"Music was my first love, and it will be my last (John Miles)."
Frank Wedekinds „Musik“ zerlegt die bürgerliche Moral wie ein verstimmtes Klavier: Eine Gesellschaft, die sich Anstand auf die Fahnen schreibt, produziert Ausbeutung, Gewalt und Schuld – und nennt es Ordnung. Im Zentrum steht Klara Hühnerwadel, eine junge Frau mit dem Talent zur großen Sängerin, die in ein System gerät, das sie benutzt und schließlich fallenlässt. Ihr Gesangslehrer schwängert sie und rät zur Abtreibung. Während andere Karriere machen, landet sie im Gefängnis. Verantwortung wird verschoben, Moral gepredigt, Kunst dient als Ausrede. Klara wird beschämt, reglementiert und verbraucht – und muss zugleich um ihr Überleben kämpfen.
Regisseur Lars-Ole Walburg sieht „Musik“ als Versuchsanordnung über soziale Beziehungen: über Abhängigkeit, emotionale Ausbeutung und die Illusion von Freiheit. Die Figuren erscheinen als automatisierte Menschen in einem Beziehungsgetriebe – exemplarisch, komisch, kalt und grausam. Was haben wir gelernt über Liebe, Macht und Geschlechterrollen? Und was läuft bis heute schief zwischen den Geschlechtern? Wedekinds Stück ist Tingeltangel und Gruselkabinett, Moritat und Anklage zugleich – eine frühe MeToo-Geschichte, ein zeitloser Stoff zwischen „Der Report der Magd“ und „Brazil“. Ein Drama über Kunst, Kontrolle und Begehren – und über ein Menschsein, das in einer Welt aus Regeln zu ersticken droht.
Regie: Lars-Ole Walburg
Bühne: Robert Schweer
Kostüme: Maria Walter
Dramaturgie: Patricia Nickel-Dönicke
Premiere am 13. März 2027