Bild: Alkbottle.at
“Leitln, wir hab'n den Schas gewonnen!” - diesen Spruch haben sowohl Ö3-Moderator Andi Knoll, Stermann & Grissemann, als auch Conchita bei ihrem ESC-Gewinn 2014 in Kopenhagen sowie JJ bei seinem diesjährigen ESC-Gewinn in Basel gebracht. Für unwissende Ohren muss es sich seltsam anhören, wenn jemand den ESC als “Schas” bezeichnet - insbesondere in der Euphorie. Dabei ist der Spruch schon seit über einem Jahrzehnt österreichisches Kulturgut - und geht zurück auf den ESC-Vorentscheid aus dem Jahre 2011, als sich die Wiener Kultband Alkbottle um die Teilnahme für den Eurovision Song Contest bewarb …
Wenn man heute von “österreichischer Musik” spricht, dann fallen in erster Linie wohl Namen wie Seiler & Speer, Josh., Wanda, Voodoo Jürgens und Bilderbuch, wenn man etwas wilder unterwegs ist, Namen wie Belphegor, Pungent Stench und Mortal Strike. Und ältere Semester weinen Falco oder der EAV immer noch eine Träne nach, finden aber in Rainhard Fendrich oder Wolfgang Ambros ihr Seelenheil. Wenn man wie ich aber ein Millennial ist, kommt man auch an einer Band nicht vorbei: Alkbottle.
Alkbottle wurden 1990 von Roman Gregory gegründet, der insbesondere mit den ersten vier Alkbottle-Alben “No Sleep Till Meidling” (1993), “Blader, fetter, lauter & bissl mehr” (1994), “Wir san auf kana Kinderjausn” (1995) und “Trivialkbottle” (1997) das Meidlinger “L” salonfähig gemacht hat - und über das ich an der Universität Wien sogar eine Seminarbeit geschrieben habe! Ihr Kult-Status verhalf ihnen sogar zu Konzerten im Vorprogramm von KISS, Bon Jovi, ZZ Top, Deep Purple und Ozzy Osbourne, bevor sich Roman Gregory in den frühen Nullerjahren seiner Solo-Karriere widmete - unter anderem mit seinem “Dean Martin”-Programm, gemeinsam mit Russkaja-Sänger Georgij oder im Musical “Falco Cyber Show”.
Doch Alkbottle kamen wieder und bewarben sich 2011 sogar für den Eurovision Song Contest: Bei der ORF-Show “Düsseldorf, wir kommen!” traten sie mit dem Song “Wir san do ned zum Spaß” im Vorentscheid an. Der Refrain sollte lauten: “Wir san do ned zum Spaß - wir g'winnen euch den Schas!” Allerdings mussten Alkbottle nach Intervention vom ORF die Zeile abändern, weil beim ESC keine böse Fäkalsprache erlaubt ist. Außerdem schickte Österreich statt Alkbottle Nadine Beiler mit “The Secret Is Love” nach Düsseldorf. Doch: Mit “Wir g'winnen euch den Schas!” haben Alkbottle trotzdem nachhaltig österreichische ESC-Geschichte geschrieben.
In den Folgejahren wurde es stiller um Alkbottle, bevor im März 2021 Roman Gregory die endgültige Auflösung von Alkbottle bekannt gab. Allerdings war das endgültige Aus nur von kurzer Dauer: Im Dezember 2024 spielte Alkbottle drei ausverkaufte (!) und frenetisch umjubelte Weihnachtskonzerte im legendären U4 - und auch die Zukunft schaut rosig aus, wie uns Roman Gregory im Interview verrät: Wir sprachen nicht nur über die Vergangenheit und die Zukunft des ESC, sondern auch darüber, dass Alkbottle nun tatsächlich wie “Phönix aus der Flasche” aufsteigen wird. Aber: Lest selbst!
Es ist halt kein Mitsing-Lied, sondern eher ein Kunstwerk. Ich habe den Song von Anfang an mögen. Dramatisch, außergewöhnlich und verdammt gut arrangiert, inszeniert und interpretiert. Da hat diesmal alles gepasst.
Den habe ich jetzt auch nicht so schlecht gefunden. Sie hat schon eine lässige Art zu singen. Vielleicht insgesamt ein bissl zu unspektakulär für den ESC und musikalisch hätte es meiner Meinung nach ruhig mehr ballern können.
Das war eine Ho-Ruck-Schnapsidee, die gemeinsam mit dem Privatradiosender 88.6 entstanden ist. Wir waren schon glaublich spät dran damit, zwei Wochen vor der Einreichfrist haben wir dann den Song geschrieben und fertig produziert. Wir haben gehofft, dass wir dann einen guten Promotioneffekt für unser nächstes Album erzielen können, was aber dann eher nicht der Fall war. Wir waren danach medial ausgeblutet, kann man sagen.
Es hat sich bewährt, wenn man junge, unverbrauchte Leute da hinschickt. Die machen jeden Scheiß mit, zicken nicht herum und haben keine Sonderwünsche.
Genau weiß ich das auch nicht, aber ich denke, die kostenpflichtigen Wählerstimmen aus unserer Fangemeinde waren dem ORF sicher nicht unangenehm.
Da wir ja kaum Zeit hatten uns Gedanken zu machen, hätte das nichts anderes als ein selbstbewusstes Statement werden sollen, dass wir den Schas wieder mal gewinnen wollen. Dieses Selbstbewusstsein war ja diesem Land zu der Zeit wegen der vielen Niederlagen schon länger abhanden gekommen.
