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Konzerte

Der Eurovision Song Contest 2026 naht in großen Schritten

25.09.2025 von Stefan Baumgartner

Nach dem diesjährigen Gewinn des Eurovision Song Contest von JJ mit “Wasted Love” in Basel ist Wien kommenden Mai - nach 1967 und 2015 - zum dritten Mal Austragungsort des ESC. Bis dahin gibt es aber noch einiges zu erleben - und zu erledigen.

Wer die letzten Monate nicht unter einem Stein verbracht (oder den Winterschlaf vorgezogen) hat, dem wird es nicht entgangen sein, dass Johannes Pietsch alias JJ mit “Wasted Love” beim Eurovision Song Contest Mitte Mai in Basel sowohl das Publikum als auch die Jury überzeugen konnte - und in der Gesamtwertung dann tatsächlich den ersten Platz für Österreich geholt hat! Demzufolge findet der Wettbewerb kommendes Jahr, erneut Mitte Mai - Trommelwirbel! -, in Österreich statt.

Erst zweimal kam Österreich in der siebzigjährigen Geschichte zum Handkuss: 1966 gewann Udo Jürgens mit “Merci, Chérie” in Luxemburg - insofern fand der ESC im Folgejahr im Großen Festsaal der Wiener Hofburg statt. Und 2014 gewann Conchita Wurst mit dem Titel “Rise Like a Phoenix” in Kopenhagen, ergo wurde der ESC 2015 in der Wiener Stadthalle ausgetragen.

Nun, 11 Jahre später, kommt erneut die Wiener Stadthalle zum Handkuss: Zwar haben auch andere österreichische Städte (mehr oder weniger realistisches) Interesse gezeigt, Austragungsort zu werden - offiziell eine Bewerbung eingereicht haben jedoch nur Wien mit der Stadthalle und Innsbruck mit der Olympiahalle. Im August gab der ORF schließlich bekannt, dass der ESC 2026 in der Hauptstadt stattfinden werde. Bis dahin fließt jedoch noch einiges an Wasser die Donau hinab.

JJ: schon wieder vergessen?

Vor dem ESC hatten wohl nur wenige Österreicher*innen den Countertenor JJ am Schirm: Einem größeren Publikum war er bisher lediglich von der Staatsopernbühne (und vielleicht aus der ORF-Show “Starmania”) bekannt. Und auch nach dem ESC hielten sich seine öffentlichen Auftritte in Grenzen: Im Juni war er etwa im Rahmen der Starnacht am Neusiedler See und der Vienna Pride zu sehen und zu hören. Dieses Leisetreten ist für einen ESC-Gewinner eigentlich ziemlich ungewöhnlich und beinah musste man schon vermuten, dass sich JJ wieder in sein gewohntes Habitat, die Hochkultur, begeben und er für die Welt der kontemporären Popmusik eine “Eintagsfliege” bleiben würde.

Doch weit gefehlt! Anfang September veröffentlichte JJ seine nach “Wasted Love” zweite Single “Back to Forgetting” - mit weniger Pathos als noch beim ESC-Beitrag, etwas poppiger, etwas elektronischer, aber natürlich mit ganz viel Herzschmerz. Ob die (nahe) Zukunft noch weitere neue Musik oder gar Livekonzerte bringen wird, das steht indes weiterhin in den Sternen: Allein seinen Wunsch, den ESC 2026 nun zu moderieren, den hat JJ inzwischen wieder zurückgezogen.

Diese Entscheidung fußt vielleicht auch auf einem etwas unglücklichen Interview, das er spanischen Medien gab: Darin wünschte er sich einen Ausschluss Israels vom Wettbewerb, solange die Offensive in Gaza anhalte - und verglich die dortige Situation mit dem Überfall Russlands auf die Ukraine. Dies führte zu einer heftigen Welle an Kritik, etwa von der österreichischen Bundesregierung, von Bundespräsident Van der Bellen und naturgemäß von jüdischen Vertretungen.

Kein Platz für Aggressoren!

