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Konzerte

Bilderbuch: Ihr zweites Mal im Flex war "insane"

17.08.2026 von Stefan Baumgartner

Bei ihrem zweiten Mini-Konzert im Flex am Donaukanal lieferten Bilderbuch vergangenen Freitag eine absolute Machtdemonstration: Besser geht’s nicht, das war absolut “insane”!

Erst zu Monatsanfang gab es für BiBu-Fans eine kleine Hiobsbotschaft: Zusammen mit der neuen und dritten Single “Zahlen als Beweis” musste man auch eine Verschiebung verlauten – ihr achtes Album “∞+1” wird nun nicht wie angekündigt am 18. September, sondern erst am 9. Oktober erscheinen. Buh!

Aber die Wiedergutmachung folgte unverzüglich, denn bei ihrer zweiten “öffentlichen Probe” im Wiener Flex vergangenen Freitag präsentierten sich Bilderbuch noch knackiger, noch eingespielter, noch energetischer – kurz: noch besser als bei der ersten Mini-Show vor einem Monat. Dabei dürfte es sich bereits rumgesprochen haben, auf welchem Level Bilderbuch sich aktuell befinden: Es wird wohl nicht ausschließlich an der diesmal fehlenden Konkurrenz – im Juli spielten taggleich die Foo Fighters im Happel auf – gelegen haben, dass es diesmal am Donaukanal deutlich hektischer zuging als zuletzt. Denn während Karten für die Show im Vorfeld erneut nur über eine Lotterie erhältlich waren, drängten sich diesmal vor dem Flex eine halbe Stunde vor Konzertbeginn eine Vielzahl an Personen mehr, die auf nicht abgeholte Restkarten hofften (und wohl reihenweise enttäuscht wurden). Und auch im Inneren, im Flex selbst, wirkte es gesteckter als noch im Juli: Die Vermutung liegt nahe, dass man diesmal einige Karten mehr verteilen musste, um dem Andrang Herr zu werden.

Bilderbuch live im Flex. Bilder: Stefan Baumgartner

Doch das schwitzige Dicht-an-Dicht tat der Stimmung keinen Abbruch, ganz im Gegenteil: Als Bilderbuch dann fast pünktlich kurz nach 23 Uhr und wie gehabt ohne anheizende Vorband die Bühne betraten, brauchte es nicht einmal ein Fingerschnippen von Sänger Maurice, um das Publikum steil gehen zu lassen. War ihr Live-Debüt vor einem Monat noch Vorstellung und Bewährungsprobe der neuen Gitarristin Uche Yara, die fortan Michael Krammer ersetzt, präsentierten sich Bilderbuch nun nicht nur hungrig und mit neuer Energie gesegnet, sondern bereits auch als Uhrwerk, als “Maschin”, die funktioniert.

Zugegeben, es war kein absolutes Neuland: Mit Bilderbuch auf der Bühne stand Uche Yara bereits vor der ersten “öffentlichen Probe” schon öfters. Als Support – ihr Debütalbum “Bodyscanner” erscheint im September – war sie bei der “Gelb ist das Feld”-Tour 2022 dabei, und bei zwei Shows im Happel-Stadion hat sie Bilderbuch als zusätzliche Live-Gitarristin unterstützt: Einmal, als diese Vorband der Rolling Stones waren, und einmal beim Solidaritätskonzert für die Ukraine. Dabei war sie noch vor wenigen Jahren, 2017, selbst “nur” Fan der Band: Damals hatte sie ein BiBu-Konzert in Linz besucht – und war im Anschluss wie geplättet. “Ich habe nie ganz verstanden, wieso Menschen bei Konzerten wie etwa denen von Justin Bieber heulen, aber damals war ich selbst so weit”, erzählte sie erst kürzlich FM4. Und dann eben der Switch vom Fan zum Teil der Band: Normalerweise ist das kein leichtes Unterfangen, aber bei Uche Yara und Bilderbuch greift ein Zahnrad ins andere – und während sie schon beim ersten Flex-Konzert haushoch umjubelt wurde, dürfte sie sich bereits jetzt, bei ihrem zweiten Einstand, als Publikumsliebling etabliert haben.

