Bild: Anton Corbijn
Die Frühjahrsausstellung im Bank Austria Kunstforum in Wien ist einem Künstler gewidmet, der medienübergreifend mit Fotografie, Film und Design arbeitet und die Art und Weise, wie wir seit den 1970er-Jahren Popkultur wahrnehmen, maßgeblich geprägt hat: Anton Corbijn.
Corbijn wurde 1955 im niederländischen Strijen geboren, lebte über 30 Jahre in London und heute in Amsterdam. Diesen Mai feiert er seinen 70. Geburtstag.
Anhand von fast 200 Arbeiten, darunter seine ikonischen Porträts von Kunstschaffenden aus Musik, Film, Literatur und Mode, aber auch zahlreiche Musikvideos, Künstlerbücher, Bühnendesigns, Albumcovers und Archivmaterialien, bietet „Anton Corbijn – Favourite Darkness“ eine Tour d’Horizon durch Corbijns künstlerischen Kosmos und hinterfragt seinen einseitigen Ruf als „Rockstar-Fotograf“: Corbijn hat mit seinem visuellen Gespür und seiner melancholischen, dunklen Bildsprache das Image vieler Musiker, darunter Depeche Mode, U2 oder wie im Titelbild gezeigt Arcade Fire, überhaupt erst erschaffen.
Ziel der Ausstellung, die in enger Kooperation mit dem Künstler entstand, ist es, Corbijns Werk aus fünf Jahrzehnten in einer Zusammenschau zu präsentieren und seine Bildstrategien zu analysieren, die oft von der christlichen Ikonografie und der Kunstgeschichte inspiriert sind.
Die folgende Bildgalerie zeigt seine Portraits von: David Bowie (1980), Jodie Foster (1995), Dave Gahan von Depeche Mode (1993), Marlene Dumas (2000), Philip Seymour Hoffman (2011), Miles Davis (1985) sowie Nina Hagen und Ari Up (1980).
Neben den bereits benannten Künstler*innen hat Anton Corbijn unter anderem auch Tom Waits, die Rolling Stones, Bon Jovi, Frank Sinatra, Bryan Adams, Luciano Pavarotti und Joy Division vor der Linse gehabt. Von Depeche Mode und U2 wird er gar fast als zusätzliches Band-Mitglied geführt.
Aber auch zahlreiche Plattencover zeigen seine Fotografien - darunter “The Joshua Tree”, “Rattle and Hum” sowie “Achtung Baby” von U2, “Violator”, “Songs of Faith and Devotion” sowie “Ultra” von Depeche Mode, “The Boatman's Call” von Nick Cave and the Bad Seeds, “Garage Inc.” von Metallica, “Infernal Love” von Therapy? und das Künstlerfoto auf “12” von Herbert Grönemeyer: Diese Zusammenarbeit kam zustande, weil Corbijn und Grönemeyer Nachbarn in der gemeinsamen Wahlheimat London waren.
Außerdem führte er Regie bei zahlreichen Musikvideos, für “Heart-Shaped Box” von Nirvana erhielt er 1994 einen MTV-Award. Aber auch etwa die dritte Version von “Pride (In the Name of Love)" von U2, “Personal Jesus” und die erste Version von “Enjoy the Silence” von Depeche Mode, “Atmosphere” von Joy Division, “Marie” von Herbert Grönemeyer, “Straight to You” von Nick Cave and the Bad Seeds, “Do I Have to Say the Words?” von Bryan Adams, “Delia's Gone” von Johnny Cash, “Liar” von Henry Rollins, “My Friends” von Red Hot Chili Peppers, “Hero of the Day” von Metallica, “Mensch” von Herbert Grönemeyer", “Talk” von Coldplay und “Reflektor” von Arcade Fire entstammen seiner Feder.
Doch nicht nur Musikvideos hat Anton Corbijn verantwortet! Seine Fähigkeit, Geschichten in atmosphärisch dichten Bildern zu erzählen, brachte Anton Corbijn bereits mehrfach auch auf die große Leinwand: Sein Spielfilmdebüt gab er 2007 mit “Control”, einer eindringlichen Biographie über Ian Curtis, den verstorbenen Sänger von Joy Division. 2010 führte er bei “The American” mit George Clooney Regie, 2014 bei “A Most Wanted Man” mit Philip Seymour Hoffman, Willem Dafoe und Rachel McAdams - die Filmmusik kommt von Herbert Grönemeyer. 2015 führte er Regie für das Filmdrama “Life” mit Robert Pattinson in der Hauptrolle.
Das Wiener Gartenbaukino zeigt am 13. Februar “Control” inklusive eines ausführlichen Q&A mit Corbijn - dazu die drei benannten Spielfilme mehrmals im Zeitraum Februar bis Juni: Das wird definitiv auch ein cineastisches Erlebnis, zeichnen doch alle Filme sich durch einen minimalistischen Stil, präzise Bildkompositionen und einen Fokus auf die inneren Konflikte der Figuren aus.