Der Vergleich von Russland mit Israel mag zwar auf den ersten Blick naheliegend sein und einer nicht unbeträchtlichen Menge an Kulturschaffenden nach dem Mund reden, jedoch gibt es hier ein großes Aber: Veranstaltet wird der ESC von der Europäischen Rundfunkunion (EBU), teilnahmeberechtigt sind somit genau genommen nicht “alle europäischen Länder”, sondern de facto die angehörigen Rundfunkanstalten der europäischen, aber auch sogar einiger westasiatischer und nordafrikanischer Staaten. Dementsprechend entsendet auch etwa der ORF und nicht “der Staat Österreich” seine*n Kandidat*in.

Korrekt ist, dass die russischen Staatssender Perwy kanal und WGTRK 2022 als Reaktion auf den Überfall auf die Ukraine von der EBU suspendiert wurden - und Russland somit auch 2026 nicht am ESC teilnehmen wird. Das dortige Interesse dürfte jedoch ohnehin marginal sein, wird der Songcontest doch als zu queer und daher “pervers” empfunden. Somit war es naheliegend, dass Präsident Putin dieses Jahr den “Intervision”-Songcontest aus der Sowjetära mit dem Ziel, eine konservative, antiwestliche Gegenveranstaltung auf die Bühne zu bringen, wiederbelebt hat. 23 Acts aus etwa Ägypten, Kuba, Saudi-Arabien und China traten da am 20. September in der Live Arena nahe Moskau vor 11.000 Zuschauern auf - gewonnen hat dann Duc Phuc aus Vietnam. Das ist insofern verwunderlich, weil er als queer verortet wird, in seinen Liedern durchaus homosexuelle Liebe thematisiert - und sein Gewinnersong zudem auch noch antichinesisch sein soll, was wiederum dem mit Putin verbündeten Regime nicht sonders gefallen dürfte.

Der BR zitierte einen Blogger, der es so zusammenfasst: “Sie wollten also unbedingt ein Gegengewicht zum dämonischen, sodomitischen Eurovision Song Contest schaffen, indem sie ihren eigenen, richtigen und ordentlichen Wettbewerb veranstalteten, und zeichneten einen offen schwulen Mann aus Vietnam mit einem Lied über den Kampf gegen die chinesischen Invasoren aus. Tolle Arbeit, Mann.”

Richtig ist auch, dass JJ mit seiner Kritik weder in der ESC-Bubble noch in der Bubble der Kulturschaffenden allein auf weiter Flur ist: Bereits heuer wurde, wie auch schon in den Vorjahren, im Vorfeld des Wettbewerbs Kritik an der Teilnahme Israels geäußert und der Ausschluss des israelischen Senders KAN gefordert. Der diesjährige ESC in Basel wurde begleitet von Protesten - in den Straßen, aber auch in der Halle. Ein versuchter Farbanschlag auf die israelische Sängerin Yuval Raphael - übrigens eine Überlebende des Massakers während des Supernova-Festivals am 7. Oktober 2023 - wurde von Sicherheitskräften verhindert.

Anders als Russland wurde Israel jedoch von der terroristischen Hamas überfallen und besteht auf seiner Verteidigung - wenngleich man durchaus mit der Meinung d'accord gehen mag, dass sie mittlerweile unverhältnismäßig geworden ist. Anders als in Russland wird in Israel heftig gegen den Krieg und Benjamin Netanjahus Politik demonstriert - und auch der Sender KAN behält sich eine deutlich objektivere Berichterstattung als das russische Staatsfernsehen vor: Die russischen Sender sind staatliche Propagandaorgane, agieren als Sprachrohr des Kremls, während die Israeli Broadcasting Corporation die Regularien - journalistische Standards und eine pluralistische Struktur - ihrer Regierungsnähe zum Trotz sehr wohl (zumindest formell) erfüllt. 

Dennoch: Die Anmeldefrist für den ESC 2026 für die EBU-Mitglieder lief am 15. September aus, 27 Länder - darunter einige unter Vorbehalt - haben ihre Teilnahme bisher öffentlich bestätigt. Bis Mitte Dezember haben die Sender nun noch die Möglichkeit, sich ohne Vertragsstrafe wieder von der Teilnahme zurückzuziehen: Bis dahin wird es wohl eine Entscheidung von Seiten der EBU geben müssen, ob Israel 2026 Teil des bunten Reigens sein wird.

Fixstarter Österreich: Gewinnen wir den Schas erneut?

