Bild: Jonathan Steinbiß
Bei der Bambi-Gala vergangene Woche in München hat Alt-Showmaster Gottschalk wieder für einen Eklat gesorgt – weil er von der „doppelten Cher“ irritiert war.
Am 13. November ging in München zum 74. Mal die Bambi-Gala über die Bühne: Erneut wurden Künstler*innen geehrt, die „die Zeit prägen, Menschen, die Hoffnung schenken, Mut machen und mit ihrer Kreativität, ihrem Engagement und ihrer Menschlichkeit die Gesellschaft bereichern“. Kein Wunder, dass einige der Preisträger*innen die Bühne nutzten, sich mit ihrer Stimme für gesellschaftspolitische Anliegen einzusetzen – aber dazu später mehr, denn das Gesprächsthema des Abends waren nicht etwa die schillernden Roben und klare Statements, sondern der irritierende Auftritt von Alt-Showmaster Thomas Gottschalk, der bekanntlich schon bei einer seiner letzten „Wetten dass..?“-Shows 2023 mit Shirin David und Helene Fischer (im Juli im Ernst-Happel-Stadion!) in klassischer Alter-Weißer-Mann-Manier für einen Eklat gesorgt hat.
Beim Bambi wurden nämlich nicht nur deutschsprachige Prominente ausgezeichnet, sondern auch Cher: Mit einer Karriere, die sich über sechs Jahrzehnte (!) erstreckt, hat sie sich nicht nur bereits lang vor Lady Gaga und Taylor Swift den Titel “Göttin des Pop” hart erarbeitet, sondern mit ihrem unermüdlichen Einsatz für soziale Gerechtigkeit und den Schutz von Mensch und Tier weltweit Maßstäbe gesetzt.
Ihr wurde der Preis von Thomas Gottschalk überreicht – immerhin hatte er sie auch schon mehrfach zu Gast auf seiner “Wetten dass..?”-Couch, man sollte also annehmen, dass es ihm möglich gewesen wäre, eine entsprechende, würdige Laudatio zu halten. Aber es kam anders: Nicht nur, dass er in seiner Rede fahrig und unbeholfen wirkte, für einen Satz erntete Gottschalk sogar zu Recht Buh-Rufe aus dem Auditorium. “Hier ist sie, die einzige Frau, die ich in meinem Leben ernst genommen habe”, war bei Gott keine tolerable Würdigung.
Am Folgetag erklärte sich Gottschalk in der deutschen Klatschpresse: Natürlich sei es keine Misogynie gewesen, sondern lediglich eine Verwirrung! “Ich war vor dem Auftritt hinter der Bühne, und da kam Cher zu mir. Ich umarmte sie, und wir redeten. Sie war blond. Dann gehe ich auf die Bühne, und plötzlich hängt Cher mit dunklen Haaren unter der Saaldecke auf der Disco-Kugel.”
Auf der Disco-Kugel saß allerdings nicht Cher, sondern die deutsche Schauspielerin Sophie Berner, die Cher im Musical verkörpert, das ab 18. Dezember in der Wiener Stadthalle F, anschließend in der Linzer TipsArena und schließlich in der Grazer Helmut List Halle über die Bühne geht.
“If I Could Turn Back Time” wird sich Thomas Gottschalk wohl mehr oder minder reumütig nach seinem Fauxpas wohl gedacht haben – ist dies immerhin auch einer der größten Hits von Cher, ein Song, den Sophie Berner als Cher im Rahmen des Bambis zu ihren Ehren performte. Und dies nicht nur zur Begeisterung des Publikums, sondern auch von Cher: Hinter der Bühne erhielt Berner nicht nur den Segen von Cher, sondern auch zwei kraftvolle Worte als Mantra für die anstehende Tournee: “Be strong!”
Sophie Berner darauf: “Sie hat meine Stimme gehört, mich wirklich gesehen – und jetzt erzählen wir ihre Geschichte.” So irritierend Gottschalks Reaktion auf gleich zwei Chers auch war, zumindest die Reaktion von Cher selbst dürfte Beweis genug sein, dass “Die Cher Show” eine würdige Hommage an eine der größten und wichtigsten und besten Musikerinnen der letzten Jahrzehnte darstellt.
In der “Cher Show” stehen Sophie Berner auch Hannah Leser und Pamina Lenn zur Seite, die gemeinsam die verschiedenen Lebensphasen zum Leben erwecken – von Chers Anfängen an der Seite von Sonny Bono bis hin zur glamourösen Stilikone von heute. Doch freilich wird nicht nur ihre bewegende Geschichte erzählt, sondern auch gleich 35 legendäre Hits auf der Bühne zum Besten gegeben – nicht nur “If I Could Turn Back Time”, sondern unter anderem auch “Believe” und “Strong Enough”, das Mantra, das Cher Sophie Berner mit auf den Weg gab.
Doch nicht nur Cher wurde honoriert: Roland Kaiser, Grandseigneur des deutschen Schlagers, wurde für sein Lebenswerk geehrt. In der Kategorie “Musik” setzte sich Zartmann (im März im Gasometer!) gegen Oimara (im Winter fünfmal in Österreich!) und Kamrad (im Februar in Wien und Linz!) durch und nutzte seine Bühne für ein politisches Statement gegen den Rechtsruck in Deutschland (und der Welt): Er verstünde zwar politischen Frust, aber nicht die Abwanderung nach Rechtsaußen.
Die Schweizer Comedienne (und ESC-Moderatorin) Hazel Brugger, die in der Kategorie “Comedy” ausgezeichnet wurde, sorgte hingegen für Lacher: Sie dankte nämlich den Männern, die ihr im Laufe ihrer Karriere vielfach erklärt haben, dass sie nicht lustig ist. Eigentlich müsste einem da das Lachen im Halse stecken bleiben – und vielleicht sogar Gottschalk nachdenklich stimmen.
Und natürlich stand auch eine weitere Frau ordentlich im Blitzlichtgewitter: Heidi Klum, in Begleitung von Ehemann Tom und dessen Bruder Bill Kaulitz. Sie gewannen zwar – im Gegensatz zu Heidi in der Kategorie “Entertainment” – keinen Bambi für ihren Podcast “Kaulitz Hills – Senf aus Hollywood”, performten aber immerhin mit Tokio Hotel ihren neuen Song “Changes” live auf der Bühne – ein emotionaler Song über die vielen Veränderungen in Bill Kaulitz‘ Leben, den wir im November 2026 dann hoffentlich auch live in der Wiener Stadthalle hören!