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Konzerte

Cordoba78: die österreichischen AnnenMayKantereit

03.08.2026 von Stefan Baumgartner

Auf ihrem Debütalbum “Afterhour Kaltenbrunnen” packen Cordoba78, die österreichischen AnnenMayKantereit, Rausch und Kater, Wut und Liebe, Überforderung und Hoffnung in wunderbare 14 Songs.

Seit ihrer Gründung vor drei Jahren hat sich das Vorarlberger Quintett über zahlreiche Singles hinweg - von “Du weißt doch genau, dass ich immer nur an dich denk” bis “Warme Winter” - mittlerweile den Ruf erarbeitet, die österreichischen AnnenMayKantereit zu sein: von Haus aus schon einmal kein schlechter Vergleich. Andere wiederum bezeichnen sie als das bisher fehlende Bindeglied zwischen Wanda und Bilderbuch: Ebenfalls keine schlechten Bezugspunkte. Dabei stehen Cordoba78 aber durchaus auch für sich selbst, wie spätestens ihr nun erschienenes Debütalbum “Afterhour Kaltenbrunnen” beweist.

Wer beim Bandnamen - in Córdoba schoss die Österreichische Nationalmannschaft 1978 die damals amtierenden deutschen Weltmeister mit einem 2:3 ins Aus - meint, es handle sich bei Cordoba78 um eine Stadionband mit Schalala-Gesängen, der irrt jedoch (und wäre bei zum Beispiel AUT of ORDA besser aufgehoben): Denn mit Fußball selbst hat Cordoba78 dem Namen zum Trotz nur wenig zu tun, lediglich mit dem “dramatischen Geist eines legendären Moments”. Cordoba78 stehen für Emotionen - und das merkt man insbesondere bei ihren Livekonzerten: Denn die Jungs präsentieren sich dort als sehr euphorische und extrovertierte Truppe, haben sich zum Ziel gesetzt, ihrem stetig wachsenden Publikum das Gefühl zu vermitteln, auch einmal loslassen und die Zeit vergessen zu dürfen. “Ein Konzert von uns soll der Rahmen für Emotionen sein, wo man fühlt, lebt, wütend, traurig oder manchmal auch verzweifelt ist - aber all das in einem euphorischen Setting”, wie sie in einem Interview mit der Kronen Zeitung erklären.

Manche der Songs, die nun auf “Afterhour Kaltenbrunnen” erschienen sind, sind schon etwas älter, manche entstanden ganz frisch: Trotz dieser Grätsche wirkt das Album wie ein Gesamtkunstwerk, das eine Geschichte erzählt. Das angesprochene Kaltenbrunnen ist ein kleiner Ort im Vorarlberger Bregenzerwald, das nachgeschobene “Afterhour” beschreibt überaus bildlich das Leben der fünf Jungs, die nun in Wien ihre neue Heimat gefunden haben: Es geht um das Gefühl, wenn man nach einem Clubbesuch kurz bevor die Sonne aufgeht irgendwo noch zusammensitzt und über Gott und das Leben und die Welt philosophiert. Natürlich geht es da auch um Herzschmerz und Verzweiflung - aber immer mit dem Gefühl, dass die Welt trotzdem immer noch irgendwie geil ist.

Die Stücke sind - wie auch bei AnnenMayKantereit - sehr introspektiv und wirken menschlich, oder besser: zwischenmenschlich. Und natürlich haben manche der Songs - etwa “Der Himmel brennt” oder “Teufel auf dem Schoß” - auch eine politische Ebene: In Zeiten wie diesen ist es für Künstler auch wichtig, sich zu positionieren und seiner Bubble zu verdeutlichen, dass Meinungen und Gedanken auch immer eine Dominokette anstoßen. Wie sich die Welt für einen selbst anfühlt, geht nämlich auch über das direkte zwischenmenschliche Empfinden hinaus.

Dabei klingt die Welt, die Cordoba78 vor unserem Ohr aufbauen, manchmal auch ein klein wenig nach den Beatles, nach Blues und nach Jazz - es ist ein kunderbunter Mix, der Cordoba78 so einzigartig macht: Gerade dann, wenn vieles im Leben schlimm ist, braucht es Tanzmusik und Spaß, um nicht an der eigenen Existenz zu verzweifeln. Aber auch nicht nur einen reinen Eskapismus, sondern vielmehr das Gefühl von Freude als greifbarer Lebensmoment.

Ob Cordoba78 damit auch einmal - wie Wanda und Bilderbuch vor ihnen - zu einer derartigen heimischen Größe aufsteigen, dass sie auch die Wiener Stadthalle ausverkaufen, bleibt vorerst abzuwarten. Aber: Zu wünschen wäre es ihnen. Und auch ihren geneigten Besucher*innen: Denn desto mehr Menschen so wunderbare Momente wie die, die Cordoba78 erbauen, gemeinsam und gleichzeitig fühlen, umso besser wird auch die Welt da draußen. Es gilt jedenfalls: Cordoba78 muss man unbedingt nicht verpassen.


Live-Termine


Cordoba78 - "Muss ich unbedingt verpassen"

18. November 2026 | Graz, Postgarage
19. November 2026 | Salzburg, ARGEkultur
21. November 2026 | Linz, Posthof
25. November 2026 | Wien, WUK


Infos auf dem Stand vom 03.08.2026  

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