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Konzerte

Chris Norman is „living next door to Alice“

27.10.2025 von Stefan Baumgartner

Chris Norman, die legendäre Stimme von Smokie feiert seinen 75. Geburtstag – auch in Österreich, und mit neuem Album: “Lifelines” ist ein Rückblick auf 50 Jahre Rockgeschichte - schmelzende Herzen und feuchte Augen inklusive.

Wenn wir an britische Rockmusik und das prägende Jahrzehnt der wilden Siebziger denken, fallen einem natürlich zuvörderst Namen wie Led Zeppelin, The Rolling Stones, Queen, Pink Floyd, Uriah Heep, Genesis, The Who und Deep Purple ein. Sie alle haben Songs für die Ewigkeit geschrieben, Songs, die auch heute, über ein halbes Jahrzehnt später, noch jede*r kennt. Und sofern sie noch existieren, spielen die Helden von damals auch heute noch in den größten Hallen – zuletzt etwa Uriah Heep in der Raiffeisen Halle im Gasometer, und für die Stones dürfen wir wohl hoffentlich bald wieder das Happel-Stadion reservieren!

Die Rockmusik der Siebziger, sie ist heute also immer noch populär – obwohl natürlich seit ehedem auch musikalisch viel Gutes passiert ist: Das liegt natürlich am kulturellen Einfluss, den diese Bands damals hatten und der bis heute nachwirkt. Das liegt aber auch an der stilistischen Vielfalt, die von romantischen Schmuseballaden über sphärische Traumlandschaften bis hin zu knackigen Ohrwürmern reicht. Und nicht zuletzt an der gebündelten, beinah galoppierenden Energie, die bis heute das menschliche Bedürfnis nach Freiheit, Selbstverwirklichung und Individualität ausdrückt: Nicht alle Dinosaurier sind also ausgestorben!

Oft auf nur einen Song reduziert oder gar vergessen wird jedoch eine Band, die die Siebziger nicht minder geprägt hat: Smokie mit ihrem Hit „Living Next Door to Alice“.

Who the fuck is … Smokie?

„Who the fuck is Alice”, fragt Sänger Chris Norman in eben diesem Song – ein Song, der übrigens eine derartige Popularität erreicht hat, dass er sogar deutschsprachige Übersetzungen verpasst bekam – darunter von Howard Carpendale (live am 22. März in der Wiener Stadthalle D) und, leicht adaptiert, von Ulknudel Otto Waalkes (live am 17. September auf der Brunner Wiesn). Während aufmerksame Hörer*innen wissen, dass es sich bei Alice um die angeschmachtete Nachbarin handelt, ist es hingegen durchaus legitim nachzufragen, wer Smokie eigentlich ist: Denn im Gegensatz zu den heute auch noch populären Größen der Wilden Siebziger sind sie leider in der Versenkung verschwunden – was wohl auch daran liegen mag, dass ihre prägende Stimme die Band bereits Ende der Achtziger verließ und man seit ehedem nur sporadisch aktiv war, dabei nicht an die alten Erfolge anknüpfen konnte.

Dabei haben Smokie – damals noch unter dem Namen The Yen – schon als Schulfreunde zusammengefunden und erspielten sich bereits früh eine kleine Fangemeinde. Erste wirkliche Erfolge stellten sich jedoch erst ein, als sie mit dem berühmten Songwriter-Duo Nicky Chinn und Mike Chapman zusammenarbeiten begannen, ein Duo, das bereits für The Sweet (live am 2. Juli in der Burgarena Finkenstein) und Suzi Quatro (live am 5. Juli in der Burgarena Finkenstein) gearbeitet hatte. Sie schrieben dann auch „Living Next Door To Alice“ – allerdings bereits 1972 für New World, die Version von Smokie war also bereits eine Coverversion!

Mitte und Ende der Siebziger waren Smokie dann auch hierzulande in aller Munde, nicht nur mit dem „Fetenhit“ über Alice, sondern etwa auch mit „Lay Back in the Arms of Someone“, „Oh Carol“ und „Mexican Girl“. Die Pop-Presse der damaligen Zeit überhäufte sie zwar mit Preisen, darunter auch die Bravo, doch der kommerzielle Zenit war rasch wieder überschritten – und Smokie lösten sich 1982 auf, da jeder Einzelne es für das Beste hielt, sich anderen Projekten zu widmen – Norman hatte etwa bereits 1978 mit Suzi Quatro das fantastische Deutt „Stumblin‘ In“ veröffentlicht.

Doch schon drei Jahre später bringt ausgerechnet eine Tragödie Smokie wieder zusammen: Ein Benefizkonzert, bei dem die Band 1985 zugunsten der Opfer eines Brandunglücks im Fußballstadion von Bradford auftritt: ein Zuschauer hatte eine Zigarette in einer Polystyroltasse ausgedrückt, die Tasse fiel durch ein Loch zwischen den Tribünenstufen auf Abfälle, diese entzündeten sich und das Feuer breitete sich extrem schnell aus – smoking (nicht Smokie!) kills. Das Konzert war jedenfalls ein Riesenerfolg und Norman ließ Smokie in der altbewährten Besetzung in eine neue Ära durchstarten. Das zwar mit Erfolg, allerdings nur von kurzer Dauer: Norman stieg kurze Zeit später wieder aus, da sich seine Solokarriere (Stichwort „Midnight Lady“) als überaus erfolgreich erwies und sein volles Engagement erforderte.

