Als die Lambrini Girls zu Beginn dieses Jahrzehnts mit voller Wucht musikalisch loslegten, taten sie das mit einer völlig berechtigten Wut und einer kompromisslosen Botschaft, die die politische Linke mobilisieren und die Rechte provozieren sollte. Phoebe Lunny und Selin Macieira-Boşgelmez etablierten sich rasch als die Band, die sich manche Internet-Trolle, Transfeinde und sämtliche Anhänger diskriminierender Ideologien vielleicht nicht gewünscht hatten, die wir aber alle dringend brauchten.
Seit dem Release des Debütalbums „Who Let The Dogs Out“ im Jahr 2025 erlebte das in Brighton gegründete Duo seine Musik stetig wachsen und weiter reisen – weiter, als es sich die beiden je hätten vorstellen können. Der Longplayer schaffte es bis auf Platz #20 der britischen Albumcharts, zierte die Cover von Magazinen wie Kerrang! und NME und führte zu ausverkauften Tourneen rund um den Globus. Mit Mut, Witz und einer unübersehbar chaotischen Live-Show kämpften die Lambrini Girls für die richtige Sache. Es fühlte sich an, als hätte die Band genau zum richtigen Zeitpunkt ihren Höhepunkt erreicht: Sie eckten bei den richtigen Leuten an, während ihre Fangemeinde immer weiter wuchs – und das in einer Welt, die zunehmend aus den Fugen geriet. Und dann wurde die Welt noch schlimmer.
Hier kommt nun „No Refunds“: ein düstereres, noch direkteres und radikaleres Album für einen historischen Moment, in dem kaum etwas anderes Sinn ergibt. Inhaltlich spiegelt es die Schrecken unserer Gegenwart wider: Genozid, Faschismus, den Aufstieg der Künstlichen Intelligenz und den Abstieg in die schmutzigen Tiefen der sogenannten „Manosphere“. Dass all diese erschreckenden Entwicklungen gleichzeitig stattfinden – gerade einmal knapp zwei Jahre nach dem Debüt der Lambrini Girls – zeigt, wie notwendig es für die beiden wurde, darüber zu schreiben.
Mit „No Refunds“ macht die Band einen großen Schritt nach vorn: sowohl in der Selbstsicherheit und Reife ihrer Texte als auch in der musikalischen Bandbreite und deren Umsetzung.