Bild: Placebo
Kurz vor ihrem Jubiläumskonzert in der Wiener Stadthalle holen Placebo passenderweise für ihre neue Single “Helen Keller” auch eine 30 Jahre alte Melodie aus dem Keller …
Mit “Placebo RE:CREATED” erschien Mitte Juni eine überarbeitete Fassung jenes Albums, das Placebo 1996 schlagartig zu einer der eigenwilligsten Stimmen des Alternative Rock machte. Auch wenn man sich das Album heute wieder anhört, dann ist nicht nur ein möglicherweise grassierender Blur-Virus, sondern gar die hartnäckige Oasis-Infektion ratzfatz aus dem Organismus verschwunden und man erkennt, worin das Gegengift besteht: Nämlich ganz einfach aus wirklich kreativen, geilen, einzigartigen Songs. Statt nostalgischer Gitarrenromantik dominierten bei ihnen Themen wie Androgynität, Sucht und Entfremdung. Und das mit einer Offenheit, die im Mainstream damals noch selten war.
“Wir betrachten diese neue Version als eine Art Director’s Cut”, erklärte Brian Molko über die Neuvermessung ihres eigenen Ursprungs: Die zehn Originalsongs sowie die zwei Bonus-Tracks “Drowning By Numbers” und “HK Farewell” wurden überarbeitet, erweitert und in einen modernen Sound übersetzt, ohne den Geist des Originals zu verlieren. Apropos “HK Farewell”: Wer sich die neueste Placebo-Single “Helen Keller” anhört, wird die Melodie wiedererkennen!
Geschrieben wurde “HK Farewell” 1996 von Biran Molko, Stefan Olsdal und dem damaligen Schlagzeuger Robert Schultzberg - und wurde damals praktisch während des Entstehens als Instrumental aufgenommen, man improvisierte im Studio, während die Mikrofone liefen.
Drei Jahrzehnte später hat man nun eben die Gelegenheit bekommen, das Stück tatsächlich zu Ende zu führen: Schon der Titel übernimmt die Initialen “HK”. Fans vermuteten deshalb unmittelbar nach dem ersten Leak, dass Placebo aus “HK Farewell” nun einen ausgearbeiteten Song mit Gesang gemacht haben könnten. Die Spekulation passt auch zeitlich: Die neue Single erscheint nur wenige Monate nach der “RE:CREATED”-Version des Instrumentals. Aber tatsächlich ist “Helen Keller” ein neuer Song, der von der alten Melodie nur inspiriert ist - ein Song, der vermutlich durch die altbekannte Melodie auch gleich ein Gefühl der Vertrautheit ausstrahlt: Er hätte auch sehr gut irgendwo zwischen die “B3”-EP und die “Jesus' Son”-Single gepasst - oder auch auf der “Never Let Me Go” zwischen “Try Better Next Time” und “Beautiful James”.
Passend, dass auch das Cover alt und neu zusammenführt: Es schaut zwar ein bisschen stark nach KI aus, aber die Person erinnert zumindest an eine Mischung aus einem jungen Brian Molko und Stefan Olsdal!
Helen Adams Keller wurde 1880 im US-Bundesstaat Alabama geboren. Im Alter von 19 Monaten verlor sie nach einer schweren Erkrankung ihr Seh- und Hörvermögen: Welche Krankheit dafür verantwortlich war, konnte nie zweifelsfrei geklärt werden - möglicherweise aber durch Scharlach oder eine Hirnhautentzündung. Mit Unterstützung ihrer Lehrerin Anne Sullivan lernte sie aber über in die Hand buchstabierte Wörter zu kommunizieren. Später las sie Brailleschrift, schrieb mit der Schreibmaschine und lernte zu sprechen.
1904 schloss sie das Radcliffe College mit einem Bachelorabschluss ab - als erster taubblinder Mensch, der einen solchen Hochschulabschluss erwarb. Anschließend wurde Helen Keller als Autorin und hochpolitische Rednerin international bekannt - mehrmals wurde in ihr Leben verfilmt, und sogar eine South Park-Folge wurde ihr gewidmet (Episode 13, Staffel 4). Und nicht zuletzt ist sie auch eine der Lieblingsautorinnen von Brian Molko!