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Kabarett & Comedy

Homajon Sefat: Der Weg vom Dunkel ins Licht

06.03.2026 von Stefan Baumgartner

Jahrelang litt der Kabarettist Homajon Sefat an einer schweren Depression, davon erzählt er auch in seinem Mental-Health-Podcast “Café Depresso”. Nun feiert er zudem mit seinem neuen Programm “Romantik” ein Comeback auf die Bühne - und blickt endlich wieder mit Hoffnung hinaus in die Welt.

Der Kabarettist Homajon Sefat litt jahrelang im Stillen an einer Depression, an manchen Tagen war selbst der Weg aus dem Bett unüberwindbar. Doch wenn es drauf ankam, stand er trotzdem auf der Bühne – nicht nur als Sänger der Pop-Band Patiri Patau, sondern zuletzt auch 2022 mit seinem Programm “Rückenwind”.

Doch die negativen Gefühle holten ihn immer öfter ein, lagen steinschwer auf seiner Brust. Dazu kam die quälende Frage nach dem Warum: Immerhin hatte er alles, was er braucht – einen Job, einen Freundeskreis, ein Dach über dem Kopf. Dann endlich die erschütternde Diagnose: Depression, mal mittelgradig, mal schwer. Und das bei einem Menschen, der immer als der “witzige Typ von nebenan” gesehen wird? Wie kann das sein? “Nur eine Fassade”, erklärt Homajon Sefat im Interview: Gefühle sind komplex, umso mehr, wenn man den Umgang mit ihnen nie gelernt hat. Und damit steht er beileibe nicht allein da – wer von uns kann tatsächlich ehrlich behaupten, das innerliche Chaos vollends in Griff zu haben?

Doch langsam bekommt Homajon Sefat die eigene Diffusität in Griff – nicht nur mit seiner eigenen Gesprächstherapie, sondern auch mit seinem Mental-Health-Podcast “Café Depresso”, den er gemeinsam mit der Psychiaterin Katharina Stengl, die er in der Tagesklinik kennengelernt hatte, führt. Und nun feiert er auch auf der Bühne sein Comeback: “Romantik” heißt sein neues Programm, das in wenigen Tagen in der Wiener Kulisse Premiere feiert. Für “Romantik” hat Homajon Sefat das Rollo in seinem Schlafzimmer hochgezogen, lässt Tageslicht hinein und blickt endlich wieder hinaus in eine Welt, in der er allerorts sämtlichen Wirren zum Trotz ein Gleißen der Hoffnung aufblitzen sieht.

Beginnen wir am Anfang: “Romantik” ist dein Comeback nach einer Zeit schwerer Depression, über die du auch in deinem Mental-Health-Podcast “Café Depresso” sprichst. Wie groß war die Überwindung, dieses hochpersönliche Thema öffentlich zu machen?

Es war ein Prozess. Bevor ich in Therapie gegangen bin, war Mental Health überhaupt kein Thema in meinem Leben. Es hat auch sehr lang gedauert, bis ich überhaupt Hilfe annehmen konnte – insbesondere das Buch „Du darfst nicht alles glauben, was du denkst“ von Kurt Krömer hat mir auf meinem Weg dahin sehr geholfen.

Meine Therapie und die Tagesklinik waren dann auch die Anhaltspunkte, wo ich gemerkt habe, ich stehe mit meinen Problemen nicht allein da. Ich dachte, wenn ich öffentlich darüber spreche, hilft das vielleicht anderen Leuten so wie mir das Buch von Krömer, sich früher Hilfe zu suchen – denen erspare ich jahrelanges Leid.

Eine weitere Intention war, dass ich wollte, dass man auch mich versteht – ich habe erlebt, dass es sehr schwierig ist zu verdeutlichen, was es überhaupt bedeutet, eine Depression zu haben, wenn man nicht einmal aus dem Bett aufstehen kann oder sogar Zähneputzen das Schwierigste auf der Welt ist. Da kommt dann gern einmal die Aussage, man sei faul oder solle sich einfach nur zusammenreißen und an die frische Luft spazieren gehen. Aber an Tagen der schweren Depression, da konnte ich mich nicht einmal von rechts nach links im Bett drehen, weil ich den Gedanken hatte, dass ich mich, wenn es links dann doch unbequemer ist, ich mich doch wieder nach rechts zurückdrehen muss.

