Bild: Instagram Billie Eilish
Am 1. Februar ging die 68. Verleihung des wichtigsten Musikpreises, der Grammy Awards, in der Crypto.com Arena in Los Angeles über die Bühne: Klarer Sieger des Abends war Kendrick Lamar mit fünf Auszeichnungen - während sich seine Kolleg*innen in erster Linie von ihrer politischen Seite zeigten, oder wie Gott sie schuf.
“Weniger ist mehr” - so lautete heuer auch wieder offenbar das Motto am roten Teppich bei der Grammy-Verleihung: Gesprächsthema Nummer eins war zweifelsohne Popstar Chappell Roan, die deutlich knapper bekleidet war als noch letztes Jahr bei ihrem Auftritt am FM4 Frequency. Sie trug eine weinrote, transparente Kreation von Thierry Muglers neuem Kreativdirektor Miguel Castro Freitas. Der französische Modedesigner, ein Spross einer aus Linz (!) stammenden Arzt-Familie, starb zwar bereits 2022 - aber seine Marke lebt unter der Führung von Freitas weiter, wenngleich Roans Kleid eine Hommage an eine Kreation Muglers war, die bereits 1998 am Laufsteg für Aufsehen sorgte: Dieser “ultimative Ausdruck von Leichtigkeit” kam ohne Träger aus und wurde lediglich von falschen Brustwarzenpiercings gehalten.
Auch “Model-Mama” Heidi Klum - Ehefrau von Tokio Hotels Tom Kaulitz - setzte auf einen Naked-Dress-Look, entschied sich für ein Kleid der österreichischen Star-Designerin Marina Hoermanseder. Nur wenige Geheimnisse versteckten auch die Kleider von Sabrina Carpenter, Kehlani, Karol G und Teyana Taylor - während hingegen Miley Cyrus in Lederjacke und übergroßer Brosche, “Hohepriesterin” Lady Gaga und Billie Eilish im Suit-Look aus der Masse herausstachen.
Dafür war auf der Bühne selbst “mehr ist mehr” das Motto - fast kein Wunder, ist die politische Situation in Amerika insbesondere aufgrund der ICE-Übergriffe in Minneapolis, die mit der Tötung von Renée Good am 7. Jänner und Alex Pretti am 24. Jänner ihren traurigen Höhepunkt fanden, aktuell am Überkochen. Deutliche Worte fand da nicht nur Moderator Trevor Noah, dem von US-Präsident Donald J. Trump bereits eine Klage angedroht wurde, sondern etwa auch Billie Eilish: “Niemand ist illegal auf gestohlenem Land”, sagte sie in ihrer Dankesrede (für “Wildflower”, der “Song des Jahres"), die sie mit einem klaren “Fuck ICE!” beschloss. Nicht minder offensiv gegen Trumps Einwanderungspolitik positionierte sich auch der aus Puerto Rico stammende Bad Bunny, als er den Grammy für das beste Música-Urbana-Album (”Debi tirar más fotos") entgegennahm: Zwar wird er in einer Woche in der prestigeträchtigen Super Bowl-Halftime Show auftreten - aber sonst keine Konzerte in Amerika spielen, aus Angst davor, dass seine migrantische Bubble von ICE ins Visier genommen werden könnte.
Auch SZA ("Single des Jahres" für “Luther”, gemeinsam mit Lamar), Brandi Carlile und Justin Bieber, der zwar leer ausging, dafür ebenfalls halbnackt “Yukon” auf der Bühne zum Besten gab, protestierten neben vielen weiteren Promis gegen die verschärfte Einwanderungspolitik der Trump-Regierung. Auch wenn diese Positionierung nicht nur in der Kulturbubble zum guten (weil humanen) Ton gehört: Auf Social Media mehren sich durchaus die Stimmen, die zwar nicht die Augen vor der Gewalt verschließen, gleichzeitig aber auch nicht unerwähnt lassen wollen, dass es ein Leichtes ist, aus dem Elfenbeinturm zwischen Millionen-Dollar-Anwesen, Privat-Chauffeur und Security-Personal ein “niemand ist illegal” aufs Silbertablett zu legen.