Während Länder wie Belgien, Irland, Italien, die Niederlande, Polen, Spanien und Slowenien mit ihrer Zusage noch zögern, und dies von einer etwaigen Teilnahme Israels abhängig machen, ist Österreich kommendes Jahr natürlich Fixstarter: Das austragende Land muss sich auch nicht erst durch das Halbfinale quälen, sondern ist gleich im Finale gesetzt.

Welche*r Künstler*in Österreich 2026 beim Eurovision Song Contest vertreten wird, ist natürlich noch nicht bekannt - jedoch eine Änderung wird es geben: Der ORF wählt seinen Beitrag erstmals seit 2016 wieder im Rahmen einer nationalen Vorentscheidung, diese soll am 20. Februar unter dem Titel “Vienna Calling – Wer singt für Österreich?” stattfinden. Interessierte Einzelkünstler*innen oder Bands können sich noch bis zum 15. Oktober beim ORF direkt bewerben, aus allen Einreichungen wird der ORF die Teilnehmer*innen für den Vorentscheid selbst wählen.

Übrigens: Wer beim diesjährigen ESC genau hingehört hat, wird sich vielleicht gewundert haben, warum JJ gejubelt hat, er hätte den “Schas” gewonnen. Dass in Österreich der Eurovision Song Contest gemeinhin - und gar nicht abwertend - auch gern als “Schas” bezeichnet wird, geht tatsächlich auf einen dieser Vorentscheide vom ORF zurück! 2011 trat nämlich Alkbottle bei der Show “Düsseldorf, wir kommen!” mit dem Song “Wir san do ned zum Spaß” im Vorentscheid an. Der Refrain sollte lauten: “Wir san do ned zum Spaß - wir g'winnen euch den Schas!” Allerdings mussten Alkbottle nach Intervention vom ORF die Zeile abändern, weil beim ESC keine böse Fäkalsprache erlaubt ist. Wieso der “Schas” dann trotzdem österreichisches Kulturgut wurde und wieso sogar die edle Conchita Wurst gejubelt hat, sie hätte den “Schas” gewonnen, lest ihr [an dieser Stelle] bei uns am HEADLINER!

Die quälende Frage: Gewinnen wir "den Schas" dann 2026 erneut? Fußballfans wissen immerhin vom “Heimvorteil” zu berichten. Die bisherigen Statistiken sprechen jedoch gegenteilig: Bei unserem letzten Heimvorteil wurden The MakeMakes mit 0 Punkten auf den vorletzten Platz gewählt, 1967 erlangte der österreichische Repräsentant Peter Horton mit 2 Punkten immerhin den vorvorletzten Platz. Die Wahrscheinlichkeit, dass Wien den ESC auch 2027 ausrichten und erneut einige Millionen locker machen muss, ist somit natürlich gegeben - aber nicht gesetzt. Vielleicht erspart uns dies dann zumindest eine weitere Erhöhung der Jahreskartengebühr der Wiener Linien.

Noch sind keine Tickets für den Eurovision Song Contest, der zwischen 12. und 16. Mai 2026 in der Wiener Stadthalle stattfindet, verfügbar. Meldet euch gleich beim oeticket-Ticketalarm an, um informiert zu werden, sobald der Vorverkauf startet!

Ticketalarm Eurovision Song Contest

Konzert-Tipps für die Bubble

Warten tut ja niemand gerne. Deswegen gibt es in den kommenden Monaten natürlich auch einige Gelegenheiten, die Zeit mit passenden Konzerten zu überbrücken!

Bereits am 4. Oktober präsentiert die OAGE Austria, Österreichs offizieller ESC-Fanclub, mit “Eurovision Live 2025" in der Wiener Stadthalle gewissermaßen die erste große Pre-Party zum Eurovision Song Contest! Angeführt von der irischen Gewinnerin Eimear Quinn (1996) treten außerdem noch auf: Österreichs Vertreterin Paenda (2019), Tschechiens Adonxs (2025), Chiara aus Malta (1998, 2005, 2009), Estlands Victor Crone (2019), Justs aus Lettland (2016) sowie Jacqline aus dem schwedischen Vorentscheid Melodifestivalen (2024).