Als Multiinstrumentalistin im eigenen Bandkollektiv spielt Uche Yara Gitarre und Schlagzeug, singt – und schreibt natürlich ihre eigenen Songs: Bei Bilderbuch, im Flex, ist sie Gitarristin allein, wirkt mit ihren unter der ins Gesicht gezogen Kappe hervorquellenden Locken wie ein schlaksiger Slash. Immer, wenn sie – etwa beim schneidigen, breitbeinig wippenden Solieren – im Mittelpunkt steht, dröhnt hundertfacher Jubel aus dem Publikum gen Bühne. Als sie sich zur Mitte des Konzertes mit Maurice ausufernd an den Gitarren duelliert, will der Freudentaumel im Publikum gar nicht mehr abebben. Ohne, in die Kreativentscheidungen und Zukunftspläne von Bilderbuch forsch eingreifen zu wollen: Ich glaube, nicht nur in mir selbst keimt die Hoffnung auf, dass aus der “Live-Gitarristin” ein vollwertiges Bandmitglied wird, das sich hinkünftig auch am Songwriting beteiligen darf – es würde Bilderbuch guttun.

Denn natürlich beherrschen Maurice, Bassist Peter und Schlagzeuger Philipp (ein Herz an dieser Stelle auch für die tonnenschwere, solide Rhythmusfraktion!) ihren Katalog – aber ohne Verflossenen eine üble Nachrede andichten zu wollen, so, wie Uche Yara sowohl Klassiker wie “Bungalow” oder die “Maschin”, aber auch neue Songs wie das pumpende “Push Reality” interpretiert, ist einfach nur geil: Vielleicht braucht es manchmal wirklich einen Fan, der einer Band nochmals ordentlich den letzten Schub verleiht.

Apropos “neue Songs”: Im Juli startete man mit dem bis dato unveröffentlichten “Unterwasser” ins Set, zudem gab es auch die bereits bekannten Singles “Push Reality” und “Irgendwo”. Diesmal gab es überraschenderweise keine “Zahlen als Beweis”, dafür mit “Baby Junkie”, “Finstere Erleuchtung” und “Wahrscheinlich war es der Lippenstift” gleich drei weitere neue, unveröffentlichte Songs – in der etwas längeren Setlist – zu hören.

Gestrichen wurden dafür die beiden klassischen Banger “Spliff” und “Kitsch”, während “Digitales Wunder” nun den Weg ins Set fand. Das Fazit: Natürlich ist die “Maschin” übergroß. Und ganz ehrlich, auf “Zahlen als Beweis” konnte ich gut verzichten. Aber die drei Livedebüts bewiesen, dass es Bilderbuch auch im zwanzigsten Karrierejahr noch verstehen, Songs zu schreiben, die eine unikale Handschrift tragen, eingängig sind und schlichtweg euphorisieren. Und um das zu perzipieren, muss man kein naseweiser Musikjournalist sein: Einem Konzertbesucher, der mit weit aufgerissenen Augen (und Ohren) neben mir in der hüpfenden, tanzenden, schwitzenden Menge stand, entfleuchte mehrfach während der gut anderthalb Stunden ein grenzenlos entrücktes “Insane!”.


Am 11. September gibt’s dann nochmals – ein letztes Mal – die Chance, Bilderbuch in einem derart intimen Rahmen abzufeiern: Wie gehabt wird man sich ein, zwei Tage vor der Show für die Lotterie direkt auf der Bilderbuch-Seite anmelden können. Möglicherweise hören wir dann noch mehr neue Songs von “∞+1”?

Und dann geht's rasant weiter: Ab 25. September wird bei uns Uche Yaras “Bodyscanner” die Wartezeit auf Bilderbuchs “∞+1”, das am 9. Oktober erscheint, in Dauerrotation überbrücken. Uche Yara stellt hierauf ihr Debütalbum gleich zweimal in Wien live vor, ihre Show in der Arena am 5. November ist zwar bereits ausverkauft, aber am 16. Dezember hat man in der Grellen Forelle nochmals die Gelegenheit.

Jetzt müssen nur noch Bilderbuch nachlegen: Sie werden bei dem Andrang, bei dem gerechtfertigten Hype wohl spätestens im Herbst ihre ersten “normalen” Konzerte ankündigen müssen. Ob da dann ein einmaliger Abriss in der Wiener Stadthalle überhaupt noch ausreicht? Eigentlich würde auch nichts gegen eine mehrwöchige Residency in der Open-Air-Arena sprechen: Weil so übergroß, wie Bilderbuch aktuell ihre lässige Kunstwelt erbauen, ist die Luft nach oben hin eigentlich offen – und wir gieren nach einem guten Grund für “Daydrinking”.

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