Am 20. September kicken beim Band Fußball Cup im SV Donau erneut illustre Namen von Chris Steger bis Billie Steirisch, von Lucas Fendrich bis Heinz aus Wien für den guten Zweck: Es ist ein starkes Statement für Fairplay, das vom Platz hinaus in die Welt getragen werden soll.
Schielt man in die eine Bubble, bekommt man gerne ein stereotypes Weltbild kredenzt: “Eine Frau würde im Wald lieber einem Bären als einem Mann begegnen”, titelt seit wenigen Jahren ein viraler Internet-Trend, der erst im Frühjahr wieder von der Grünen-Chefin Judith Pühringer befeuert wurde. Es geht um ein emotionales Befinden: Frauen haben Angst im öffentlichen Raum, insbesondere nachts oder im Party-Umfeld. Der – jeder! – Mann ist Chiffre für eine potenzielle Gewalterfahrung, doch dabei wird dieser Übergriff, diese Gefährlichkeit einem Merkmal zugeschrieben, das sich der Betroffene nicht aussuchen kann, weil es angeboren ist – seinem Geschlecht. Ja, Gewalt an Frauen wird zu einem überwiegenden Gros von Männern verübt, aber zitieren wir an dieser Stelle einmal den deutschen Publizisten Sascha Lobo: “Zivilisiert zu sein bedeutet, nacheinander neun Schwarzhaarigen zu begegnen, die sich alle als Arschlöcher erweisen, und trotzdem dem zehnten Schwarzhaarigen nicht deshalb in die Fresse zu hauen.”
Schielt man wiederum in eine andere Bubble, wird donnernd lachend gegrölt: “Frauenfußball ist doch kein richtiger Fußball!” Ja: Männerfußball ist mehr als “nur Sport”, Männerfußball ist die vermutlich größte massenverbindende Projektionsfläche und Klugscheißer-Veranstaltung der Welt. Dem Frauenfußball hingegen fehlt diese aufgeladene Historie, dieser Mehrwert, den Mythen und Heldengeschichten liefern – ebenso legendäre Triumphe (Cordoba!!!!!) wie auch Niederlagen, über Jahrzehnte gepflegte, kultivierte Rivalitäten. Dem Frauenfußball fehlt die Hyperpräsenz, der für den – Entschuldigung, liebe hypermaskuline Machos! – täglichen Tratsch über Kaderschwächen und vercoachte Spiele nötig ist.
Und natürlich gibt es zwischen den Männer- und den Frauenteams Unterschiede bei der Athletik und Dynamik – wenngleich bei den Frauen dafür tendenziell weniger theatralisches Drama als bei den Männern herrscht: Aber in beispielsweise England befindet sich der Frauenfußball deutlich im Aufwind, und (natürlich) in den nordischen Ländern sind die Frauen in Sachen Gleichberechtigung auf dem Rasen ein gutes Stück weiter als im Rest Europas; Stars wie die Dänin Pernille Harder und die Schwedinnen Kosovare Asllani und Fridolina Rolfö genießen hohes Ansehen. Giulia Gwinn (Bayern München) wurde soeben von den Mitgliedern des Verbands Deutscher Sportjournalisten zum zweiten Mal in Folge zur Fußballerin des Jahres gewählt. Alexia Putellas, die erst im Sommer von Barcelona zu London City Lionesses wechselte, wurde gerade zur besten Spielerin der Champions-League-Saison 2025/26 gewählt, die Haitianerin Melchie Dumornay war entscheidend daran beteiligt, dass OL Lyonnes Arsenal aus der Champions League warf und die Jamaikanerin Bunny Shaw (Manchester City) wird von Sky Sports als eine der besten Spielerinnen überhaupt gehandelt. Ebenfalls hervorzuheben: Ewa Pajor vom FC Barcelona – eine Killer-Stürmerin.
Das Scheuklappen-Denken dieser beiden extremen Bubbles hebelt ausgerechnet eine österreichische Initiative aus: der Band Fußball Cup, 2019 von Alkbottle-Sänger Roman Gregory initiiert und von Irena Blagojevic nicht nur umgesetzt, sondern vor allem kontextualisiert und sozialpolitisch verankert. Am 20. September geht dieses Event erneut im SV Donau über die Bühne – oder besser: über den Rasen. Aber: Was passiert da eigentlich?