Ebenfalls am 4., aber auch am 5. Oktober gastieren die diesjährigen ESC-Kandidaten Deutschlands, Abor & Tynna, im Rahmen ihrer “Bittersüß”-Tour im Flex, am 8. Oktober dann im Linzer Posthof. Auch wenn sie für unseren großen Nachbarn angetreten sind: Das Geschwisterpaar Abor & Tynna kommt aus Wien und hat eine durchaus treibende Fusion aus Electro, Discopop und massivem 80ies-Flair im Gepäck - kein Wunder, dass sie damit auch schon im Vorprogramm der großartigen Nina Chuba begeistern konnten!

Joker Out ist eine der jüngsten Indie-Rock-Bands, die in Slowenien in den letzten Jahren so richtig für Furore gesorgt hat. Mit ihrem furiosen Auftritt und “Carpe Diem” beim Eurovision Song Contest 2023 eroberten die Burschen aber nicht nur die Herzen der slowenischen Fans im Sturm - sondern gleich europaweit! Bereits vergangenen Dezember gaben sie eine ausverkaufte Show im Wiener Flucc, deswegen freuen wir uns, dass sie nun am 22. November im Flex nachlegen und eine gehörige Portion Rock'n'Roll, aber auch den einen oder anderen Ohrwurm in der dampfenden Hütte verteilen werden!

Lange vor seinem Eurovision-Debüt war Tommy Cash bereits international gefeiert, doch mit seinem Auftritt in Basel und dem Song “Espresso Macchiato” gelang ihm der Sprung in den Mainstream und an die Spitze der globalen Charts - natürlich insbesondere in Italien, wo er generationsübergreifend gefeiert wird. Tommy Cash war diesen Sommer bereits eines der ganz großen Highlights am FM4 Frequency, doch er kriegt von Österreich nicht genug: Am 24. November wird er in der Raiffeisen Halle im Gasometer Kaffee brühen!

Als erste nichtbinäre Person gewann Nemo 2024 für die Schweiz mit “The Code” den Eurovision Song Contest und brach in der Musik, Gender und Ästhetik jegliche Grenzen. Zwischen Rap, pompösem und theatralischem Pop und opereskem Gesang und mit schwindelerregenden Tanzeinlagen machte die Performance in Malmö Nemo über Nacht weltbekannt. Im Oktober folgt nun sein Debütalbum “Arthouse”, die aktuelle Single “God's A Raver” gibt schon einen guten Einblick, was uns darauf erwarten wird! Am 5. Dezember wird er uns dann in der SIMMCity besuchen, begleitet von “unserer” Felicia Lu, die übrigens auch am 11. Oktober im dasWERK ihr neues Album “The Bittersweet” präsentieren wird!

Mit balladesker Musik zwischen verträumtem Achtziger-Jahre-Italopop, sanftem Folk-Rock und wehmütigem Blues begeistert Lucio Corsi sein italienisches Publikum bereits seit anderthalb Jahrzehnten, dieses Jahr gelang dem Italiener schließlich der internationale Durchbruch: Nach seiner erfolgreichen Teilnahme am Sanremo Festival wurde er mit der Liebesballade “Volevo essere un duro” als Teilnehmer für den Eurovision Song Contest 2025 für Italien ins Rennen geschickt und landete schließlich auf Platz fünf. Grund genug, am 3. Februar in die SimmCity zu schauen und sich das Herz erwärmen zu lassen!


Live-Termine


Abor & Tynna - "Bittersüß"

04. und 05. Oktober 2025 | Wien, Flex
08. Oktober 2025 | Linz, Posthof


Infos auf dem Stand vom 24.09.2025  

Tickets Abor & Tynna


Live-Termine


Joker Out

22. November 2025 | Wien, Flex


Infos auf dem Stand vom 24.09.2025  

Tickets Joker Out


Live-Termine


Tommy Cash

24. November 2025 | Wien, Raiffeisen Halle im Gasometer


Infos auf dem Stand vom 24.09.2025  

Tickets Tommy Cash


Live-Termine


Nemo - "Arthouse"

05. Dezember 2025 | Wien, SimmCity


Infos auf dem Stand vom 24.09.2025  

Tickets Nemo


Live-Termine


Lucio Corsi

03. Februar 2026 | Wien, SimmCity


Infos auf dem Stand vom 24.09.2025  

Tickets Lucio Corsi
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