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Konzerte

Kylie Minogue im Duett mit Nick Cave und mit Madonna

07.08.2026 von Stefan Baumgartner

Genau vor einer Woche stand Kylie Minogue in Brighton zum erst dritten Mal gemeinsam mit Nick Cave für “Where The Wild Roses Grow” auf der Bühne, nun folgt "Love Sensation" mit Madonna.

Vor etwa einem Monat lockte Nick Cave gemeinsam mit seinen Bad Seeds abertausende “Jünger” vor die malerische Kulisse der Burg Clam und sorgte da zum wiederholten Male - zuletzt spielte er dort 2022 - für eine entrückende Messe zwischen “Get Ready For Love” und “Into My Arms”. Es war ein wahrer Sommernachtstraum, als er einmal mehr bewies, warum er zu den besten Live-Künstlern der Gegenwart gehört - und alles andere als ein alternder Rockstar ist. Es war eine Erleuchtung, eine Erlösung.

Eine Erlösung, die vergangenes Wochenende in seiner ehemaligen Wahlheimat Brighton, der britischen Küstenstadt, nochmals potenziert wurde: 2015 starb dort sein Sohn Arthur erst 15-jährig bei einem Sturz von einer Klippe. Man muss selbst kein Elternteil sein, um nachvollziehen können, dass dies für Nick Cave (und seine Frau Susie) ein mehr als nur einschneidendes Erlebnis war. Ein Erlebnis aber, mit dem Nick Cave nun abschließen wollte: Parallel zur Pride in Brighton gab er vergangenen Freitag nämlich im restlos ausverkauften Preston Park vor 50.000 frenetischen Besucher*innen ein Konzert - im Vorprogramm Warmduscher, Cate Le Bon, English Teacher und The Flaming Lips. Aber bevor Nick Cave abends auf der großen Bühne erschien, gab es noch ein ganz spezielles, natürlich unangekündigtes Happening: Bereits vor der Mittagsstunde fand er sich am Dach des örtlichen Plattenladen Resident - unweit der von ihm besungenen “Jubilee Street” - ein und gab da vier Songs zum Besten, das T. Rex-Cover “Cosmic Dancer”, “Papa Won't Leave You, Henry”, “Train Long-Suffering” und “Henry Lee” von den “Murder Ballads”.

Wenige Stunden später sollte das Album “Murder Ballads” noch einmal im Fokus stehen, aber zuerst hieß es um 19:25 Uhr erst einmal “Bühne frei!” für den Zeremonienmeister in Preston Park! Seit Jahrzehnten hypnotisiert er wie ein Messias sein Publikum - wir hatten es auf Burg Clam gerade erst erlebt -, aber die Stimmung, die in Brighton in den lauen Himmel aufstieg, als er gemeinsam mit seinen Bad Seeds die Bühne stürmte und direkt mit “Get Ready For Love” loslegte, war nochmals überwältigender. Der Beginn war perfekt auf den Sonnenuntergang hinter der Bühne abgestimmt. Ein gewaltiger Jubel brandete auf, er tauchte sofort auf den Steg vor der Bühne und mitten hinein ins Publikum, wo sich erwartungsvolle Hände nach ihrem zurückgekehrten Helden ausstreckten. Ein donnernder Auftakt, den Cave mit den Worten abschloss: “Thank you fucking Brighton. This is deeply overwhelming.”

“I wanna tell you ’bout a girl”, kündigte er an, bevor er in “From Her To Eternity” überging und die Worte den Gesichtern in der ersten Reihe geradezu entgegenspuckte. Warren Ellis packte seine Violine, als wäre sie eine Gitarre und er Johnny Ramone. Die vier Backgroundsängerinnen wiegten sich im Takt, während Cave kurz Akkorde auf seinem Yamaha-Flügel anschlug und Ellis sich neben ihm wie ein Berserker gebärdete. Spätestens bei “Tupelo” war dann die Stimmung am Überkochen: Während Larry Mullins’ archaische Drums unter den Füßen widerhallen, griff Cave wie so oft an diesem Abend nach den Händen, die sich ihm entgegenstrecken. Der Song explodierte, als auch die Bad Seeds einsetzten und Cave mit dramatischer Wirkung immer wieder “the King was born in Tupelo” sang. Überhaupt verbrachte Nick Cave den größten Teil des Konzerts ganz nah und unmittelbar bei - in! - seinem Publikum. Indem er mit der Menge in Kontakt trat und förmlich mit ihr verschmolz, gab er sich ihr vollständig hin: Es ist eine wunderschöne Wechselwirkung, die nur wenige Künstler erreichen.

