Papa Roach sind eine Ausnahmeerscheinung im Rock- und Alternative-Universum. Mit beeindruckender Langlebigkeit, faszinierender Wandelbarkeit und ungebrochener Energie pushen die Kalifornier seit drei Dekaden ihre Fans durch krachende Alben, schweißtreibende Shows und ihre unbändige Spielfreude.
Vier Jungs von der Highschool, die Musik machen wollten …
Bereits in den frühen 1990er-Jahren tun sich die vier Highschool-Freunde Jacoby Shaddix (Gesang), Jerry Horton (Gitarre), Will James (Bass) und Dave Bruckner (Schlagzeug) zusammen. Sie wollen ihren großen Idolen wie Rage Against The Machine oder Faith No More nacheifern und unter dem Namen Papa Roach eigene Shows geben.
Zuerst spielen Highschool-Radios ihre experimentellen frühen Songs rauf und runter. Dann werden größere Bands hellhörig und engagieren Papa Roach als Support für ihre Touren. Noch bevor es richtig losgeht, verlässt Bassist Will James die Band. Dafür steigt der damals gerade erst 16-jährige Tobin Esperance ein.
Der Stil von Papa Roach, der Rap, Rock und Nu Metal verbindet, trifft genau den Crossover-Zeitgeist der Neunziger. Trotzdem sieht niemand die Wucht vorher, mit der das Debütalbum im Jahr 2000 einschlägt: „Infest“ erreicht in mehreren Ländern Platin-Status, die Single „Last Resort“ wird zur Hymne einer jungen Generation von Underdogs, Sinnsuchenden und Unzufriedenen. Tickets für die Papa-Roach-Tour durch Amerika und Europa sind innerhalb kürzester Zeit vergriffen.
Obendrein sorgen Kooperationen für neue Popularitätsschübe: Heerscharen von Skatern und Gamern feiern bis heute den Song „Blood Brothers“, der auf dem legendären OST von „Tony Hawk’s Pro Skater 2“ zu hören ist. Auch die Wrestling- und Martial-Arts-Organisationen WWE und UFC nutzen die treibenden Songs der Band für Show- und Videoproduktionen.
Die unendliche Metamorphose
Von der Highschool in den Rock-Olymp, mitsamt einer weltweiten Tour, die Papa Roach auf gemeinsame Konzerte mit Größen wie Rage Against The Machine und Limp Bizkit führt: Viele Bands zerbrechen an frühem Erfolg, doch Papa Roach gelingt es, damit umzugehen – allerdings auf ihre ganz eigene Weise. Statt mit dem beliebten Nu-Metal-Crossover-Sound auf Nummer sicher zu gehen, verändern die vier Freunde ihren Stil schon auf dem Nachfolge-Album „Lovehatetragedy“ und integrieren wütende Punk-Elemente.
Auf dem weiteren Major-Release „Getting Away With Murder“ lassen sie den Rap schließlich ganz und gar hinter sich. Sänger Jacoby singt, klagt und shoutet, die Band entfesselt einen düsteren metal- und punklastigen Sound.
Für die Aufnahmen von „The Paramour Sessions“, das 2006 erscheint, bezieht die Band das berüchtigte Paramour Mansion in Los Angeles. Dort soll es angeblich spuken – was Jacoby Shaddix bestätigt. Erstmalig fließen Gothic-Rock-Elemente in den Stil der Band ein. Noch vor der Veröffentlichung des Albums verlässt Schlagzeuger Dave Bruckner die Band, da er seine Drogenprobleme nicht in den Griff bekommt. Seinen Platz nimmt seither Tony Palermo (ehemals Unwritten Law) ein.
Trotz zahlreicher Studio- und Produzentenwechsel bringen Papa Roach mit bemerkenswerter Disziplin alle zwei bis drei Jahre neue Alben heraus. Mit unerschöpflicher Experimentierfreude erweitern sie ihr Repertoire um Elektro-Parts („The Connection“, 2012) und hymnische Refrains („F. E. A. R.“, 2015). Auf „Crooked Teeth“ (2017) und „Who Do You Trust?“ (2019) erreichen sie schließlich eine stilistische Vielfalt, die mit spielerischer Souveränität nackenbrechendem Metal, aggressivem Punk, hüpfendem Elektro, entspanntem Reggae und balladesken Momenten verschmilzt.
Jede Papa-Roach-Show ist ein Fest für und mit Fans
Obwohl die Bandmitglieder, allen voran Sänger Jacoby, immer wieder von persönlichen Problemen, Selbstzweifeln, Alkohol- und Drogensucht geplagt sind, treibt die Liebe zur Musik sie noch immer an. In ihren schwersten Moment raufen sich die Freunde zusammen und kanalisieren alle Frustration in einem neuen Werk – wie auf „Ego Trip“ (2022), welches die Band als ihr persönlichstes und künstlerisch freiestes Album bezeichnet.
Für ihre Fans sind Papa Roach mehr als nur eine Band: Sie sind seit Jahrzehnten treue Begleiter durch die Höhen und Tiefen des Lebens. Wer Tickets für Papa Roach ersteht, weiß, dass die Musiker ihr Herz auf der Bühne lassen: Papa Roach powern sich bei jeder Tour aus, als gäbe es kein Morgen. Lange stillsitzen konnten die vier Kalifornier ohnehin nie. Und so gilt bei einer Papa-Roach-Show für die Band wie für die Fans vor der Bühne: Schreien, tanzen, headbangen und ausrasten!