In der Tagesklinik habe ich meine Podcast-Kollegin Katharina Stengl kennengelernt, sie ist eine Ärztin, die wirklich gut erklären kann – etwas, das viele Ärzte nicht können. Da ist der Gedanke zum Podcast dann in mir gereift – und wir merken: Es gibt Bedarf dafür. Ich denke, wir sollten generell offener über das Thema Depression reden – und vielleicht kann ich ein bisschen dazu beitragen.

“Ins Loch gefallen” bist du 2022, geschwelt haben dürfte die Depression jedoch gut ein Jahrzehnt, wie du erzählst. Wann und wie wurde dir klar, dass du die Reißleine ziehen musst und es so nicht mehr weitergehen kann?

Ich habe sehr lang gedacht, dass ich ein melancholischer Mensch bin, ein Mensch, der einfach nur sehr gern schläft. Ich habe mir nie Gedanken darüber gemacht, obwohl ich immer so ein bisschen grundtraurig und nie wirklich fröhlich war. Zu dem damaligen Zeitpunkt hatte ich auch in einer Band gespielt und war unglaublich dünnhäutig – obwohl ich kein Mensch bin, der Konflikte sucht, sondern eher harmoniebedürftig ist. Aber ich habe ständig und wegen Nichtigkeiten mit meinen Bandkollegen einen Streit begonnen!

Auch bei meinem letzten Programm “Rückenwind” bin ich teilweise bei meinem Regisseur in der Küche gesessen und habe geweint, bei der Premiere quälte mich der Gedanke, wie ich mich nach meinem Auftritt gleich wieder verstecken kann. Aber auch davor schon hatte ich mir für den Schreibprozess eine Hütte im Burgenland gemietet – aber nichts vorangebracht: Ich bin dort einfach nur gesessen und hatte ein Gefühl wie einen Juckreiz in mir, den ich nicht erreichen konnte. Da war nur eine Traurigkeit, eine Antriebslosigkeit – also nicht ein Ereignis, das alles ausgelöst hat, sondern eine Verkettung.

Zwischen mir und der Welt war so etwas wie eine Milchglaswand, durch die man zwar durchsehen konnte, die aber verhindert hat mit der Welt da draußen zu interagieren – dabei wollte ich unbedingt etwas aus meinem Leben machen! Man hat ja nur eine Chance, es nicht zu vergeuden.

Seelische Gesundheit ist selbstverständlich ein Thema, das uns alle betrifft – Männer tun sich jedoch oft schwerer, über psychische Krisen zu sprechen. Kannst du das auch bei dir und in deinem Umfeld dingfest machen?

Ich habe bis vor kurzem nie vor einer Frau geweint, aber nicht, weil ich dachte, das sei unmännlich, sondern einfach, weil ich meine Gefühle überhaupt nicht spüren konnte. Ich glaube, wir in unserer Generation, haben nie gelernt, mit Gefühlen umzugehen, insbesondere, dass es auch in Ordnung ist, einmal traurig zu sein. Gefühle sind immer nur Besucher, die irgendwann einmal auch wieder gehen. Wenn man damit aber keinen Umgang gelernt hat, ist es schwierig, sich selbst zu spüren und das entsprechend auch zu artikulieren.

Aber du hast schon recht, mit meinen männlichen Freunden habe ich nie über Gefühle geredet – erst als ich eine mittlerweile gut befreundete Kabarettistin kennengelernt habe, habe ich gemerkt, dass man sich tatsächlich auch darüber unterhalten kann, ohne dass es peinlich ist oder man beurteilt wird. Ich dachte lange Zeit immer, dass wenn ich über meine Probleme rede, sie alles andere an mir überlagern und ich mein Umfeld damit belaste.

