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Sport

Ernst Hausleitner über die Formel 1

19.12.2023 von Robert Fröwein

Ab 2. Februar erstreckt sich am Gelände der Wiener META-Stadt auf mehr als 3.000 Quadratmetern „Formula 1 – Die Ausstellung“. Zu bestaunen gibt es beeindruckende audiovisuelle Elemente aus der Welt der Formel 1, exklusive Einblicke zu bislang noch unveröffentlichtem Material und einen Mix aus interaktiven Exponaten und historischen Grand-Prix-Rennwägen. Die insgesamt sechs Räumlichkeiten teilen sich auf in die Themenbereiche „Es war einmal in der Formula 1“, „Fahrer und Duelle“, „Revolution durch Design“, „Design-Labor“, „Überlebt“ und „Pit Wall“. Dass die offiziell kuratierte und begleitete Ausstellung nach einer gefeierten und erfolgreichen Weltpremiere in Madrid ausgerechnet Wien als zweite Station gewählt hat, ist für Ernst Hausleitner kein Wunder.

Weltmeister Österreich

Der ORF-Kommentator und Formel-1-Experte kennt die Tradition, die die Formel 1 in Österreich hat. „Man trägt der Begeisterung in unserem Land damit Rechnung. Was die TV-Quoten anbelangt, sind wir mehr oder weniger Weltmeister. Es gibt kein Land, das in der Relation von Einwohnerzahl zu TV-Zusehern einen so hohen Schnitt hat wie wir.“

Österreich sei aber auch dadurch begünstigt, dass die Grand Prix nach wie vor im Free-TV zu sehen seien. Seit geraumer Zeit teilen sich der ORF und ServusTV die Reche. Als Nutznießer bekommen die Zuseher dadurch sogar ein doppelt-kompaktes Analyseset frei Haus geliefert. „Wir sind eines der letzten Länder, in denen man die Formel 1 noch so sieht. Eigentlich ein Wahnsinnsservice. In anderen Ländern sieht man sehr deutlich, wie die Zuseherzahlen durch das Pay-TV wegbröseln. Etwa in Deutschland, wo früher RTL übertrug und mittlerweile nur mehr Sky. Die Quoten stehen da in überhaupt keinem Verhältnis mehr zu früher.“ Das kleine Österreich ist im großen Zirkus Formel 1 auf vielen Ebenen nicht wegzudenken. Der Österreich-GP im steirischen Spielberg gilt als Lieblingsstrecke für ein Gros der Fahrer, der Wiener Toto Wolff ist Motorsportchef beim Erfolgsteam Mercedes und der Grazer Dr. Helmut Marko in ebenjener Funktion beim alles dominierenden Red Bull Racing tätig. Apropos – Red Bull ummantelt als Marke den österreichischen Touch der Rennserie.

„Dass wir so gut in der Formel 1 dastehen, hat auch stark mit dem Einsatz einzelner Protagonisten zu tun. Jochen Rindt war schon in den 60er-Jahren absoluter Vordenker. Er sah die Formel 1 nicht nur als attraktiven Sport, sondern auch aus einer wirtschaftlichen Perspektive. Über Niki Lauda brauchen wir fahrerisch und unternehmerisch sowieso keine Worte mehr verlieren. Solche starken Charaktere färben ab und dienen als Vorbilder. Es gibt auch sehr viele erfolgreiche Österreicher, die für das nötige Drumherum sorgen. Sei es Attila Dogudan, der das Catering für den Grand-Prix-Zirkus bereitet oder Christoph Ammann, der für den kompletten Ticketverkauf zuständig ist und zudem die Securitys bei den Rennen stellt.“ Diese starke Community, die sich über Jahrzehnte hinweg erstreckt, habe auch für den Formel-1-Boom bei den Österreichern vor dem Fernseher gesorgt. Das Zusammensitzen oder auch Wegdösen beim Grand Prix nach dem Sonntagsschnitzerl hat hierzulande einen fast schon religiösen Charakter. „Außerdem überträgt der ORF die Formel 1 seit dem Rennen in Fuji 1976 durchgehend. Das ist Weltrekord und auch so verbrieft“, fügt Hausleitner an.

Aber: Wo bleiben die österreichischen Fahrer?

Während die wirtschaftlichen und technischen Belange des Weltsports ganz in österreichischer Hand sind, sieht es ausgerechnet im Fahrerfeld dünn aus – und das seit vielen Jahren. Große Hoffnungen auf einen heimischen Formel-1-Fahrer dürfe man sich auch in absehbarer Zeit nicht machen. „Wenn man sich die Rennklassen so ansieht, wäre Alexander Wurz’ Sohn Charlie der nächste. Er wird 2024 die Formel-3-Meisterschaft bestreiten und damit im Umfeld der Formel 1 fahren. Selbst das hatten wir schon längere Zeit nicht mehr.“ Wie weit es der 17-Jährige noch schaffen wird, steht derzeit in den Sternen, denn obwohl der Grand-Prix-Zirkus schon immer eine wirtschaftliche Angelegenheit war, hat sich das Thema Geld seit dem Einstieg der amerikanischen Liberty Media Corporation potenziert.