Cave präsentierte sich nicht nur hervorragend wie auf Burg Clam, sondern gar in Höchstform und zeigte ungewöhnlich oft ein Lächeln, als er sogar zugab: “This is actually quite overwhelming”, und auf die Menge in seinem geliebten “fucking Brighton” blickte. Aber für einige wenige Momente kehrte er dann doch aus der Masse zurück auf die Bühne, etwa, als er ein ganz besonderes Präsent ankündigte: Zur Mitte seines Sets begrüßte er nämlich den australischen Pop-Superstar Kylie Minogue auf der Bühne! Zum ersten Mal seit 2018 und zum erst dritten Mal überhaupt (!) sangen die beiden ihre gemeinsame Nummer “Where The Wild Roses Grow” von “Murder Ballads” wieder zusammen. Das war damals, 1996, eine ungewöhnliche Kollaboration: Er, der Enfant Terrible, sie die zuckersüße Pop-Queen - beide aus Australien. “I'm here to declare my unwavering, undying love for Nick”, sagte Kylie (in einem weißen Spitzenkleid von Susie Cave) zur Menge - und der Jubel machte deutlich, dass das Publikum (natürlich!) dieselben Gefühle hegt. Und ihr gemeinsamer Auftritt war nicht nur ein seltenes Ereignis, sondern auch eines, bei der man die Emotionen knistern spürte: Ja, ihrer beiden Stimmen sind hervorragend und einzigartig, aber die Verbindung, die sie als Personen zueinander einnahmen, ist bezaubernd: Als Kylie ihnen Kopf an Caves Brust legte, bevor sie sich schließlich umarmten, ging wohl jedem ein Herz auf.

An dieser Stelle sollen nun keine weiteren Erzählungen aus Nick Caves fucking Brighton folgen, sondern wir reisen gedanklich mit Kylie Minogue weiter: Bereits in der darauffolgenden Nacht tauchte sie zwar nicht bei der Brighton Pride, sondern der WorldPride in Amsterdam auf. Dort feierte Madonna im AFAS mit ihrer “Club Confessions”-Show ihr aktuelles Album “Confessions II”, das erst vor wenigen Wochen erschienen ist - und auch sie holte Kylie Minogue für ihren Song “Love Sensation” zu sich auf die Bühne. Danach gab es noch Nachschlag: Auch “Sorry” und “Hung Up” sangen sie gemeinsam. Im Video-Mitschnitt seht ihr den Moment ab Minute 13:30.

Natürlich muss man live in Brighton und in Amsterdam dabei gewesen sein, um diese spezielle Magie zwischen Kylie Minogue und Nick Cave beziehungsweise Madonna hautnah gespürt zu haben. Wer nicht vor Ort sein konnte, gräbt von Nick Cave einfach die “Murder Ballads” aus und lauscht einem der wohl besten Songs der Menschheitsgeschichte, dem tristen Inhalt zum Trotz. Und seit heute gibt es auch das Duett von Kylie und Madonna zumindest digital: Was für ein fabelhafter Freitag!

Jetzt bleibt nur noch zu hoffen, dass sich Madonna mit ihrem “Confessions II” auch endlich wieder nach Österreich verirrt: Immerhin war sie erst zweimal bei uns zu Gast, das letzte Mal vor fast 15 Jahren (!) im Happel-Stadion. Und auch Kylie Minogue dürfte sich wieder blicken lassen: Sie war 2018 bei uns in der Raiffeisen Halle im Gasometer zu Gast, ihr auch lediglich erst viertes Gastspiel in Wien. Verlässlich wird wohl Nick Cave spätestens übernächstes Jahr wieder Österreich besuchen: Erneut auf Burg Clam? Oder kommt er dann wieder in die Wiener Stadthalle? Wir werden es sehen: Wenn ihr euch beim Ticketalarm von oeticket anmeldet, werdet ihr jedenfalls umgehend informiert, sobald die Spatzen etwas von den Dächern pfeifen!

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