Ich will natürlich nicht alle Männer über einen Kamm scheren, aber ich glaube schon, dass dieses Rollenbild ziemlich festgefahren ist. Diese Rolle auch unbewusst einzunehmen, kann zu einer unglaublichen Frustration und in weiterer Folge natürlich auch zur Gewalt führen. Man müsste schon sehr früh, in der Schulzeit ansetzen, diese alten Rollenbilder, dass Männer nicht nur die „starken Provider“ sein müssen, aufzubrechen. Ich finde ja sogar, es ist ein Zeichen von Stärke, zu seiner Schwäche auch zu stehen: Eine Depression definiert keinen Menschen, sie ist kein Charakterzug, sondern eine Krankheit.

Es ist noch gar nicht so lang her, da hieß es bei Depressionen: “Anderen geht es schlimmer als dir”, oder “Lächle doch mal ein bisschen”. Das führt natürlich zu einem Schamgefühl. Heute wird eine depressive Stimmung mancherorts zudem als Modeerscheinung belächelt. Wieso ist die Psyche für die Allgemeinheit weniger greifbarer als beispielsweise ein gebrochener Arm – obwohl wir alle ja nicht nur Gliedmaßen, sondern eben auch Gefühle haben?

Es ist die Sichtbarkeit. Ich bin oft gefragt worden, wie ich depressiv sein kann, wenn ich eigentlich immer so lustig bin. Dabei war das natürlich nur eine Fassade.

Aber es ist natürlich auch eine gewisse Form von Ignoranz: Eine Depression ist nicht nur einfach eine „schlechte Laune“. Ich habe mir auch innerfamiliär den Vorwurf gefallen lassen müssen, dass ich meine Depression nur spiele, damit ich Aufmerksamkeit bekomme. Ich hätte über Jahre hinweg meine Therapeutin, meine Ärzte belügen müssen – wozu? Damit ich einen Podcast machen kann, der mir kein Geld einbringt? Dieser Vorwurf, der hat mich in dem Moment schon schwer getroffen. Zumal da auch stets mein eigener Gedanke war, dass es mir ja eigentlich gut geht, kein greifbarer Grund da ist, depressiv zu sein und ich niemandem einen Therapieplatz wegnehmen möchte, dem es wirklich schlecht geht.

Nicht zuletzt ist es aber auch ein gesellschaftliches Problem, wir leben in einer Gesellschaft, in der wir immer mehr leisten müssen. Natürlich kann man sich eine Zeitlang zusammenreißen, aber irgendwann kommt jede Verdrängung hoch. Auch wenn ich dich jetzt fragen würde, wie es dir geht, würdest du wohl mit “gut” antworten – aber geht es dir wirklich gut? Und will ich wirklich wissen, wie es dir geht? Das ist einfach nur eine Höflichkeitsfloskel, viel zu wenig Menschen interessiert wirklich, wie es ihren Mitmenschen geht. Vielleicht sollten wir uns gegenseitig mehr zuhören.

Was passiert mit dem Selbstbild, wenn man nach einem diffusen Unwohlgefühl dann plötzlich und unvermittelt eine derartig schwerwiegende Diagnose vor den Latz geknallt bekommt?

Als ich von meiner Therapeutin die Diagnose bekommen habe, war ich angepisst. Einfach nur angepisst. Ich weiß noch ganz genau, die Sitzung war noch gar nicht vorüber – aber ich bin einfach aufgestanden und gegangen. 

Angepisst auf die Therapeutin – oder auf dich?

Auf die Diagnose glaube ich. Ich hatte zuvor schon einige Tests machen lassen und gehofft, dass es vielleicht eine Schilddrüsenunterfunktion oder einfach ein Vitamin-D-Mangel ist. Die Diagnose einer “körperlichen Fehlfunktion” wäre mir, so blöd das klingt, lieber gewesen.

Erstmal war ich also diffus wütend, trotzig, dann supertraurig – aber irgendwann habe ich die Diagnose angenommen, weil ich zumindest eine Antwort auf meine Fragen hatte. Aber insgeheim ahnte ich es wohl ohnehin schon – emotional wollte ich es nicht wahrhaben, rational hat es Sinn gemacht und ich hatte wohl einfach nur Angst davor, dass das nun ewig dauert, bis ich mit einer Therapie aus diesem Loch wieder herauskomme. Und dass es viel Arbeit wird, ich vielleicht sogar Medikamente nehmen muss – gegen die ich mich lange gewehrt habe.