Money, money, money

Unter der Schirmherrschaft von Geschäftsführer Chase Carey wurde die Formel 1 marketingtechnisch zukunftsfit gemacht. Sie existiert verstärkt auf Social Media, es wurden Rennen in den USA und dem arabischen Raum dazugefügt und die Netflix-Serie „Drive To Survive“ erwies sich als Top-Hit, der vor allem das US-Publikum in seinen Bann zog.

„Als Bernie Ecclestone noch Formel-1-Boss war gelang es nie, den amerikanischen Markt zu erobern. Ich bin jetzt auch keiner, der allem Neuen kritiklos offen gegenübersteht, aber Liberty Media haben unheimlich viel richtig gemacht“, so der Kommentator, „der Wert der Formel 1 ist so hoch wie noch nie zuvor. Sie haben den gesamten Sport modernisiert und aufgepeppelt, aber werden ihn auch unweigerlich einmal abstoßen. So funktioniert die Wirtschaft nun einmal.“

Die in der METAStadt stattfindende Ausstellung dient als weiterer Mosaikstein dafür, den Sport noch näher zu den Menschen zu bringen. Zustände wie etwa in der MotoGP, wo man teilweise direkt ins Paddock kommt, wird es in der Formel 1 aber nicht geben, betont Hausleitner. „Da pflegt man noch immer das Prinzip der Verknappung, an dem nicht gerüttelt wird. Es ist so gut wie unmöglich, dass man am Rennwochenende ins Fahrerlager kommt. Dafür gibt es auch keine Tickets zu kaufen.“

Sehr wohl sieht Hausleitner aber Handlungsbedarf bei normalen Karten für das Rennwochenende. „Hätte ich die Allmacht, würde ich für günstigere Preise sorgen. Es ist ein Teil des Prinzips, dass Normalsterbliche nicht einfach so in das Herzstück der Formel 1 vordringen können. Kein Verständnis habe ich aber dafür, dass man es sich mittlerweile kaum noch leisten kann, einmal im Jahr mit der Familie zu einem Grand Prix zu gehen. Wenn ein Ticket 500 Euro kostet und man zu viert dorthin möchte, wird das Erlebnis so gut wie unmöglich.“ Die Formel-1-Ausstellung in Wien wird zum Glück nicht in dieser monströsen Preisklasse spielen – auf jeden Fall wird sie ab Februar aber die Vorfreude auf die neue Saison 2024 steigern. Die könnte laut dem Experten etwas spannender werden. „Max Verstappen ist im Normalfall unschlagbar, aber so wie die McLaren am Ende der Saison 2023 aufgeholt haben, bin ich neugierig, wohin die Reise geht.“ Eins ist jedenfalls garantiert: Österreich bleibt Formel-1-besessen.

Die Grand Prix Saison in Spielberg 2024

Bild: GEPA pictures / Manfred Binder

Zwischen 28. und 30. Juni gastiert die Formula 1 erneut am Spielberg Ring, durchgehend seit 2014. Die Rennstrecke ist wie eine Wundertüte in der Formel 1, die Fahrer und Teams jedes Jahr aufs Neue belohnt oder bestraft – in jedem Fall aber überrascht. Favoriten gibt es hier nur auf dem Papier und die Rennen verlaufen meist anders als geplant, aber immer spannend. Neben der Formel 1 lassen Rahmenserien sowie Side Events auf der Rennstrecke und in der Luft Motorsport-Herzen höherschlagen. Zudem ist die Steiermark in der Königsklasse des Motorsports berühmt für ihre Gastfreundschaft, der Grand Prix ist deshalb für Fahrer und Fans gleichermaßen ein absolutes Highlight in jeder F1-Saison – mit hohem Wohlfühlfaktor und garantierter Rennaction. Allerdings: Für das Rennwochenende sind schon beinah alle Tickets ausverkauft, allein für die Schönberg-Tribüne sind aktuell noch einige wenige Restkarten bei oeticket.com erhältlich.

Wenige Wochen später, zwischen 16. und 18. August, gastiert dann der Motorrad Grand Prix am Spielberg Ring. Fast 174.000 Zuschauer sorgten beim diesjährigen Motorrad Grand Prix im Herzen der Steiermark für ausgelassene Stimmung in einer Traumkulisse. Am Spielberg genießen die Fans die PS-Show der weltbesten Rennfahrer auf zwei Rädern, vereint mit Motorsport-Entertainment und Konzerten in der MotoGP Bike City. 2024 gibt es doppelte Race Action mit dem Sprint am Samstag und dem Grand Prix am Sonntag sowie die Chance, die Stars persönlich zu treffen, Erinnerungsfotos zu schießen, sich Autogramme zu holen und so ein unvergessliches Rennwochenende zu erleben! Wochenend-Tickets sowie Tagestickets sind noch bei oeticket.com erhältlich.

Tipp: Reisen Sie öffentlich an. Campingplätze sind nur wenige Gehminuten vom Ring entfernt!

Formula 1: die Ausstellung

Die Formula 1-Ausstellung gastiert zwischen 2. Februar und 16. Juni in der Wiener METAStadt. Es gibt sowohl Zeitfenstertickets, als auch FLEX Tickets. Für Kinder, Senioren, Studenten und Familien sind Ermäßigungen verfügbar. Tickets gibt es bei oeticket.

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