© Joachim Schmida, oeticket
Bei unserer exklusiven Backstage-Führung im Wiener Ronacher zeigt sich das Haus von einer Seite, die dem Publikum während der Vorstellung verborgen bleibt. Abseits des Zuschauerraums wird erlebbar, wie viel Präzision, technische Raffinesse und minutiös abgestimmte Teamarbeit notwendig sind, damit Abend für Abend große Musicalproduktionen reibungslos über die Bühne gehen.
Das heutige Ronacher wurde ursprünglich als Wiener Stadttheater konzipiert – gedacht als Treffpunkt für das bürgerliche Publikum und als Ort des kulturellen Austauschs und „Networkings“. Nach einem verheerenden Brand im Jahr 1884 verhinderten neue Brandschutzauflagen jedoch eine Wiedereröffnung als klassisches Schauspielhaus.
Stattdessen entwickelte sich das Haus unter Anton Ronacher zu einem Varietétheater, das über Jahrzehnte hinweg mit Akrobatik, Revuen und internationalen Gastspielen das Publikum begeisterte. Nach wechselvollen Nutzungen – unter anderem als Ersatzspielstätte des Burgtheaters und später als ORF-Studio – begann mit der Übernahme durch die Vereinigten Bühnen Wien (VBW) die moderne Musical-Ära des Ronacher.
Heute gilt das Ronacher als erste Adresse für Musicals im deutschsprachigen Raum, insbesondere für VBW-Eigenproduktionen und Uraufführungen wie Elisabeth, Rock Me Amadeus oder aktuell Maria Theresia – Das Musical.
Ein besonders spannender Aspekt unserer Backstage-Führung war das Zusammenspiel von historischer Bausubstanz und zeitgemäßer Theatertechnik. Da das Ronacher unter Denkmalschutz steht, waren bauliche Erweiterungen nur eingeschränkt möglich. Statt großflächiger Umbauten setzte man auf gezielte, funktionale Lösungen.
So entstand ein deutlich verbesserter Zugang zur Backstage-Bühne, der die frühere, sehr enge sogenannte „Elefantenstiege“ ersetzte, über den große Bühnenelemente nur mühsam transportiert werden konnten. Gleichzeitig wurde die Bühne erhöht, die Technik darunter wurde tiefer gelegt und über dem Zuschauerraum ein zusätzlicher Proberaum integriert. Die Dimensionen sind beeindruckend: Vom Podest bis zur maximalen Höhe misst die Bühne rund 20 Meter, vom tiefsten Punkt der Konstruktion bis ganz nach oben sogar etwa 30 Meter.
Ein zentraler Bestandteil jeder Produktion ist die Inspizienz. Während der Vorstellung laufen hier alle Fäden zusammen. Die Inspizienz koordiniert sämtliche Abläufe, gibt Kommandos für Bühnenumbauten, Technik, Licht, Ton und Darsteller:innen.
Ihr Arbeitsplatz erinnert nicht zufällig an das Steuerpult einer Straßenbahn. Im Theater sagt man, die Inspizienz „fährt“ die Show – ein Bild, das gut beschreibt, wie präzise und vorausschauend jede Bewegung geplant sein muss. Für alle Mitwirkenden gilt: Nicht der Ablaufplan entscheidet, sondern ausschließlich die Anweisungen der Inspizienz.
Trotz einer fixen Bühnenkonstruktion wirkt jede Szene anders. Möglich machen das großflächige LED-Wände, Projektionen und Videodesign, die das Bühnenbild ständig neu definieren. Da im Ronacher pro Saison immer nur eine Produktion gezeigt wird, kann das Bühnenbild besonders komplex gestaltet werden, ohne ständig umgebaut werden zu müssen.
Auch akustisch setzt das Haus Maßstäbe. Ein modernes Richtungshörsystem erkennt über kleine Sender die Position der Darsteller:innen auf der Bühne und passt den Klang entsprechend an. Für das Publikum entsteht so der Eindruck, dass Stimmen exakt aus jener Richtung kommen, in der sich die jeweilige Person gerade befindet – ein Effekt, der das Bühnengeschehen noch intensiver wirken lässt.
Aktuell wird im Ronacher mit MARIA THERESIA – DAS MUSICAL eine der aufwendigsten VBW-Eigenproduktionen gezeigt. Bei der Backstage-Führung werden die Dimensionen dieses Projekts besonders greifbar. Rund 120 Beteiligte arbeiten an jeder Vorstellung, von denen nur ein Bruchteil tatsächlich auf der Bühne zu sehen ist.
Allein für diese Produktion gibt es etwa 400 Kostüme, und hinter der Bühne sind Höchstleistungen gefragt: Kostümwechsel müssen teilweise in nur 15 Sekunden erfolgen. Musikalisch verbindet das Stück klassische Elemente mit modernen Genres – inklusive Rap- und Hip-Hop-Passagen – und wird vom 21-köpfigen Orchester der Vereinigten Bühnen Wien getragen.
Während aktuell Maria Theresia – Das Musical im Ronacher zu sehen ist, richten die Vereinigten Bühnen Wien bereits den Blick auf die kommende Spielzeit. Im Herbst 2026 kehrt mit Disneys DIE SCHÖNE UND DAS BIEST einer der weltweit erfolgreichsten Musicalklassiker nach Wien zurück. Die neue Inszenierung wird im Raimund Theater Premiere feiern und erweitert den Spielplan der VBW um ein weiteres internationales Highlight.