Aber dann kam auch ein Trotz: Ich wollte mir von einer Krankheit nicht mein Leben bestimmen lassen. Das war eine gute Triebfeder für mich – aber bis heute ist es harte Arbeit, vor allem wenn man mitbekommt, dass andere Menschen viel mehr Energie haben als man selbst. Da kommt dann auch eine Eifersucht ins Spiel. Glücklicherweise wird das Problem immer kleiner, weil man den Umgang damit lernt und depressive Momente auch nicht mehr so überraschend eintreten. 

In den USA gehört die wöchentliche Therapie fast schon zum Lifestyle – bei uns gilt sie noch immer als allerletzte Krisenmaßnahme. Sind uns die Amerikaner in Sachen Selbstfürsorge voraus?

Auf jeden Fall. In Amerika ist es sicher normalisierter, wenn man zum Psychiater geht und mit einem Therapeuten über seine Probleme redet. 

Gleichzeitig wird in den USA rasch medikamentös eingegriffen. Nachdem du dich lang dagegen gewehrt hast: Wie hast du das Zusammenspiel von Gesprächstherapie und medikamentöser Unterstützung erlebt?

Psychopharmaka sind immer ein Glücksspiel: Man muss erst einmal die Wirkung abwarten, muss schauen, ob sie überhaupt greifen und dann auch noch richtig eingestellt werden. Man braucht auch hier wieder: sehr viel Geduld. Aber als sie dann bei mir tatsächlich gegriffen haben, war diese innere Unruhe, dieses Gedankenkarussell weg. Plötzlich konnte ich abends, im Bett, einfach nur liegen und meine Gedanken zur Seite schieben. Das war schon eine tolle Befreiung, wenn du plötzlich Lebensqualität zurückgewinnst, du ruhiger und fokussierter wirst, dich wieder an Dingen erfreuen kannst. Biologische Faktoren wie einen Serotoninmangel kannst du mit einer Gesprächstherapie allein nicht in Griff bekommen. Meine Angst war nur, dass Psychopharmaka meine Persönlichkeit verändern.

Ich frage deswegen: Auch ich habe mich lang dagegen gewehrt, und natürlich haben auch bei mir die Psychopharmaka nicht gleich gegriffen. Aber vom ersten Moment an gab es einen Placebo-Effekt: Als ich haptisch ein Medikament schlucken musste, war für mich der Heilungsprozess tatsächlich greifbar.

Bei mir war das nicht so – vielleicht auch, weil ich nicht daran geglaubt habe. Allerdings reicht ab einer mittelgradigen Depression die Gesprächstherapie allein einfach nicht mehr aus, da braucht es eben auch eine medikamentöse Einstellung.

Nicht nur auf Medikamente muss man sich erst einstellen: Wie schwierig war es, die passende professionelle Unterstützung für die Gesprächstherapie zu finden?

Ich hatte mich da an den Verein für ambulante Psychotherapie gewandt und einige Telefonnummern von Therapeut*innen bekommen – allein das ist ja schon ein Wahnsinn, dass es dir elendig schlecht geht, du aber dennoch die Hürde von mehreren Telefonaten meistern musst. Bei den ersten drei Nummern bekam ich eine Absage und wollte schon fast drauf scheißen, weil ich keine Energie mehr hatte.

Bei der vierten Nummer hatte ich dann aber Glück und drei Monate später meinen ersten Termin – und da gleich das Gefühl, dass ich ernstgenommen werde, mir bei dem, was ich erzähle, auch tatsächlich zugehört wird. Es ist vielleicht auch meiner eigenen Lebenserfahrung geschuldet, dass ich zuvor immer das Empfinden hatte, dass meine Sorgen banal sind. Aber bei meiner Therapeutin hatte ich gleich den Eindruck, dass sie sie richtig einordnen kann.

Von Kabarettisten erwartet man gute Laune, zu jeder Zeit. Wie sorgst du – und das ist wohl der Teaser dazu, was in “Romantik” erzählt wird – im Alltag mittlerweile für deine seelische Gesundheit – speziell im Gegensatz zu "vorher"?

