzudenken, was ich mit dem angebrochenen Nachmittag anstellen könnte. Und tatsächlich habe ich meine Liebe zu Auftritten auf der Bühne wiedergefunden.
Ganz egal! Als Musiker ist das Energielevel natürlich höher - aber dafür fühle ich mich als Sänger und Gitarrist so viel sicherer, dass ich wesentlich entspannter bin. Das geht so weit, dass ich mir selbst manchmal in Erinnerung rufen muss: “Oida, du spielst grad ein Konzert, denk jetzt nichts an Wäschewaschen!”
Wenn ich mit Turbobier auf der Bühne bin, teile ich die Aufmerksamkeit des Publikums mit meinen Kollegen. Wenn ich Geschichten erzähle, bin ich ganz allein, alles fokussiert sich auf mich. Der Applaus gehört mir allein, aber wenn etwas schief geht, bin ich auch ganz allein dafür verantwortlich.
Ich ermutige die Leute nicht bewusst dazu, und es ist nicht als Teil des Programms eingeplant. Aber sollte es passieren, dann wird es spannend. Ich mag es eigentlich ganz gern, wenn sich die Leute einbringen - weil ich spontan reagieren kann. Für mein Empfinden sind das sogar die lustigsten Momente eines Programms, wenn der Frontalvortrag durchs Publikum ein bisschen aufgelockert wird.
Ja, freilich. Ich habe so viel Energie in dieses Projekt gesteckt, dass mich die Erfahrungen wiederum zu dem Menschen gemacht haben, der ich heute bin. Wahlkampf in Wien, Wahlkampf zum Bundespräsidenten, Wahlkampf zu Nationalrat - das war eine irre Zeit mit einem viel zu hohen Tempo für eine einzelne Person. Und natürlich ist das Programm eine Möglichkeit, auf diese Zeit zurückzublicken.
Mir ist jedoch bewusst, dass es unterhaltsam sein muss. Niemand setzt sich 90 Minuten hin und hört sich das Geseier eines “Satire-Politikers” an. Aber ich werde einen lustigen Schwank vom Treffen mit dem Wiener Bürgermeister erzählen. Und auch, was es mit deinem Leben macht, bei Armin Wolf im ZiB2-Studio zu sitzen und als Bundespräsidentschaftskandidat zuzugeben, dass man schon einmal einen Joint geraucht hat.
Diese Verordnung ist großartig: Endlich werden die Leute davor bewahrt, in Glühbirnen zu beißen (lacht). Ansonsten: Größere thematische Entwicklungen kommen vor, gleichzeitig will ich nicht zu aktuell sein - sonst müsste ich das Programm alle paar Wochen umschreiben. Und ich will nicht zum permanenten Kommentator der Innenpolitik werden. Ich mache mir auf der Bühne aber schon auch ernsthafte Gedanken über die Demokratie - und über ein paar andere gesellschaftliche Themen.
Ich denke schon lang über die Mondlandung nach! Kann die Technik wirklich so weit gewesen sein, während wir noch Vierteltelefone hatten? (Anm. für jüngere Semester: Bis weit in die 1970er-Jahre teilten sich vier Haushalte eine Telefonleitung. Wenn eine Person telefonierte, waren die anderen drei Anschlüsse besetzt.) Sind die Amis wirklich 1969 auf den Mond geflogen - ein Jahr, bevor der Koffer mit Rollen erfunden wurde? Das waren so verloren gewesene Gedanken, die ich im Zuge des Schreibens wiedergefunden habe …
Zuerst muss ich schauen, dass mein Programm bis zur Premiere fertig wird, das ist ohnehin ein sportliches Vorhaben (lacht). Und vielleicht schreibe ich das Buch im Sommer - und dann gibt es auch noch den Film und die Eislaufrevue zum Programm. Oder irgendeinen anderen Blödsinn …
Am 1. Mai, also am Tag der Arbeit, wird unser neues Album erscheinen. Es heißt “Das Leben ist ein Oaschloch”. Mit O-A-S-C-H geschrieben, so richtig schön wienerisch. Ich freue mich, nächstes Jahr wieder mit der Band auf der Bühne zu stehen.