Midnight Lady

In wechselnden Besetzungen machten Smokie zwar bis heute - 2026 sind sie etwa in München live zu sehen - weiter, und 2004 trat man in der „Comeback“-Show auf PRO7, die Chris Norman noch vor unter anderem Haddaway und Coolio (!) gewonnen hatte, nochmals in der Originalbesetzung auf – aber die wahren Erfolge feiert ihr ex-Sänger.

„Midnight Lady, just you and me, Midnight Lady, eternally", sang Norman 1986 in der Schimanski-„Tatort”-Folge „Der Tausch". Das Lied schlug ein wie eine Bombe, stand wochenlang an der Spitze der deutschen Charts und bescherte ihm seinen größten Soloerfolg. Das verwundert nicht weiter, stammt das Lied doch aus der Feder von Deutschlands Hit-auf-den-Körper-Schreiber Nummer Eins, Dieter Bohlen, “DSDS”-Schnauze und die eine Hälfte von Modern Talking.

Bohlen schrieb auch den nächsten Hit für Norman, erneut für einen „Tatort“ („Gebrochene Blüten“): Dem Erfolg zum Trotz hielt der Sänger „Broken Heroes“ allerdings für „Müll“. Nicht ganz unverständlich, zeigte sich Bohlen hierauf frustriert und resümierte in seiner Autobiografie „Nichts als die Wahrheit“ (2001), er hätte hierauf zu Norman gesagt, er „möge sich doch den Finger in den Hintern stecken und weghüpfen.“ Bohlen wie er leibt und lebt!

Norman ließ sich damals jedoch nicht beirren und feierte auch ohne Bohlen seine Erfolge – europaweit. 1995 kollaborierte er mit Cynthia Lennon, die erste Ehefrau des Beatles John Lennon, auf „Those Were the Days“ und „Walking in the Rain“, und spielte sogar im Kreml in Moskau (!), sowie 2000 in der Mongolei (!), wo sich 70.000 Zuschauer zu seinen Konzerten bemühten.

Lifelines

Heute lebt Norman nicht mehr „next door to Alice“, sondern mit seiner Frau Linda, die er bereits 1968 (!) bei einem Konzert kennenlernte, und seinen verbliebenen vier Kindern – sein Sohn Brian kam 2001 bei einem Motorradunfall ums Leben, ihm wurde das Album „Handmade“ gewidmet – auf Isle Of Man und feiert mittlerweile 75-jährig und nach über fünf Jahrzehnten Rockgeschichte nun seinen persönlichen musikalischen Rückblick: Pünktlich zu seinem Geburtstag vergangenen Samstag gab es die neue Single „Lifelines“ – der erste Vorgeschmack auf das gleichnamige Album, das kommenden März erscheinen wird: „Lifelines“ ist eine melancholische Ballade „über Erinnerungen und Erfahrungen aus meinem Leben und meiner Karriere. Im Grunde ist es ein Rückblick.“

Nach satten 55 Jahren im Showbusiness weiß Norman mittlerweile ganz genau, wo seine Stärken liegen. Der einstige Smokie-Frontmann, dessen Stimmfarbe in den Siebzigern mitverantwortlich dafür war, dass der Begriff Rockröhre salonfähig wurde, ist auch weiterhin nicht der Typ für Experimente, für ein Anbiedern an den gegenwärtigen Zeitgeist. Ganz im Gegenteil: Statt Beats aus der Konserve vertraut er auf Altbewährtes und Handgemachtes, Norman ist einer, der dafür sorgt, dass ganz bestimmte Erinnerungen niemals verblassen, sondern mit jeder neuen Veröffentlichung wieder geweckt und gefeiert werden. Ein paar mollige Akkorde auf der Akustikklampfe, knarzige Powerchords, tief im Blues verankert und warme Chöre: Norman klingt auch 50 Jahre später nur unwesentlich anders als das, was ihn damals, unter dem Smokie-Banner, so richtig groß werden ließ – und für schmelzende Herzen und feuchte Augen sorgte. 

Auf der „Lifelines“-Tour, die Norman nach zwei Konzerten diesen November in der Wiener Stadthalle 2026 dann auch in die Bundesländer führt, will er Songs aus allen Jahrzehnten seiner Karriere spielen. „Ich liebe die Auftritte, ich liebe es Musik zu machen“, schwärmt Norman. Und seine mitgewachsene, mitgealterte Fan-Schar schwärmt mit ihm.


Live-Termine


Chris Norman - "Original Voice of Smokie!"

29. Mai 2026 | Graz, Stadthalle
30. Mai 2026 | Linz, TipsArena
01. Juni 2026 | Salzburg, Salzburgarena


Infos auf dem Stand vom 27.10.2025  

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