Berlin in den Goldenen Zwanzigern: Die Stadt tanzt. Charleston, Paso Doble und Foxtrott bestimmen das Lebensgefühl einer Epoche zwischen Aufbruch und Abgrund. Im legendären Hotel Adlon messen sich Tanzpaare bei Wettbewerben um die schnellsten Beine, während Ballhäuser, Revuen, Varietés und Nachtclubs das pulsierende Nachtleben prägen. Für den musikalischen Soundtrack dieser Zeit sorgt im Adlon der jüdische Geiger Marek Weber, dessen Orchester Abend für Abend mit einem unverwechselbaren Stil die Tanzfläche füllt und Unterhaltungsmusik auf höchstem Niveau präsentiert. Doch hinter der glanzvollen Fassade der "Goldenen Zwanziger" zeichnen sich bereits die politischen Umbrüche ab. Bereits 1917 wird auf Anordnung der Obersten Heeresleitung unter General Ludendorff die Universum Film AG (UFA) gegründet. Ursprünglich als Instrument filmischer Propaganda im Ersten Weltkrieg gedacht, entwickelt sie sich nach Kriegsende zum bedeutendsten Filmstudio Europas. Mit Meisterwerken wie "Dr. Mabuse", "Die Nibelungen", "Faust" oder "Metropolis" setzt die UFA internationale Maßstäbe. 1929 beginnt mit "Melodie des Herzens" schließlich die Ära des Tonfilms. Die UFA macht Persönlichkeiten wie Marlene Dietrich, Hans Albers, Heinz Rühmann, Zarah Leander, Lilian Harvey, Marika Rökk oder Renate Müller zu unvergessenen Stars. Ebenso prägen Komponisten und Textdichter wie Friedrich Hollaender, Werner Richard Heymann, Ralph Benatzky, Theo Mackeben, Michael Jary, Franz Grothe, Peter Kreuder, Lothar Brühne und Bruno Balz den Klang einer Epoche, deren Lieder bis heute nachwirken.
Mit ihrem neuen Konzertprogramm widmen sich Nina Proll, die Sinfonietta da Camera Salzburg und Dirigent Peter WesenAuer dieser faszinierenden Zeit zwischen Glamour, Unterhaltung und politischer Vereinnahmung. Dabei entsteht weit mehr als ein Konzert: Nina Proll erzählt die bewegenden Lebensgeschichten jener Künstlerinnen und Künstler, deren Karrieren untrennbar mit dem frühen österreichisch- deutschen Tonfilm verbunden sind. Sie zeigt, wie unterschiedlich Marlene Dietrich, Zarah Leander, Hans Albers, Heinz Rühmann und viele andere auf den Nationalsozialismus reagierten - zwischen Emigration, Anpassung, Opportunismus und persönlichem Widerstand. Die unvergesslichen Melodien dieser Epoche werden dabei in sinfonischen Arrangements lebendig und verbinden sich mit den biografischen Erzählungen zu einem ebenso berührenden wie nachdenklichen Abend. So entsteht ein eindrucksvolles musikalisches Porträt einer Zeit, in der Kunst und Unterhaltung auf einzigartige Weise erblühten - und zugleich zunehmend von einem totalitären Regime vereinnahmt wurden. "Jawohl meine Herren!" ist eine Hommage an die großen Stars des frühen Tonfilms und zugleich eine eindringliche Erinnerung daran, dass hinter den unvergessenen Liedern oft bewegende, widersprüchliche und schicksalhafte Lebensgeschichten stehen.
Nina Proll - Gesang & Moderation
Sinfonietta da Camera Salzburg
Peter WesenAuer - Dirigent