Sechs bunt zusammengemischte Teams treten am Rasen gegeneinander an: Was sie eint, ist, dass alle Spieler*innen einerseits aus der heimischen Musik-, Kabarett- und Social-Media-Bubble kommen – und, dass sie andererseits im “Brotberuf” mit Fußball tatsächlich so gar nichts am Hut haben, außer vielleicht zu EM- und WM-Zeiten Hobbytrainer zu sein: in der Vergangenheit bereits so illustre Namen wie Voodoo Jürgens und Marco Wanda, diese Saison Chris Steger, Billie Steirisch, Lucas Fendrich, Heinz (aus Wien), Georgij Makazaria, Lika Doss und viele mehr.
Diese bunt gemischten Teams, die männlich wie weiblich sind, normalerweise Popmusik, Heavy Metal oder lustige Reels machen, treten (wie im Fußball nun mal so üblich) gegeneinander an. Natürlich mit einem gewissen Funken an sportlichem Ehrgeiz, aber in erster Linie mit gemeinsamen Spaß und gelebten Teamgeist. Beim Band Fußball Cup geht es in erster Linie nämlich nicht um den Torschützenkönig oder die Torschützenkönigin (einen von gabarage gestalteten Pokal gibt’s trotzdem), sondern um ein Statement: “Der Band Fußball Cup schafft einen unbeschwerten Rahmen für Spaß und Begegnung und macht Männer als positive Vorbilder für Respekt und Gleichberechtigung sichtbar”, erklärt Irena Blagojevic. Denn “Fairplay” soll, darf und muss nicht nur im sportlichen Umfeld, sondern auch im darüberhinausgehenden zwischenmenschlichen eingefordert und tatsächlich auch gelebt werden: Ein klares Nein zu Gewalt an Frauen kann nicht nur von Frauen kommen, auch Männer sind – tatsächlich – Teil der Lösung, Gewaltprävention kennt tatsächlich keine Geschlechter.
“Fairplay”, das heißt im Privaten für Roman Gregory einfach “Teamarbeit”: “Wenn jede*r bereit ist, für den anderen zu kämpfen und ihn zu unterstützen, dann gewinnt man gemeinsam auch am Ende.” Das heißt nicht, dass es “im Team” nicht zu Meinungsverschiedenheiten kommen kann: Letztlich muss man sich am Ende des Tages nur sicher sein, dass “das Zusammenleben auf Respekt und Liebe, Verständnis und Vertrauen basiert.”
Allerdings lebt der Band Fußball Cup nicht nur für einen Tag vor, um wie viel die Welt besser aussehen könnte, würden sich alle an eigentlich selbstverständliche Regeln oder Gepflogenheiten halten, zudem geht der Reinerlös der Tickets – schmale 20 Euro+ pro Kopf – an die Wiener Frauenhäuser und White Ribbon Österreich, in der Geschichte des Band Fußball Cups wurden bereits deutlich über 100.000 Euro gespendet: “Beim Band Fußball Cup geht es um mehr als Tore und Töne: Musik und Sport bringen Menschen zusammen. Wenn wir dabei Freude schaffen, Frauen und Kinder unterstützen und Gewaltprävention stärken, haben wir unabhängig vom Ergebnis gewonnen”, so Gregory.
Apropos Töne: Es wird nämlich natürlich nicht nur gekickt – zum Programm gehört auch Live-Musik von Roman Gregory selbst, aber auch von Nana Falkner, die man in Wien vielleicht schon bei den U-Bahn-Stars oder bei The Voice of Germany für sich entdeckt hat. Sie hat dieses Frühjahr ihr Debütalbum “Selbstgespräche” vorgelegt: Musikalisch möge man sich selbst einen Eindruck vom Album machen, hervorgehoben sei jedoch das Lied “Toller Tag”: Da singt sie über die Benachteiligung von Frauen, eine Zeile heißt „Heute im Patriachat hab‘ ich wieder Pech mit meinem Geschlecht“.
Hoffentlich ist der Band Fußball Cup nicht allein auf weiter Flur, sondern Teil einer immer stärker werdenden gesellschaftlichen Entwicklung, die Zeilen wie diese in möglichst naher Zukunft nach Science Fiction oder wie aus dem Geschichtsbuch klingen lässt: Es wäre Frauen wie Nana Falkner, Billie Steirisch und Irena Blagojevic, aber auch den BFC-Moderatorinnen Caroline Athanasiadis (Kernölamazonen), Ina Jovanović ("Offline") und Verena Titze, sowie natürlich auch allen anderen zu wünschen.