"Wie hams die so gut versteckt - warum hat die nie wer entdeckt"
Das Schönste kommt zum Schluss. "Wo da Mond wond" von Alex Miksch. Das schönste österreichische Album 2026. Der Nino aus Wien produzierte es gemeinsam mit Manuel Poppe, dem Gitarristen von Wanda.
Das erste Mal Nino aus Wien in der Rolle als Produzent für einen Artist (bei Manu wohl dasselbe); und dann gleich so eine Platte! In Zeiten seelenloser, stromlinienförmig optimierter Computer-Musik führt "Wo da Mond wond" dorthin zurück wo Musik mal zu Hause war. Im Herzen, in der Seele, im Blues.
Doch es war kein einfacher Weg, auf dem dieses Werk mich fand. Nach und nach schickte mir mein alter Weggefährte Nino Infos, Rough Mixes, und schließlich das ganze Album.
Ich hatte mich da schon längst verliebt. Verliebt in einen fast 60 Jährigen, verlebten Dandy aus Niederösterreich mit Stimmbändern die schon einiges hatten verkraften müssen. Enttäuschungen, Seelennarben, Einfahrer und enorm viel flüssiges Nervengift.
Blöd nur, dass unser Beziehungsstatus mit "es ist kompliziert" zu titulieren war. Alex und ich kannten einander nicht persönlich (so sehr ich seine Rolle als Sandler "Winnie" im Voodoo Jürgens-Film "Rickerl" verehrte), als ich via Nino bat die Möglichkeit zu bekommen dieses epochale Dark Night of The Soul-Album, diese Lebensplatte eines ewig unterschätzten Schamanen zu releasen.
Aber da war die Sache mit dem Buch. In meiner 2025 erschienenen Biografie "Der Problembär" hatte ich Miksch in einem Nebensatz als einen alten Rock’n’Roller beschrieben, der quasi aus schludriger Gemütlichkeit heraus Blues-Musik mache.
Miksch hasste die Beschreibung die ihm da ein ihn persönlich nicht mal kennender Besserwisser vorschnell übergestülpt hatte, und Nino richtete mir Mikschs Antipathie, für mich und mein Geschreibsel, wieder und wieder genüsslich aus.
Aber da war nun dieses magisch funkelnde, mich anziehende Album, das ich liebte, und welches noch dazu bei mir im Keller aufgenommen worden war (Nino mietet seit einigen Jahren nämlich den Keller des Lotterlabel Headquarters als sein persönliches Studio).
Als ich Nino daraufhin bat zu vermitteln, richtete er mir aus Miksch fände die Idee, das ich hier mitwirken könne bizarr und mich sowieso suspekt. Darüber betrübt, hatte ich mich bereits verabschiedet dieses vermeintliche Herzensprojekt betreuen zu dürfen.
Dann dachte Miksch nochmal nach, und meinte zu Nino: "Urteile nie über einen Mann, wenn du nicht eine Meile in seinen Mokassins gegangen bist.". So kam es zum Treffen; ich überreichte Miksch meine ausgelatschten Lieblingsespandrilos und er ging noch in derselben Nacht eine Meile darin. Danach war alles gut. Der Kosmos hatte gesprochen, der Mond sein Okay gegeben.
Und ja was soll ich sagen; auch auf die Gefahr hin mich wieder unbeliebt zu machen. Das hier ist Blues. Nicht irgendein Blues. Der beste, der österreichischste Blues ever.
"Wo da Mond wond" ist poetisch, rau, beseelt und die Art Musik, die auch im Jahr vierundsiebzigtausend nicht von einer fucking KI reproduziert werden wird. Zeitlos relevant kratzt, ächzt, wurlt und foat es. Das was man verstehen kann ist Lyrik aus dem obersten Regal. Das was man nicht verstehen kann ist alles und mehr.
Ein Mann, eine Gitarre, und die Wahrheit. Platte des Jahres. Krems rocks!
Text: Stefan Redelsteiner