Während Mike Del Rio und Kosta Galanopoulos am kommenden Debütalbum von Rio Kosta arbeiteten, stellten sie eine Art "Bibel" ästhetischer Leitlinien zusammen, die ihre kreativen Entscheidungen prägen sollte. Ganz oben auf der Liste stand ein einfacher Grundsatz: "Leg dich nicht mit der Natur an."
Dieser Wunsch, Dinge sich organisch entwickeln zu lassen, durchzieht jedes Element des Rio-Kosta-Erlebnisses. Er war schon von Anfang an spürbar, als Mike Kosta bei einem Festival beim Soundcheck entdeckte - und schnell merkte, dass er hier jemanden getroffen hatte, bei dem man kaum glauben kann, ihn nicht schon immer gekannt zu haben. Besonders deutlich wird diese Haltung in ihrer Musik: Man kann die Vielzahl ihrer Einflüsse analysieren, doch letztlich zählt nur eines - einfach auf Play drücken und fühlen. Hypnotische Grooves, geschmeidige Gesangsharmonien, in denen zwei Stimmen zu einer verschmelzen, und Basslinien, die direkt ins Herz treffen - Rio Kosta stehen für Musik, die man spürt.
Bevor sie sich trafen, waren beide Multiinstrumentalisten und Songwriter bereits in zahlreichen Projekten aktiv - von Bands über Session-Arbeit bis hin zu Kollaborationen. Die Verbindung war sofort da. "Kosta spielte gleichzeitig einen Juno-Synthesizer und Schlagzeug und sah dabei aus wie George Harrison mit Mütze", erinnert sich Mike. "Ich dachte: Der Typ ist interessant." Kosta erwidert: "Er sah einfach fresh aus, hatte eine besondere Energie. Wir haben sofort den Vibe des anderen verstanden."
Das war Ende 2019 - doch durch die Pandemie dauerte es, bis sich diese Verbindung wirklich festigen konnte. Das Warten lohnte sich: Die Musik, über die sie sich fanden, ist stilistisch enorm vielfältig - von Jorge Ben und Idris Muhammad bis hin zu War, Ebo Taylor oder Crosby, Stills & Nash. Ebenso wichtig war die kreative Freiheit, die sie im Projekt fanden - inklusive nächtlicher Sessions um 2 Uhr morgens, in denen sie von ihren eigenen Gesangsharmonien überrascht wurden.
"Die Chemie war etwas Heiliges - sehr natürlich und sehr schnell da", sagt Mike. Beide als Produzenten konnten sich im Projekt gegenseitig formen und inspirieren, was für sie eine völlig neue Erfahrung war. Mit der Zeit entstand eine Reihe von "glücklichen, seltsamen Zufällen", die den Albumprozess prägten. Gleichzeitig war es eine Phase des Umbruchs: Kosta durchlebte eine Trennung, während Mike in ein kreatives, bohemienhaftes Haus in Los Angeles zog - das Hotel Havana, einst Treffpunkt von Künstlern wie Joni Mitchell und Herbie Hancock.
Einer dieser Zufälle führte zum verträumten Track "Unicorn", der sowohl Material aus ihrer allerersten Session enthält als auch als letzter Song fertiggestellt wurde. Der Song "Ancients" basiert auf einer alten Kassette der griechischen Folkband von Kostas Vater und inspirierte Mike zu kosmischen Texten über Déjà-vus und frühere Leben. "Mountain Top" entwickelte sich schließlich zum zentralen Element des Albums und zieht sich als musikalisches Motiv durch das gesamte Werk.
So smooth Rio Kosta auf Platte klingen - ihre wahre Stärke entfaltet sich live. Ob bei Sonnenuntergang auf einem Festival wie Coachella oder in psychedelischer Woodstock-Atmosphäre: Ihre Shows sind intensiv und immersiv. Bisher spielten sie vor allem ausgewählte Konzerte in Los Angeles, wo sie sich schnell als Geheimtipp etablierten. Ihr Projekt ist flexibel: Mal als Duo auf Europatour, mal als sechsköpfige Band mit kraftvoller Bühnenenergie.
Auch kulturell ist Rio Kosta ein globales Projekt: Kostas griechische Wurzeln treffen auf Einflüsse aus den Bahamas, während Mike seine spanisch-italienische Herkunft, seine Zeit in New York und persönliche Erfahrungen in die Musik einbringt. Ihre Songs überschreiten Genre- und Ländergrenzen mühelos.
Nun ist die Zeit gekommen, diese energiegeladene, lebensbejahende Musik in die Welt zu tragen - mit Tourplänen in Asien, Südamerika und Europa. Für Mike bleibt dabei eines zentral: "Chemie ist etwas Heiliges. Freundschaft ist etwas Heiliges. Und wenn man beides hat, muss man es beschützen. Genau da stehen wir gerade."