Dabei war Bieber nicht der einzige, der bei der Zeremonie live auf der Bühne stand: Natürlich wurde auch dem im vergangenen Jahr verstorbenen Ozzy Osbourne mit dem Black-Sabbath-Cover “War Pigs” Tribut gezollt - und das überraschenderweise nicht von Zögling Yungblud (der dafür für seine “Changes”-Performance bei “Back to the Beginning” ausgezeichnet wurde), sondern von einer wahren Supergroup: Post Malone, Duff McKagan und Slash (Guns N' Roses), Chad Smith (Red Hot Chili Peppers) und Andrew Watt. Böse Zungen mögen unken, dass Yungblud nach seinem erst kürzlich geposteten Foto mit Rammstein-Sänger Till Lindemann ("Row zero", anyone?) in der Bubble in Ungnade gefallen ist.
Besonders beeindruckend gerieten aber auch die Auftritte von Bruno Mars mit Rosé ("APT."), Sabrina Carpenter ("Manchild"), Lady Gaga ("Abracadabra"), Addison Rae ("Fame Is A Gun"), Olivia Dean ("Man I Need") und der wieder gesundeten Lola Young ("Messy"), sowie auch von sombr ("12 to 12"), der nach seinem Slot als Opener für Nessa Barrett im vergangenen Jahr bei den Grammys nun mit starken Prince- und Michael-Jackson-Vibes bewies, dass die deutlich größeren Bühnen seiner aktuellen Europa-Tour nicht überdimensioniert sind: Am 18. Februar spielt er etwa in der bereits restlos ausverkauften Raiffeisen Halle im Gasometer.
Aber wer sind denn nun die ausgezeichneten, die angeblich besten Musikerinnen und Musiker der Welt? Eine Hiobs-Botschaft gleich vornweg: Leider werden es - Stand heute - nur zwei der Namen dieses Jahr nach Österreich schaffen, nämlich aufs Nova Rock Festival The Cure, die mit “Alone” in der Kategorie “Best Alternative Music Performance” und mit “Songs of a Lost World” in der Kategorie “Best Alternative Album” ausgezeichnet wurden, und Laufey, die mit "A Matter of Time" in der Kategorie “Best Traditional Pop Vocal Album” ausgezeichnet wurde - ein Album, das sie am 19. Februar auch in der Wiener Stadthalle live präsentieren wird!
Kendrick Lamar ist, wie eingangs erwähnt, mit fünf Grammys der Sieger des Abends, je drei Trophäen gingen an Bad Bunny und Jelly Roll, während neben The Cure zahlreiche weitere ebenfalls zwei Preise entgegennehmen durften: Jack Antonoff, Cirkut, Lady Gaga, Ludwig Göransson, I'm With Her, Kehlani, Christian McBride, Mavis Staples, SZA, Leon Thomas und Turnstile.
Zwar musste sich Zara Larsson mit “Midnight Sun” in der Kategorie “Best Dance Pop Recording” Lady Gaga geschlagen geben, aber dafür ist sie eine der wenigen Namen, die dieses Jahr den Weg nach Österreich finden - und zwar nach ihrem umjubelten Konzert im Gasometer im vergangenen Jahr diesen Sommer auf das FM4 Frequency. Ebenso gingen Linkin Park (mit “The Emptiness Machine” und “From Zero”) leer aus - sie wurden in der Kategorie “Best Rock Performance” von Yungblud, in der Kategorie “Best Rock Album” von Turnstile überholt. Aber dafür sind sie, nach ihrem letztjährigen Auftritt am Nova Rock Festival, dieses Jahr eines der Highlights im Ernst-Happel-Stadion! Selbes gilt auch für J.I.D.: Der Rapper musste sich mit “God Does Like Ugly” in der Kategorie “Best Rap Album” Kendrick Lamar geschlagen geben - aber dafür kommen wir live zum Handkuss: Am 13. März gastiert er auf “God Does Like World Tours” auch in der Raiffeisen Halle im Gasometer!
Dichten wir somit Trumps MAGA-Schlachtruf um, konnotieren wir ihn positiv: Mehr außergewöhnlich gute Auftritte - insbesondere für Österreich!