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Bono Vox und U2 politisieren wieder

19.02.2026 von Stefan Baumgartner

Überraschend haben Bono Vox und U2 soeben ihre neue EP "Days Of Ash" veröffentlicht - eine Reaktion auf die aktuelle Weltpolitik. Fast möchte man sagen: Darauf haben wir gewartet!

Es gibt da diesen alten Witz, der geht so:

Bei einem U2-Konzert fing Bono an, langsam in die Hände zu klatschen, ungefähr alle zwei Sekunden. Das Publikum machte mit. Und Bono sagt: “Jedes Mal, wenn ich in die Hände klatsche, stirbt ein Kind in Afrika an Hunger." Daraufhin brüllt ein Typ in der ersten Reihe: “Dann hör doch verdammt nochmal auf!”

Natürlich ist mir bewusst, dass mich dafür U2-Fans am liebsten canceln würden - ebenso, wie mir bewusst ist, dass man darüber keine Witze macht. Aber dennoch verdeutlicht der Witz überaus treffend, dass U2 spätestens mit ihrem “War”-Album 1983 zu einem nicht nur musikalischen, sondern auch politischen Sprachrohr wurden. Insbesondere Sänger Bono Vox nutzt die Auftritte, um gesellschaftliche Themen zu kommentieren - während er sich abseits von der Bühne für Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit engagiert: Davor muss man natürlich den Hut ziehen, kann es nicht hoch genug schätzen!

Aber: Als Musikfan kann das Kuddelmuddel aus Politik, Pathos und - mittlerweile - Bombast-Rock schon einmal enervieren auch. Wer sich U2 live anschaut, der erkennt schon vom ersten Ton an, dass ihre Konzerte mehr politischen Anspruch haben als manch Parteitag oder Parlamentssitzung. Natürlich sind es immer hehre Hintergedanken, wenn die Iren mit antirassistischen und feministischen Botschaften ihr Publikum auf eine linksliberale Linie bringen. Das ist so richtig, wie es nur sein kann, aber zugleich auch problematisch: Konzertbühnen sollten nicht zu Plakatwänden verkommen, auf denen steht, was das Publikum zu tun und zu lassen hat. Danke, wir sind nämlich wegen der Musik gekommen!

Auch auf ihrer neuen EP “Days Of Ash”, die gestern überraschend und ohne Vorankündigung erschien, steht das Kommentieren der Weltpolitik im Fokus: Es gibt fünf neue Songs und ein Gedicht, die zugleich auch ein noch in diesem Jahr folgendes Album ankündigen. Als Gast auf “Yours Eternally” mit dabei sind Ed Sheeran und Taras Topolia.

Die neuen Stücke - “American Obituary”, “The Tears Of Things”, “Song Of The Future”, “Wildpeace”, “One Life At A Time” und eben “Yours Eternally” - sind, so erklärt der Pressetext, eine direkte Antwort auf das Weltgeschehen und inspiriert von "herausragenden Personen, die an vorderster Front für Freiheit kämpfen". So dreht sich “American Obituary” etwa natürlich um die schockierenden Momente in Minneapolis, als Renée Good am 7. November von einem ICE-Agent erschossen wurde, und “Song of The Future” erzählt von Sarina, ein 16-jähriges Schulmädchen aus dem Iran, das bei den Woman, Life, Freedom-Protesten 2022 teilnahm - Proteste, die unter anderem nicht nur den Tod von Sarina Esmailzadeh, sondern auch den Tod von Jina Mahsa Amini zur Folge hatte, weil sie zu Tode geprügelt wurden, weil sie kein Hijab trugen. In “One Life At A Time” erzählen U2 über Awdah Hathaleen, ein palästinensischer Vater von drei Kindern, der durch die Hand des israelischen Siedlers Yinon Levi seinen Tod fand, während im Track mit Ed Sheeran der Gesang nicht nur von Bono Vox, sondern auch von Taras Topolia kommt: Er ist ein ukrainischer Soldat und Sänger, den Bono und The Edge über Ed Sheeran in Kiew kennenlernten, als sie im Frühjahr 2022 die von Russland bombardierte Stadt besuchten. Zu “Yours Eternally” wird es auch eine Dokumentation des ukrainischen Filmemachers Ilya Mikhaylus geben, die am 24. Februar veröffentlicht wird - der vierte Jahrestag der russischen Invasion.

Begleitet wird die “Days Of Ash”-EP zudem vom “Propaganda”-Zine, das exakt vor 40 Jahren das erste Mal erschien. Die neue Ausgabe “Six Postcards From The Present … Wish We Weren't Here” hat 52 Seiten, inkludiert ist etwa ein Interview mit Mikhaylus und Topolia, sowie ein Q&A mit Bono. Die digitale Version ist [an dieser Stelle] verfügbar.


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Infos auf dem Stand vom 19.02.2026  

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