Ich hatte immer das Bedürfnis gehabt, wenn schon ich nicht wirklich glücklich bin, dass ich zumindest meine Mitmenschen zum Lachen bringen muss, weil das die Welt ein kleines Stück besser macht. Im Programm gibt es auch Witze über die Depression – allerdings ohne sie dabei ins Lächerliche zu ziehen.  

Humor ist also für dich auch privat eine Überlebensstrategie?

Absolut. Ohne Humor wäre ich gar nicht mehr da. Allerdings war es früher meine Strategie, durch Witz Trauer, Kränkungen und Enttäuschung zu überspielen – das habe ich mir abgewöhnt. Negative Gefühle muss man nicht ins Lächerliche ziehen, es ist nicht alles ein Witz, auch wenn Humor ein Ventil sein kann. 

Dem Kabarett wird gern eine heilsame Wirkung zugeschrieben, nicht nur, indem man Missstände anprangert, sondern das Publikum auch zum Lachen bringt. Bedenkst auch du deine Wirkungskraft?

Wie auch beim Podcast kann ich nicht in die Köpfe der Menschen reinschauen. Natürlich ist mir bewusst, dass mein Kabarett-Publikum in erster Linie zum Lachen kommt – Lachen ist auch das Authentischste, das kann man nur schwer vortäuschen. Da sind in einer Millisekunde für einen Moment die Sorgen weg. Aber ich will meinem Publikum keine Message reindrücken, auch wenn ich versuche, Missstände aufzuzeigen. Eine Diskriminierung aufgrund deines Geschlechtes, deiner Religion oder deiner Hautfarbe ist ja etwas Absurdes, etwas Primitives – weil im Enddefekt sind wir alle Menschen, die durch Musik und Humor verbunden sind, durch Musik vielleicht sogar noch mehr, weil sie auch ohne sprachliches Verständnis funktioniert. Aber auch gemeinsames Lachen, das mag doch jeder! Ich kenne niemanden der ernsthaft sagt: “Das Lächeln ist der Schmuck der Dummen!” (lacht)

Ich glaube, in Deutschland zahlt die Krankenkasse Betroffenen sogar Karten für Comedy-Vorstellungen. Das sollten wir hier in Österreich auch machen – und zwar nicht nur weil es gut für mein Geschäft wäre (lacht).

Im Pressetext zu “Romantik” kristallisierst du als Fundament für dein “Comeback” eine “rastlose Liebe zum Leben” heraus. Welche Strategien dafür hast du aus deiner Therapie mitgenommen?

Ich versuche sehr streng, mir einen guten Schlafrhythmus zuzulegen, was nicht immer ganz einfach ist, wenn man selbst Auftritte hat. Aber die letzten Wochen über war ich immer so zwischen 21 und 22 Uhr im Bett, ich gehe auch nur mehr in die Nachmittagsvorstellungen im Kino (lacht). Ab 19 Uhr schaue ich im Normalfall auch nicht mehr aufs Handy, sondern erst am nächsten Tag wieder – und ich versuche, immer so zwischen 6 und 7 Uhr aufzustehen. Ich merke gerade: Ich klinge schon fast wie ein alter Mann (lacht).

In meiner Therapie bin ich auch auf das Banalste der Welt gekommen: Ich könnte bei mir im Schlafzimmer morgens das Rollo hochziehen! Das habe ich mir früher gar nicht erst angetan, weil ich sie abends ohnehin wieder runterlassen muss. Das war ein klassisches Depressions-Denken. Heute mache ich es mir in der Früh erst einmal hell – das ist eine klassische Lichttherapie, da geht es einem gleich besser. Und wenn das Wetter einmal schlecht ist, dann hilft mir eine Tageslichtlampe.

Self-Care ist schon etwas sehr Wichtiges geworden, ich sage auch nicht mehr alles zu: Früher hatte ich schon ein richtiges FOMO, aber mittlerweile gehe ich nicht mehr auf alle Partys und muss auch nicht immer der Letzte sein, der wieder heimgeht. Ich bin also generell viel selektiver geworden mit dem, was ich mit meiner Lebenszeit anstelle – und wenn ich wirklich Zeit für mich brauche, dann bleibe ich auch wirklich zuhause und lese vielleicht einfach nur ein Buch.