Ich glaube nicht, dass wir dort damit überhaupt in den Hauptbewerb gekommen wären. Wir hätten dort auch überhaupt nicht hingepasst, aber das haben wir auch schon vorher gewusst. Es ging uns hauptsächlich um die PR in unserem Land. Viele haben ja noch immer geglaubt, wir hätten uns Ende der Neunziger endgültig aufgelöst. Das Bild konnten wir mit unserer Teilnahme breitenwirksam korrigieren.
Eine langweilige 08/15 Ballade, die man in der Sekunde vergessen hat, in der man sie gehört hat und ich hab sie seit damals auch nicht mehr gehört.
Mein erster Gedanke war: „Ah interessant, Bauerndisco auf Anabolika?“ Sympatische Burschen, aber ich habe mit dem Schmäh nicht sehr viel anfangen können.
Kann man wohl sagen! Ich war damals beim Voting zum Vorentscheid im ORF-Zentrum zu Gast und habe miterlebt, wie sich die ORF-Verantwortlichen danach gegenseitig ins rot angelaufene Gesicht gebrüllt haben. Niemand hat das glauben wollen, dass sich das Land gern mit dem Dodel blamieren will. Ich habe sehr gelacht.
Mein Favorit war der Song von Klimmstein feat. Stings Sohn, Joe Sumner. Die sind damals dritter geworden, hinter Nadine Beiler und Trackshittaz. Sonst ist mir auch keiner mehr in Erinnerung geblieben, ehrlich gesagt. Es ist aber auch schon ein paar Jährchen her und ich habe keinen einzigen Song dazwischen noch einmal gehört.
„Who the hell is Edgar“ von Teya & Salena hab ich ganz witzig gefunden und auch Cesár Sampson war da irgendwie ein Ausreißer nach oben. Sonst war da auch schon sehr viel Schrott dabei.
Roman Gregory samt Alkbottle-Maskottchen Oliver mit Nadine Beiler, 2011. Bild: Roland Rudolph
So wie sich die Sprachen und die politischen Verhältnisse mit der Zeit verändern, verändert sich auch der Song Contest mit. Das ist keine feste Größe, so wie die Rolling Stones oder AC/DC, die immer gleich sind. Der Song Contest ist ein Fähnchen im Wind, das einmal im Jahr weht.
Ich war lange Verfechter eines nationalen Vorentscheides, weil es die heimische Szene belebt hat und für mich im Sinne eines Demokratieverständnisses logisch wäre, habe mich aber wie so viele eines Besseren belehren lassen. Jetzt, wo der ORF aus Kostengründen an einem weiteren Sieg in nächster Zeit wohl weniger interessiert ist, lassen sie ja vielleicht wieder das Volk wählen. Da können sie sicher sein, dass wir dort nix reißen.
Ich sehe Jurywertungen sowieso immer skeptisch. Warum zählen die Stimmen von ein paar Typen genauso viel wie die Stimmen von Millionen von Menschen, die auch noch dafür zahlen dürfen, dass sie mitabstimmen können?
Nein, das Thema ist endgültig abgehakt. Es war einmal ein netter Gag. Wenn wir den nochmal bringen, könnte man glauben, es wäre uns ein echtes Anliegen. Aber ja, wir haben wieder Bock und darum konzentrieren wir uns jetzt ganz auf unser neues Album, das vorraussichtlich im Frühjahr 2026 erscheinen wird. Der Titel steht schon fest, er heißt „Phoenix aus der Flasche“.
Ich denke, das kann aus kaufmännischen Hinsicht nur Wien sein, weil da halt die größte Halle des Landes steht. Den Event in einer sechstausender Halle zu machen, kann sich eben nur die Schweiz leisten. Wenn’s aber wurscht is, würde ich mir das Meidlinger Schutzhaus wünschen.
Ich glaube, das Thema hat sich nach seinen unglücklichen Aussagen zu einem etwaigen Israel-Ausschluss erübrigt. Und ich wüsste nicht, wer das für uns besser moderieren könnte, als die Tante Conchita. Hazel Brugger hat da schon eine Benchmark gesetzt heuer.
Er soll sich ein gescheites Management und gute Songschreiber besorgen, die fähig sind, eine Marke aus ihn zu kreieren. Ich sehe da schon ein gewisses Potential.
Ganz schwierige Frage, ich könnte mich nicht entscheiden. Es waren so viele große Momente. Aber als Nicole mit „Ein bisschen Frieden“ gewann, war das der erste ESC, den ich bis zum Schluss habe schauen dürfen, darum ist das wohl auch der einprägsamste. Obwohl aus mir dann eher das genaue Gegenteil von einem blonden langhaarigen Mädchen mit einer weißen Gitarre geworden ist.
Da wir ja keinen Gewinnerdruck mehr haben, können wir endlich wieder etwas experimenteller werden. Jazz Gitti feat. Belphegor mit so einer Black Metal-Bierzelt-Techno-Polka wäre sehr schön. Wenn das zu teuer ist, dann tuts auch ein jodelender Zementmischer aus Serbien mit einem dressierten Hamster, der Kunststücke macht.
Alkbottle spielen ihr legendäres “Biernachten” dieses Jahr am 13. Dezember im Grazer Explosiv, sowie am 19., 20. und 21. Dezember im nicht minder legendären U4 in Wien!
Im ESC-Kontext sei auf folgende Veranstaltungen noch hingewiesen, bevor der ESC dann 2026 in Österreich - irgendwo zwischen Innsbruck und Oberwart - über die Bühne geht: