Wien klingt anders. Nicht das große Repräsentationsgestus, nicht die höfische Glätte – sondern das Raunzen, das Vernuscheln, die Schwermut, die sich in eine Pointe auflöst. David Bergmüller setzt seine Reise fort: Nach Rhétorique du Silence, dem Album, das Ohren wachsen ließ, führt ihn die Tournée diesmal nach Wien – zu einer Musik, die so klingt, als hätte sie die Stadt selbst komponiert.
Johann Georg Weichenberger (1691–1739) ist das Zentrum dieses Programms und eine längst überfällige Entdeckung. Was Sylvius Leopold Weiss für das preußische Klangideal bedeutet – präzise, architektonisch, nördlich klar –, das verkörpert Weichenberger für die Habsburger: improvisatorisch, innig, von einer warmen Melancholie, die man in Wien für selbstverständlich hält. Sein Spiel trägt den Dialekt der Stadt.
Bergmüller begegnet dieser Musik mit virtuoser Lyrik und jenem feinen Gespür für das, was zwischen den Tönen liegt. Wieder öffnen sich die Ohren. Wieder entfaltet die Laute ihre stille Rhetorik – diesmal mit Wiener Akzent.