Weil du gerade dein Handy angesprochen hast: Social Media lebt von Vergleich, Zuspitzung und Dauerpräsenz – allesamt etwas, das die Lebenszufriedenheit beeinträchtigen kann. Wie gehst du mit Social Media um?

Würde ich Social Media nicht beruflich brauchen, würde ich es gar nicht verwenden. Aber ich vergleiche mich nicht mit anderen Menschen – das war früher anders, nicht nur auf Social Media: Da habe ich mich schon mit meinen Kabarett-Kollegen verglichen. Aber mittlerweile empfinde ich sie nicht mehr als Konkurrenz – jede und jeder hat seine Berechtigung: Jeder Mensch kann sich heute Thomas Stipsits, morgen Lukas Resetarits, übermorgen Sonja Pikart, Thomas Maurer oder BlöZinger und vielleicht sogar Mario Barth anschauen. Wobei: Mario Barth muss man sich vielleicht wirklich nicht anschauen (lacht). Auch in der Musik gibt es ja Guilty Pleasures: Ich höre immer noch Limp Bizkit gerne – auch wenn das viele vielleicht mittlerweile peinlich finden. 

“Romantik” lese ich als Liebesbekenntnis zum Leben, zu sich selbst und zu seinem Umfeld. Doch gerade im digitalen Zeitalter krankt das Sozialleben oftmals: Wie sehr ist Vereinsamung für dich ein Thema?

Ich glaube, das ist ein großes gesellschaftspolitisches Thema. Das merkt man ja auch am Clubsterben – die Menschen gehen einfach nicht mehr weg. Natürlich gibt es dafür mehrere Gründe, aber das empfinde ich als schade, man lernt ja vor allem auch durch die Erfahrungen von anderen Menschen. Das macht uns aus, eigentlich sind wir ja soziale Wesen – und Social Media ist ja alles andere als sozial, das ist nur fake. Persönlich, im direkten Austausch, kann man seine Mitmenschen viel besser einordnen. Wir sollten einander wieder mehr zuhören und aufeinander zugehen und auch keine Angst davor haben, beurteilt zu werden. Es klingt jetzt vielleicht etwas philosophisch, aber grundsätzlich wollen wir wohl alle Harmonie.

Gutes Stichwort: Wie blickt man heute noch positiv grundgestimmt auf das Weltgeschehen, das beinahe täglich eine Hiobsbotschaft vor den Latz knallt – ohne dabei jedoch die Augen vor der Realität zu verschließen?

Tatsächlich bin ich vom Weltgeschehen gerade sehr betroffen, meine Familie kommt nämlich aus dem Iran und wir haben schon seit ein paar Tagen nichts mehr von meiner Tante gehört. Natürlich mache ich mir da schon Sorgen, die Welt ist gerade eine riesige Kloake, gesteuert von Psychopathen. Aber ohne Hoffnung wäre uns auch nicht mehr geholfen: Denn eigentlich hätten wir die Ressourcen, dass niemand auf der Welt leiden muss.

Als ich mit dem Kabarett angefangen habe, habe ich mich immer dagegen gewehrt, von einem Happy End zu erzählen, weil ich das nicht als authentisch empfunden habe. Aber später, in meiner Band, waren die Songs zwar auch immer trist und traurig, allerdings immer mit Lichtblick.

Mittlerweile möchte ich stets einen Funken Hoffnung in die Welt tragen – auch wenn sie gerade furchtbar ist. Wir, als Einzelpersonen, können nun einmal nicht alle Probleme lösen, wir müssen uns auf die Dinge fokussieren, die wir tatsächlich beeinflussen können: Sei es ein Lächeln in der U-Bahn oder ein Sozialprojekt, das man unterstützt – und oftmals reicht es schon aus, seinem Gegenüber zuzuhören. Man muss nicht immer einen Ratschlag parat haben. Im Kleinen fängt es an, für alle besser zu werden. Jeder von uns trägt ein gewisses Maß dazu bei. Immerhin heißt es schon bei “Knight Rider”: “One man can make a difference.”


Live-Termine


Homajon Sefat - "Romantik"

31. März 2026 | Wien, Kulisse


Infos auf dem Stand vom 06.03.2026  

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